Institut warnt vor dramatischem Engpass 2030 werden 760.000 Fachkräfte fehlen

Elektriker und SHK-Betriebe spüren es schon lange, jetzt haben sie es schriftlich: In den Elektro-, Metall- und Installationsberufen droht ein dramatischer Fachkräfteengpass. Bis zum Jahr 2030 werden hier rund 760.000 Fachkräfte fehlen, rechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

In Elektro- und Versorgungsberufen droht ein dramatischer Engpass. In 15 Jahren fehlen 760.000 Fachkräfte allein in diesen beiden Bereichen, warnt das Bundesinstitut für Berufsbildung. - © BIBB

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erklärt die dramatischen Zahlen mit dem demografischen Wandel, aber auch mit dem "Drang“ der Jugendlichen an die Gymnasien und Hochschulen. Gerade technik-affine Abiturienten wählen eher ein Hochschulstudium, zum Beispiel im Ingenieurwesen, statt eine Berufsausbildung plus Aufstiegsfortbildung anzustreben. Die Sonderauswertung basiert auf den gemeinsamen Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen des BIBB mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

"Massive Engpässe und Verwerfungen" im Handwerk

Gerade bei den Handwerksberufen wird es nach den Worten von BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser "zu massiven Engpässen und Verwerfungen“ kommen. "Im langfristigen Vergleich können die Erwerbschancen im Handwerk in der sich verschärfenden Konkurrenz zu industriellen und akademischen Berufen nicht mithalten“, warnt der BIBB-Präsident. " Was wir brauchen, ist eine deutliche Steigerung der Wertschätzung der dualen Berufsausbildung in der Gesellschaft und nicht ein zu starkes und einseitiges Setzen auf eine Erhöhung der Quote der Hochschulabsolventen. Dazu muss Erwerbsarbeit in Kleinbetrieben auch für Abiturienten eine attraktive Alternative zur Beschäftigung in Großunternehmen oder Einrichtungen des öffentlichen Dienstes sein.“

Zur Attraktivitätssteigerung des Berufsbildungssystems sei ein ganzes Bündel von bildungspolitischen Maßnahmen zu ergreifen, rät Esser. Vor allem komme es jetzt darauf an, noch vorhandene Potenziale in viel stärkerem Ausmaß als bislang zu nutzen. "Dies gilt insbesondere für Jugendliche mit schlechteren schulischen Voraussetzungen oder mit Migrationshintergrund, für eine Verbesserung der Berufsorientierung, für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen oder die Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt.“

726.000 scheiden aus, nur 270.000 rücken nach

Besonders dramatisch soll sich die Situation in den Versorgungsberufen als Teil des Berufsfeldes „Metall- und Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation und Montage“ entwickeln. In den Jahren von 2012 bis 2030 scheiden rund 726.000 Erwerbspersonen aus diesem Berufsfeld aus, doch voraussichtlich werden nur knapp 270.000 Personen mit dieser spezifischen Qualifikation nachkommen. Allein hier werden also bis 2030 knapp 460.000 qualifizierte Fachkräfte fehlen.

Zu den Versorgungsberufen zählen im Einzelnen zum Beispiel Berufe der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, im Ofen- und Luftheizungsbau, in der Kältetechnik, in der Ver- und Entsorgung, in der Wasserversorgung und Abwassertechnik, im Rohrleitungsbau sowie in der Abfallwirtschaft.

300.000 Elektro-Fachkräfte zu wenig

Ähnlich – wenn auch nicht ganz so dramatisch – sieht die Entwicklung in den Elektroberufen aus. Bis zum Jahr 2030 werden aus diesem Berufsfeld rund 648.000 Erwerbspersonen ausscheiden. Nach den Berechnungen des BIBB kommen aber voraussichtlich nur 350.000 Erwerbspersonen neu hinzu. Hier werden also knapp 300.000 Fachkräfte mit dieser spezifischen Qualifikation fehlen.

Zu den Elektroberufen gehören insgesamt mehr als 60 Berufsbezeichnungen, insbesondere Berufe in der Bauelektrik, der Elektromaschinentechnik, der Energie- und Kraftwerkstechnik, der elektrischen Betriebstechnik, der Leitungsinstallation und -wartung, der Elektro- und Informationstechnik, der Telekommunikation, der Mikrosystemtechnik sowie der Luftverkehrs-, Schifffahrts- und Fahrzeugelektronik.

Die Sonderauswertung basiert auf den gemeinsamen Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen des BIBB mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). dhz