Holzhandwerk: Profis arbeiten mit Profiwerkzeugen Was bei handgeführten Maschinen zu beachten ist

Die Berufsgenossenschaft warnt vor Billigeinkäufen bei handgeführten Maschinen zur Holzbearbeitung, aber es gibt noch viele andere Gefahren.

Fest im Griff: Handgeführte Maschinen sind im Holzhandwerk nicht wegzudenken. - © Detlev Müller

Das Holzhandwerk ohne Handkreissäge? Schwer vorstellbar. Handgeführte Maschinen gehören zur unverzichtbaren Grundaus­stattung jeder Tischlerei und Zimmerei. Analysen des Unfallgeschehens durch die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) zeigen jedoch, dass die Elektrowerkzeuge häufig unsachgemäß gebraucht werden. Für den sicheren Umgang mit handgeführten Maschinen sind aus Sicht der BGHM einige Punkte deshalb zu beachten.

Ungeduld hat häufig Schuld

Die Unfallursache lasse sich häufig auf den Satz reduzieren: Ungeduld hat häufig Schuld. Eine vorschnelle und unsichere Bearbeitung führe oft nicht nur zu einem mangelhaften Arbeitsergebnis, sondern sei vielfach auch der Grund für teilweise schwere Verletzungen. Knapp 14 Prozent der meldepflichtigen Arbeitsunfälle in Tischlereien passierten in den Jahren 2014/2015 laut BGHM-Statistik mit kraftbetriebenen handgeführten Sägewerkzeugen. Rechnet man alle anderen handgeführten Elektrowerkzeuge hinzu, steigt die Quote auf mehr als 25 Prozent.

Wer das Risiko solcher Unfälle minimieren möchte, sollte schon bei der Anschaffung auf das richtige Werkzeug achten. Laut BGHM gilt der Grundsatz: Für Profis nur Profiwerkzeuge. Der Kauf von vermeintlich günstigem Werkzeug beim Discounter sei nicht zu empfehlen, da diese Geräte nur für den gelegentlichen privaten Gebrauch gebaut sind. Meist schließen Hersteller aus diesem Grund den täglichen gewerblichen Einsatz von der Gewährleistung für das Produkt explizit aus.

Nicht gespart werden sollte auch an einer passenden Aufbewahrungs- und Transportkiste. So werden nicht nur Beschädigungen des Werkzeugs beim Transport vermieden. Es lasse sich darin auch notwendiges Zubehör unterbringen, damit vor Ort alles gleich griffbereit ist.

Es versteht sich von selbst, dass während des Einrichtens der Maschine der Netzstecker gezogen sein muss. Unerlässlich ist es, dass das zu bearbeitende Werkstück eine sichere Auflage hat. Es darf nicht verrutschen und muss daher möglichst fest eingespannt werden. Die Werkzeughersteller bieten hierzu leicht zu transportierende Werkzeugtische an, auf denen sicher gearbeitet werden kann, auch unterwegs auf Montage. Um die Maschine sicher zu führen, muss sie mit beiden Händen stets fest im Griff gehalten werden. Oft sind exakte Längsschnitte oder das Fräsen einer präzisen Nut erst zusammen mit einem geeigneten Führungssystem möglich.

Rückschlagkräfte beachten

Elektrowerkzeuge sind oft sehr kraftvolle Maschinen. Da Holzwerkstoffe während ihrer Bearbeitung, insbesondere beim Sägen, zum Verklemmen neigen, muss stets mit dem Zurückschlagen der gesamten Maschine gerechnet werden. Besonders häufig kommt es nach Angaben der BGHM zu Unfällen mit Verletzungen durch das rotierende Werkzeug, wenn es sich im Material verhakt und dem Nutzer aus der Hand gerissen wird.

Nicht zuletzt sollte auch an einen ausreichend großen Bewegungsraum während des Arbeitsvorgangs und an den sicheren Stand gedacht werden. Arbeiten auf Leitern sind grundsätzlich zu vermeiden, da hier durch die hohen Rückschlagkräfte immer ein potentielles Absturzrisiko besteht.

Fallen größere Abschnitte an, ist darauf zu achten, dass diese problemlos abfallen können, ohne Schäden anzurichten. Gerne wird von Handwerkern beim Auftrennen mit der Handkreissäge mit einer Hand nachgegriffen, um den Abschnitt zu greifen. Dadurch ist aber keine sichere Führung der Maschine mehr möglich und die Hand kann leicht unter der Maschine ins rotierende Werkzeug geraten.

Absaugung wichtig

Bei längeren Bearbeitungsstrecken muss nicht nur darauf geachtet werden, dass keine Stolperstellen im Weg stehen. Auch ein ausreichend langes Netzkabel ist nötig. Viele Profis führen aus diesem Grunde die Zuleitungen über die Schulter an die Maschine, damit sie diese stets unter Kontrolle haben und nicht mit dem rotierenden Bearbeitungswerkzeug in Berührung kommen können.

Nicht zu unterschätzen sind laut BGHM auch die Emissionen handgeführter Maschinen. Stäube von Harthölzern wie Eiche oder Buche können Krebs erzeugen. Darüber hinaus kann Holzstaub zu Beeinträchtigungen der Atemwege und der Haut, in schlimmeren Fällen zu allergischen Reaktionen führen.

Deshalb sollten möglichst alle zerspanenden und Holzstaub emittierenden Handmaschinen an eine externe Absaugvorrichtung wie einen geprüften Industriestaubsauger angeschlossen werden, der eine F ilterqualität der Staubklasse M gewährleistet. Die Ausstattung mit einer Werkzeugsteckdose und einer Ein- und Ausschaltautomatik sollte dabei selbstverständlich sein.

Vibrationen und Lärm

Die Maschinen selbst verursachen gesundheitsgefährdende Emissionen in Form von Schwingungen, die als Lärm und Vibrationen auf den Bediener einwirken. Beim Einsatz von Handmaschinen in der Holzbearbeitung muss laut BGHM je nach Bearbeitung mit einem Lärmemissionspegel von deutlich über 90 Dezibel gerechnet werden. Aus diesem Grund ist auch bei einem kurzzeitigen Einsatz grundsätzlich Gehörschutz zu tragen.

Vibrationen der Maschine übertragen sich über die Handgriffe auch auf die Hände und Finger. Bei einem länger andauernden Gebrauch drohen je nach Intensität Nervenschädigung, Durchblutungsstörungen oder Gelenkschäden, warnt die Berufsgenossenschaft.

Elektrische handgeführte Maschinen müssen nach der Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 einer regelmäßig wiederkehrenden Prüfung durch eine Elektrofachkraft unter­zogen werden. Der Richtwert für die Fristen beträgt laut BGHM sechs Monate, beim Einsatz auf Bau- und Montagestellen drei Monate. dhz