Berufseinsteiger verunglücken besonders häufig Handwerkzeuge: 80.000 Unfälle zu viel

Wie geht man mit einem Hammer richtig um? Die Frage klingt lächerlich, tatsächlich verletzen sich aber Jahr für Jahr rund 80.000 Menschen bei der Arbeit mit ihren Handwerkszeugen so stark, dass dies als Unfall bei der Berufsgenossenschaft gemeldet werden muss. Berufseinsteiger sind am gefährdetsten. Was sie für den Umgang mit Werkzeugen wissen müssen.

Unfallgefahr Hammer: Gerade Berufseinsteiger wie dieser junge Zimmerer sind unfallgefährdet, weil sie im Umgang mit dem Werkzeug noch nicht geübt sind. - © amh-online

Der Umgang mit Werkzeugen will gelernt sein. Gerade Berufsanfängern fehlt die Übung. Gleichzeitig gehen sie aber oft sorglos mit Werkzeug um, weil sie die Gefahren unterschätzen.

Die unfallträchtigsten Werkzeuge sind nach Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Messer, Hämmer und Schraubenschlüssel- oder –dreher. Am häufigsten sind Schnitt- und Stechwunden. Aber auch Quetschungen und Knochenbrüche sind nicht selten. Wenn Splitter unkontrolliert wegfliegen, sind zudem die Augen stark gefährdet.

Werkzeug zu falschem Zweck gebraucht

Die meisten Unfälle mit Handwerkzeugen passieren, weil Menschen die Geräte zweckentfremden. Typische Unfallsituationen entstehen, wenn:

  • Schrauben nicht mit dem Schraubendreher, sondern mit der Klinge eines Taschenmessers befestigt oder gelöst werden sollen
  • Der Schraubendreher als Stemm-, Brech- oder Hebelwerkzeug verwendet wird
  • Ein Nagel mit einer Flachzange oder dem Griff eines Schraubendrehers eingeschlagen werden soll
  • Hämmer als Biegewerkzeuge und Zangen als Schraubwerkzeuge genutzt werden.
  • Improvisiert wird, anstatt ein passendes Werkzeug zu holen
  • Werkzeuge abgewandelt und eigenmächtig umgebaut werden

Aufräumen kann Unfälle vermeiden

Nach getaner Arbeit sollte man sein Handwerkszeug sicher ablegen, von Öl, Spänen und Schmutz befreien und es sofort wieder an seinen Platz legen. Denn wenn man es beim nächsten Mal nicht sofort findet, ist die Versuchung groß, doch zu improvisieren.

Kritisch ist auch, wenn ungeschützte Werkzeuge wie Schraubendreher oder Zangen in Kleidungstaschen gesteckt werden – nicht selten führt dies zu Stichverletzungen. Wenn Werkzeug am Körper mitgeführt werden muss, dann in einer Gürteltasche.

Sicht-, Maß- und Funktionskontrolle der Werkzeuge

Nicht nur Reinigung und Pflege gehören zum sorgsamen Umgang, auch regelmäßige Kontrollen sind nötig: gibt es starke Abnutzungen, Gratbildungen, sichtbare Beschädigungen, sitzen Stiele und Griffe fest? Der Unternehmer kann festlegen, welche Prüfungen noch nötig sind.

Typische Checks sind:

  • Hämmer: Ist der Hammerkopf gegen Wegfliegen gesichert? Passt der Stiel genau ins Hammerauge? Ist der Hammerstiel glatt, weder geflickt noch gespalten und frei von Öl und Fett?
    Sind die Fasen am Hammerkopf noch scharf oder müssen sie nachgeschliffen werden?
  • Meißel: Ist der Meißelkopf frei von Gratstellen? Ist der Meißel noch scharf? Ist der Handschutz unbeschädigt?
  • Feilen: Sitzt der Feilengriff fest? Ist er nicht gespalten oder defekt?
  • Schraubendreher: Passt der Schraubendreher zur Größe der Schraube? Sind die Kanten weder abgenutzt noch verbogen? Ist der Griff gerade und zeigt keine Risse?
  • Schraubenschlüssel: Passt die Schlüsselweite? Ist das Maul nicht aufgeweitet?

Beschädigtes Werkzeug muss fachgerecht repariert werden. Wenn das nicht mehr möglich ist, gehört es in den Müll.

Die DGUV hat Lehr- und Lernmaterialien zusammengestellt, mit deren Hilfe Ausbilder, aber auch Auszubildende sel bst sich das nötige Hintergrundwissen über den richtigen Umgang mit Handwerkszeugen erarbeiten können.

Die kostenlose Broschüre "Sicherheit beim Arbeiten mit Handwerkszeugen“ steht dort als pdf-Datei zum Abruf bereit.

Eine umfassende Liste von Werkzeuge mit weiterführenden Informationen und entsprechenden Links steht unter Wikipedia. bst