Mediziner Michael Falkenstein im Interview Gesund arbeiten: "Monotonie macht das Gehirn kaputt"

Der Mensch altert weniger wegen der Zeit als wegen der Umstände, sagt Michael Falkenstein, Doktor der Medizin, Diplom-Psychologe und Diplom-Ingenieur. Handwerker sieht er im Vorteil.

Barbara Oberst

Michael Falkenstein ist Doktor der Medizin, Diplom-Psychologe und Diplom-Ingenieur. Er arbeitet als Professor am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund mit Forschungsschwerpunkt Altern, Kognition und Arbeit. - © Foto: privat

DHZ: Sie erforschen die Auswirkungen des Alterns auf die Arbeitsfähigkeit. Im Handwerk wird häufig von körperlichen Aspekten gesprochen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Arbeit und dem Altern des Gehirns?

Falkenstein: Ein sehr großer. Wir haben Bandarbeiter bei Opel untersucht, die jahrelang monotone Aufgaben erledigten. Diese Arbeiten haben zu einem vorzeitigen Altern einiger Hirnfunktionen geführt. Handwerker haben es hier im Vergleich oft besser: Meist ist ihre Arbeit relativ vielseitig, sie müssen immer wieder neue Problemlösungsstrategien entwickeln. Das hält das Gehirn fit und damit bleibt auch die Arbeitsfähigkeit länger erhalten.

DHZ: Wie wirkt sich das Altern des Gehirns denn aus?

Falkenstein: Die Alterung des Gehirns führt im Mittel zu Veränderungen von mentalen Fähigkeiten. Bei vielen Älteren lassen beispielsweise die Suchfähigkeit, das logische Denken und vor allem die Gedächtnisleistung nach. Zeitdruck ist für Ältere überhaupt nichts und Störreize können sie nur schlecht ausblenden.

DHZ: Gibt es umgekehrt auch Fähigkeiten, die zunehmen?

Falkenstein: Ja. Ältere, die ihr Gehirn fit halten, arbeiten meist sehr genau. Sie haben mehr Überblick als Jüngere, ein großes Erfahrungswissen, sind fokussiert und machen weniger Fehler. Außerdem steigt mit den Jahren die emotionale und soziale Intelligenz.

DHZ: Kann man aktiv etwas tun, um das Gehirn leistungsfähig zu halten?

Falkenstein: Ja. Unser Gehirn braucht Herausforderungen. Also ist es sinnvoll, sich selbst und den Mitarbeitern immer wieder neue Arbeiten zu geben, Aufgaben rotieren zu lassen und sich nicht auf dem auszuruhen, was man erreicht hat. Aber auch Sport und gute Ernährung halten unser Gehirn fit. ­Außerdem gibt es Computerspiele, die ­kognitive Funktionen trainieren.

Ein fitter Chef für die Zukunft

Im Herbst 2014 startet ein vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördetes Projekt mit dem Titel "Gesunde Führung – gesunder Betrieb". Handwerksunternehmer können kostenlos an den Maßnahmen teilnehmen, bei denen die Gesunderhaltung des Chefs im Zentrum steht. Projektpartner sind das Institut Leistung Arbeit Gesundheit (ILAG), die IKK classic und das Berufsforschungs- und Beratungsinstitut für interdisziplinäre Technikgestaltung BIT. Weitere Informationen und Anmeldung unter handwerk-fit.de .