Höhere Kosten für Verbraucher Firmen fangen Mindestlohn mit Preiserhöhungen auf

Seit eineinhalb Jahren gibt es nun den Mindestlohn. Der befürchtete Jobabbau durch den Mindestlohn ist ausgeblieben. Aber: Firmen haben laut einer aktuellen Studie andere Wege gesucht, um die Zusatzkosten abzufedern. Viele fangen die gestiegenen Kosten durch Preiserhöhungen auf.

Rund 20 Prozent der Firmen in Deutschland haben auf den Mindestlohn mit einer Preiserhöhung für die Verbraucher reagiert. - © bildergala/Fotolia.com

Der Mindestlohn hat eineinhalb Jahre nach der Einführung nicht zu befürchteten größeren Entlassungen geführt. Vielmehr fangen die Firmen die Zusatzkosten durch andere Maßnahmen auf. Schlecht für den Verbraucher: Bei gut einem Fünftel der Betriebe gab es seit dem Start des Mindestlohns Preiserhöhungen. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Die Arbeitszeit der Mitarbeiter wird verkürzt

Eine weitere Maßnahme bei rund 20 Prozent der Unternehmen: Die Arbeitszeit der betroffenen Beschäftigten wird verkürzt und bestimmte Arbeiten müssen in geringerer Zeit erledigt werden.

Seit Anfang 2015 gilt bundesweit ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Zuvor hatte nach einer älteren IAB-Studie etwa jeder zehnte deutsche Betrieb mindestens einem Beschäftigten weniger gezahlt. Dies war vor allem in der Gastronomie, dem Einzelhandel sowie in der Land- und Forstwirtschaft der Fall. Experten sahen deshalb durch die Einführung des höheren Mindestlohns mehrere hunderttausend Stellen gefährdet.

60.000 Stellen bleiben unbesetzt

Nun befragte das Nürnberger Institut, in seiner nach eigenen Angaben repräsentativen Umfrage für Unternehmen in Deutschland,  rund 16.000 Betriebe. Von ihnen gaben rund 20 Prozent an, direkt oder indirekt vom Mindestlohn betroffen zu ein. Die Forscher haben sich vor allem die Antworten betroffener Betriebe angeschaut. 10,4 Prozent der Firmen gaben demnach an, bei der Einstellung neuer Mitarbeiter zurückhaltender gewesen zu sein als vor der Einführung des Mindestlohns. Einige Stellen blieben deshalb sogar unbesetzt.

Nach Schätzungen des IAB wurden aufgrund des Mindestlohns rund 60.000 Stellen nicht geschaffen, die es ohne die Mindestlohnregelung heute gäbe. Das Urteil der Wissenschaftler: Diese Zahl zeige, dass der "negative Beschäftigungseffekt" wegen des Mindestlohns verhältnismäßig gering sei.

Lediglich 5 Prozent der Betriebe entlassen Mitarbeiter

Zum drastischsten Mittel - der Entlassung - haben laut Studie noch weniger betroffene Betriebe gegriffen. Lediglich 4,7 Prozent. Zwar wurde schon kurz nach dem Start der Mindestlohnregelung die Zahl der Mini-Jobs um rund 90.000 reduziert, knapp die Hälfte der Stellen ist jedoch  in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt worden. Die Einführung des Mindestlohns wirkt sich demnach nicht so negativ auf den deutschen Arbeitsmarkt aus, wie dies 2015 noch befürchtet wurde. dhz/dpa