IT-Gipfel in München Intelligente Stromnetze sind gefragter denn je

Ob intelligentes Energienetz, elektronische Gesundheitskarte oder der berufliche Einsatz von Smartphones – die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran. Beim gestrigen IT-Gipfel standen Smart Grids im Mittelpunkt – ein Zukunftsmarkt auch für das Handwerk.

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    Mit Smart Grids kann der Stromverbrauch kontrolliert und geregelt werden: eine Technologie mit Zukuft.
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    Der Leiter Produktionsplanung Logistik bei der Daimler AG, Peter Glaser (rechts), erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Philipp Roesler während des 6. Nationalen IT-Gipfels ein Modell zur Logistik in der Automobilindustrie.
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    Bitkom-Präsident Dieter Kempf sprach am Dienstag auf dem 6. Nationalen IT-Gipfel unter dem Motto "vernetzt - mobil - smart" im Internationalen Congress Center in München.
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Philipp Roesler (links), hörten während des 6. Nationalen IT-Gipfels dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG, Rene Obermann, zu, der eine Anwendung auf einem Tablet-PC erklärt.

Allein mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Energiewende noch nicht erreicht. Damit der Strom aus diesen alternativen Energiequellen, deren Kapazitäten stark schwanken können, auch in das bestehende Netz eingespeist werden kann, benötigt man neue Techniken. Intelligente Stromnetze und Anlagen, die diese steuern können – sogenannte Smart Grids – gewinnen damit immer mehr an Bedeutung.

Diese kleinen Anlagen können aber auch die Endverbraucher beim Energiesparen unterstützen. So lässt sich mit den sogenannten Smart Metern der Stromverbrauch zuhause kontrollieren und steuern. Man kann damit regeln, dass beispielsweise die Waschmaschine dann anspringt, wenn gerade viel und somit günstiger Strom zur Verfügung steht. Gleichzeitig lässt sich der Verbrauch kontrollieren und Stromfresser im Haushalt können gezielt gefunden werden.

Die Kanzlerin macht Tempo

Mit diesen neuen Techniken steht Deutschland aus Sicht des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) erneut vor einem technologischen Sprung. "Nach dem Einzug des Internets in alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft folgt nun die beschleunigte Digitalisierung der wichtigsten Infrastrukturen“, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf beim gestrigen 6. Nationalen IT-Gipfel in München. Dort versammelten sich Experten der Branche, um über die Zukunft der neuen Technologien und die voranschreitende Digitalisierung zu diskutieren. Gekommen waren auch viele Vertreter aus Wirtschaft und Politik, dazu gehörten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Das Ziel der Kanzlerin ist es, das Internet zum Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft zu machen. An der Schnittstelle zwischen der starken Realwirtschaft und der Internet-Anwendung, "da liegt unsere große Chance", betonte sie. "Da müssen wir eher in schnellerem Tempo mitmachen." Deshalb müsse Deutschland auch bei der Weiterentwicklung und Etablierung der intelligenten Stromnetze eine Vorreiterrolle einnehmen. "Das werden wir schnell anwenden müssen", sagte Merkel mit Blick auf den Atomausstieg.

Chancen fürs Elektrohandwerk

Intelligente Stromnetze, neue Elektroanlagen und der Ausbau vorhandener Technik – das sind gleichzeitig auch neue Geschäftsfelder für Handwerksbetriebe. Sie können sowohl beim Einbau als auch bei der Entwicklung der Anlagen viele neue Aufträge und interessante Zukunftsmärkte finden.

Hightechexperte Kempf sieht in der Etablierung der neuen Techniken aber auch eine große Herausforderung, für die eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen und zwischen allen wichtigen Akteuren nötig sei. "Der Auf- und Ausbau intelligenter Netze ist eine nationale Herkulesaufgabe“, sagte er. In den kommenden Jahren müssten dafür Investitionen von etwa 130 Milliarden Euro aktiviert werden.

Neben den Smart Grids stand beim IT-Gipfel aber auch das Thema "Datenschutz und die Sicherheit im Internet" auf der Tagesordnung. Um die Sicherheit zu erhöhen, forderten Bundesregierung und IT-Wirtschaft die Verbraucher dazu auf, bewusster mit den eigenen persönlichen Daten umzugehen. Kempf sagte, den meisten Bürgern sei Bequemlichkeit wichtiger als Sicherheit – er sei wohl der einzige im Saal, der sein Smartphone mit einer neunstelligen PIN-Nummer gesichert habe. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte: "Der Gebrauch eines starken Passworts und der regelmäßige Wechsel dieses Codes sind noch nicht zur allgemeinen Übung geworden."

Wirtschaft muss selbst aktiv werden

Doch hier müssen die Bürger selbst aktiv werden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler erklärte, bei Online-Banking, auf sozialen Netzwerken und Cloud-Computing in einem weltweiten Netz könnten nationale oder regionale Vorschriften wenig ausrichten. Deshalb müsse die Wirtschaft aus eigenem Interesse für die Sicherheit ihrer digitalen Angebote sorgen, und die Anwender müssten auch selbst mehr Selbstverantwortung übernehmen: "Da reicht Gottvertrauen und Glauben eben nicht", sagte der FDP-Vorsitzende.

Positives konnten die IT-Experten dann noch über den IT-Standort Deutschland berichten. Im weltweiten Vergleich verbesserte sich Deutschland seit vergangenem Jahr von Platz sieben auf Platz sechs nach Südkorea, den USA, Großbritannien, Dänemark und Japan. Vorn liegt Deutschland nach einer auf dem IT-Gipfel vorgelegten Studie des TNS-Infratest-Instituts beim Anteil der Internetwerbung am gesamten Werbeumsatz, nur auf Platz 13 dagegen bei der Nutzung von sozialen Netzwerken sowie beim Online-Angebot von Behörden. Drei Viertel der Deutschen sind inzwischen online. Merkel sagte, Platz sechs sei nicht schlecht, aber das könne noch besser werden. dapd/jtw