Alle sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an den Folgen von Alkohol oder durch die Kombination aus Alkohol und Zigaretten. Die hiesigen Rauch- und Trinkgewohnheiten schaden dabei langfristig der Volkswirtschaft.

Rund 140 Liter Alkohol haben die Deutschen 2013 zu sich genommen. Beim Alkoholkonsum liegt Deutschland somit unter den Top 5 von 34 OECD-Staaten. Nur in den Nachbarländern Luxemburg, Österreich und Frankreich sowie im baltischen Staat Estland wird mehr getrunken. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Jahrbuch Sucht hervor, dass von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen herausgegeben worden ist.
Auch beim Tabakkonsum sieht es nicht besser aus. Mit 1,2 Prozent fällt er 2013 geringer aus als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich 996 Zigaretten pro Einwohner geraucht.
Frauen rücken in den Fokus
In den Fokus des Suchtreports rückten dabei immer mehr gut ausgebildete, berufstätige Frauen, bei denen der Alkoholkonsum überproportional ansteige, sagt die Suchtexpertin Gabriele Bartsch. Etwa zehn Millionen Menschen würden in gesundheitlich riskanter Weise trinken.
Das heißt, sie konsumieren täglich mehr als zwölf Gramm (Frauen) beziehungsweise 24 Gramm (Männer) Alkohol. Eine 0,3-Liter-Flasche Bier enthält knapp 13 Gramm Alkohol. Knapp 1,8 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen trinken in missbräuchlicher Weise.
Damit hätten die legalen Drogen mehr Auswirkungen als die illegalen. Mit geschätzten vier süchtigen Konsumenten von Cannabis, Kokain und Amphetaminen pro tausend Einwohner im Alter zwischen 15 und 64 gehört Deutschland zu den Ländern mit eher niedriger Krankheitsquote.
Hohe volkswirtschaftliche Kosten
An den Folgen des Rauchens sterben jedes Jahr zwischen 100.000 und 120.000 Menschen. Städte wie Jena, Koblenz oder Ulm würden sich sprichwörtlich in Luft auflösen. 74.000 Menschen sterben jährlich an der Kombination aus riskantem Trinken und übermäßigem Tabakkonsum. Laut Angaben des Suchtreports verursache das hohe volkswirtschaftliche Kosten. Diese liegen für alkoholbedingte Krankheiten bei 26 Milliarden Euro im Jahr. Demgegenüber steht dem Staat eine Einnahme aus der Alkoholsteuer von etwa 3 Milliarden gegenüber.
Die Kosten für tabakbedingte Krankheiten liegen bei 33 Milliarden Euro im Jahr. Demgegenüber stehen rund 14 Milliarden Euro aus Tabaksteuern gegenüber. Effektive und kostengünstige Präventionsmaßnahmen gäbe es bereits. Allerdings lasse die Umsetzung auf sich warten. Das zeige auch die Platzierung der aktuellen Tabak-Kontroll-Skala. Hier liegt Deutschland auf Platz 33 unter 34 Ländern. cle