Der Social-Media-Check Die besten Apps für Handwerker

Facebook, Instagram, Snapchat,Twitter und WhatsApp: Für Handwerker haben wir fünf Apps im Realitäts-Check unter die Lupe genommen.

Vanessa Duldner

Mit dem Smartphone in der Werkstatt? Wer sich einen Account auf Facebook, Twitter oder Instagram anlegt, sollte Zeit und Begeisterung für soziale Netzwerke mitbringen. - © kuzmichstudio/Fotolia.com

Auf den Smartphone-Displays wird es langsam voll: Facebook, Instagram und Twitter gelten als populärste Kommunikationskanäle für Digitalnomaden, aber auch als Aushängeschild im Web für Unternehmen. WhatsApp macht auf privater Ebene das Rennen. Die Foto- und Videomessaging-App Snapchat ist der neueste Stern am Social-Media-Himmel. Für Handwerker haben wir fünf Apps unter die Lupe genommen und den Realitäts-Check durchgeführt: Welche Apps lohnen sich wirklich für Handwerksbetriebe, deren Tagesgeschäft sich häufig in der Werkstatt oder auf der Baustelle und nicht am Bildschirm abspielt? Wie hoch ist der Zeitaufwand für die Pflege der Kanäle? Und tummelt sich die jeweilige Zielgruppe tatsächlich auf Facebook, Instagram und Co?

Facebook – Alternative zur Firmen-Homepage?

Facebook gilt als Muss für Unternehmen, die erfolgreich im Social Web agieren wollen und wird inzwischen oft als Ersatz oder Ergänzung zur klassischen Firmen-Homepage genutzt. Lob und Kritik in Form von Likes oder Kommentaren gelangen rasch und ungefiltert auf die Facebook-Seite des Unternehmens, das zwei Möglichkeiten hat, darauf zu reagieren: unmittelbar Stellung zu beziehen oder den viel gefürchteten Shitstorm unkommentiert verpuffen zu lassen. Bei einer größeren Empörungswelle ist eine professionelle, öffentliche Stellungnahme unbedingt erforderlich. Vereinzelte kritische Äußerungen lassen sich häufig unkompliziert mittels Direktnachricht klären. Ein Gespür dafür entwickelt sich meist in der Praxis: Die einzig richtige Strategie für Facebook als Marketing-Instrument existiert schließlich nicht.

Facebook, die Allrounder-App: Mit guten Geschichten aus dem Handwerk, Hingucker-Fotos und schnellen Reaktionen auf Kundenanfragen gelingt der Start eines Facebook-Accounts für Handwerksbetriebe. - © nanomanpro/Fotolia.com

Präsenz zeigen: Regelmäßig posten für Likes und Fans

Sinnvoll ist, Facebook als Kommunikationsplattform für den Austausch mit Kunden aktiv zu nutzen: Friseurtermine zu vereinbaren oder aktuelle Veranstaltungen oder Messen über Facebook ankündigen ist inzwischen Usus. Genauso wichtig ist es, branchenrelevante Neuigkeiten zu teilen, um sich bestmöglich zu vernetzen oder die eigene Meinung öffentlichkeitswirksam zu platzieren. Die eher statische Unternehmens-Website kann parallel dazu beibehalten werden. Der Zeitfaktor für die Pflege eines Facebook-Accounts kann sehr unterschiedlich ausfallen. Professionelles Social-Media-Marketing ist ein Full-Time-Job. Als grobe Faustregel gilt, wöchentlich mindestens eine Stunde für die Profil-Pflege einzuplanen und regelmäßige Account-Checks durchzuführen, um rasch auf Anfragen zu reagieren. Beiträge können vorab in Facebook terminiert werden. Ein Redaktionsplan ist ein sinnvolles Grundgerüst, um sich an Themen entlangzuhangeln. Wer dauerhaft Fans an sich binden will, braucht gute Geschichten kombiniert mit Hingucker-Bildern. Das Handwerk bietet zum Glück beides.

Kurz & knapp: Präsenz zeigen, spannende Inhalte liefern und mit Kunden ins Gespräch kommen – Facebook ist das wohl populärste soziale Netzwerk und für den Einstieg in den Social-Media-Dschungel sicherlich die beste Wahl für Handwerksbetriebe.

Instagram, die "Küken-Community" für visuelle Typen

"Das Auge isst mit", deswegen eignet sich die bildlastige, kostenlose Online-Plattform Instagram zum Teilen von Fotos und Videos besonders für lebensmittelverarbeitende Handwerksbetriebe wie den Konditor oder den Bäcker, aber auch für andere "schöne Gewerke" wie beispielsweise den Goldschmied, den Friseur oder den Maßschneider, um anderen Instagram-Nutzern neue Produkte oder einen Blick in die Werkstatt zu gewähren. Mittels unterschiedlicher Filter lassen sich mit dem Smartphone fotografierte Bilder aufwerten oder verfremden. Gezielt eingesetzte Hashtags und das Liken von anderen Handwerksbetrieben sorgen dafür, dass der Account leichter von interessierten Nutzern gefunden wird. Im Social Web ist es sogar üblich, Konkurrenzbetriebe zu liken – und ihre Social-Media-Aktivitäten damit im Auge zu behalten.

Der Friseursalon Dilek Hair Couture aus München macht es vor: Mitarbeiterin Damla Sahin ist es durch ihren Instagram-Account geglückt, Neuzukunden anzulocken. - © Dilek Hair Couture

Bilder mit Blickfang-Faktor locken Neukunden an

Mit Vorher-Nachher-Bildern und zufrieden lächelnden Kunden hat der Münchner Friseursalon Dilek Hair Couture zum Beispiel bereits Neukunden angelockt. Obwohl der Zeitaufwand – verglichen mit den anderen Apps – relativ gering ist, empfiehlt es sich, mehrmals pro Woche ein durchdachtes Motiv mit pfiffiger Bildunterschrift und beliebten Hashtags wie #handwerk oder #handwerkskunst zu posten. Denn auch verwaiste Instagram-Accounts verlieren schnell an Followern.

Kurz & knapp: Wenngleich Instagram in Deutschland neben Snapchat als „Küken-Community“ gilt und primär die unter Achtzehnjährigen anzieht, können vielbeschäftigte Handwerker auf Instagram mit wenig Aufwand viel bewirken.

Twitter – Netzwerken, was das Zeug hält

Wo ist das Vögelchen? Der Kurznachrichtendienst Twitter, was zu Deutsch so viel wie "Gezwitscher" heißt, setzt auf kurze und knackige Botschaften, sogenannte Tweets mit maximal 140 Zeichen. Unternehmen verwenden Twitter bevorzugt als Support-Dienst, aber auch um Kunden über aktuelle Themen zu informieren und sich mit Geschäftspartnern auszutauschen. Die Deutsche Bahn twittert zum Beispiel unter @DB_Info aktuelle Verkehrsmeldungen und reagiert unter @DB_Bahn auf Fragen zum Personenverkehr. Wer auf Twitter in der oberen Liga mitspielen will, sollte regelmäßig – am besten mehrmals täglich – posten, und via Hashtags an gegenwärtigen Diskussionen teilnehmen, um Follower zu gewinnen. Pro Monat nutzen laut Twitter zwölf Millionen Deutsche, bevorzugt Multiplikatoren wie Journalisten oder Politiker, den Microblogging-Dienst. Das Verhältnis von aktiven Nutzern und passiven Lesern ist dabei nicht bekannt.

Branchen-News und Kunden-Support

Was bedeutet das fürs Handwerk? Genau wie auf Instagram ist es sinnvoll, Hashtags zu verwenden, um seine Zielgruppe auf seinen Account aufmerksam zu machen. Der klare Vorteil gegenüber Instagram: Das Durchschnittsalter der deutschen Twitter-Nutzer beträgt aktuell 32 Jahre, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, potenzielle Kunden mit seinen Tweets zu überzeugen. Ganz klar im Vordergrund bei Twitter steht aber die Idee des Netzwerkens .

Kurz & knapp: Wortführer auf Twitter sind in Deutschland primär Politiker und Journalisten. Als Netzwerk- und Informationsmedium ist der Kurznachrichtendienst für jedermann geeignet – einfach nach dem passenden Hashtag suchen, zum Beispiel #handwerk. Oder einem der bekanntesten twitternden Handwerker folgen, zum Beispiel Malermeister Werner Deck, @malerdeck , aus Karlsruhe.

Seite 2: Snapchat und WhatsApp im Realitäts-Check

Snapchat: Jugend-App auf dem Weg nach oben

Snapchat ist die App mit dem Geist als Logo, der auf immer mehr Smartphones herumspukt – Tendenz steigend. Zunächst als reine App für die junge Zielgruppe unter 25 abgetan, nutzen immer mehr Unternehmen Snapchat zu Marketing-Zwecken. Der Clou: Versendete Bilder und Videos werden nach maximal zehn Sekunden wieder gelöscht. Damit sinkt die Hemmschwelle, auf Snapchat zu interagieren. Nachteil: Kreative Ideen haben auf Snapchat eine kurze Lebensdauer. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, sogenannte "Geschichten" zu veröffentlichen, die immerhin 24 Stunden abrufbar sind. Das Handwerk nutzt die App bislang zögerlich.

Snapchat für Handwerker? Eine witzige, aber erklärungsbedürftige App für den Blick hinter die Kulissen des Betriebs oder zur Nachwuchswerbung. - © Foto: Andrea Warnecke/dpa

Via Snapchat Lehrlinge finden

Snapchat gilt als eine der erklärungsbedürftigsten Apps, jedoch finden sich im Netz inzwischen zahlreiche Tutorials für Einsteiger, zum Beispiel von  Philipp Steuer. Handwerksbetriebe, die Snapchat für sich erobern wollen, brauchen zunächst "Freunde". Ködern lassen sich selbige mit witzigen, persönlichen Snaps aus dem Handwerks-Alltag, Gutscheinen oder Gewinnspielen. Gefragt ist bei Snapchat Reaktionsschnelligkeit, Kreativität und die Bereitschaft, Blicke hinter die Kulissen zu gewähren. Wer kamerascheu ist, kann bei Snapchat auf lange Sicht keine Punkte sammeln. Im Handwerk bietet sich die "Teen-App" Snapchat Betriebe an, die auf der Suche nach Auszubildenden sind: Jugendliche erhaschen einen Blick hinter die Kulissen des potenziellen Arbeitgebers und ein unkomplizierter, amüsanter Erstkontakt via Snapchat entsteht.

Kurz & knapp: Spielerei oder ernstzunehmender Marketing-Kanal? Es bleibt spannend, in welche Richtung sich Snapchat weiter entwickelt. In jedem Fall können Handwerksbetriebe die junge Zielgruppe unter 25, also potenzielle Lehrlinge, über Snapchat erreichen.

WhatsApp – Chatten mit dem Chef

WhatsApp hat die SMS und vielfach sogar Telefon oder E-Mail abgelöst: Auf privater Ebene werden via WhatsApp Nachrichten, Bilder, Audio-Dateien oder Videos verschickt – an eine Person oder an eine ganze Gruppe. Etwa eine Milliarde Nutzer weltweit hat der Messenger inzwischen zu verzeichnen. Auch auf Geschäftsebene ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, Mitarbeiter via WhatsApp mit den neuesten Informationen zu versorgen. Hotels bieten Zimmerreservierung per Whatsapp an, Zeitungen senden ihren Lesern die wichtigsten Nachrichten über den Messenger.

Ob für den Kundenkontakt oder in der Kommunikation mit Kollegen – WhatsApp erleichtert den Arbeitsalltag im Handwerk. - © picture alliance/ dpa/ Andrea Warnecke

Kundenkommunikation via WhatsApp? Absprache nötig

Auch für Handwerksbetriebe sind die Vorteile einer Kommunikation über WhatsApp unter Kollegen oder gar mit dem Kunden nicht von der Hand zu weisen: Baustellen-Bilder, um für den Chef oder anderen Mitarbeitern die Gegebenheiten vor Ort zu demonstrieren oder eine kurze Nachricht vom Kunden an den Handwerker des Vertrauens bei einem akuten Problem. Wichtig ist, sich im Vorfeld schriftlich abzusichern, ob der Kontakt über WhatsApp gewünscht ist. Wenn Kunden die Initiative ergreifen und Betriebe anschreiben, ist keine extra Vereinbarung notwendig.

Kurz & knapp: Hilfreicher Messenger für die Kommunikation im Betrieb und mit Kunden – aus Rechtsgründen aber nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung.

Test-Fazit

So spannend die Entwicklungen und so vielversprechend die Chancen in den sozialen Netzwerken für Handwerksbetriebe sind – wer keine Spur digitaler Nerd ist, sollte sich genau überlegen, ob er Apps wie Facebook, Twitter und Co für seine Marketing-Strategie einsetzen will und ausreichend zeitliche Lücken in seinem Arbeitsalltag zum regelmäßigen Bespielen der Kanäle findet. Vernachlässigte Accounts werden von Kunden schnell entfolgt und werfen kein gutes Licht auf den Betrieb. Der Realitäts-Check zeigt: Je nach Zeitbudget, sollten Handwerker sich zunächst auf einen Account konzentrieren – und ganz nebenbei das persönliche Gespräch mit dem Kunden nicht unterschätzen.