Wenn vom 25. bis 27. Februar die LogiMAT stattfindet, werden unter den knapp 30.000 erwarteten Besuchern der Industriemesse auch etliche Handwerker zu finden sein. Sie pilgern nach Stuttgart, um sich über die neusten Trends in der Logistik zu informieren.
Michael Sudahl

Nach Angaben des Veranstalters der Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH nimmt seit Jahren der Anteil der Besucher kleinerer Betriebe, vor allem aus dem Handwerk, zu.
Dieser Trend verwundert nicht. Denn immer mehr Schreiner, Schlosser und Metallbauer optimieren ihre Betriebsabläufe innerhalb und außerhalb der Werkstatt. Verkürzen Wege und rechnen durch, ob und wann es sich lohnt, Waren zu lagern oder sie besser Just in time liefern zu lassen. Dafür bei der Industrie nach effizienten Handhabungsprozessen Ausschau zu halten, sei nichts Verwerfliches, bestätigen Branchenkenner.
Einer, der seit Jahren auf der LogiMAT ausstellt und Ähnliches beobachtet hat, ist Roland Rüdinger. Der Spediteur aus Krautheim in Nordwürttemberg fährt nach eigenen Angaben zwar selten im Auftrag kleiner Handwerksbetriebe. Allerdings sind die Kunden seiner Kunden Handwerker. Und die würden immer stärker Teilbereiche der Logistik an Dienstleister wie ihn auslagern.
Als Beispiel nennt Rüdinger einen Bauelementehersteller aus Hüllhorst. Für ihn und andere Zulieferer des Handwerks hat der Spediteur Lagerhallen in Hohenlohe gebaut. Dort schlägt der Logistiker Dachlichtkuppeln und -bänder um. Er ist quasi das süddeutsche Distributionszentrum des Herstellers aus Nordrhein-Westfalen. Täglich erreichen zwei Lastzüge mit entsprechendem Material das Betriebsgelände von Rüdinger nahe der Autobahn 81, die auf dieser Strecke Heilbronn mit Würzburg verbindet. Von Boxberg aus liefert der Logistiker die Bauelemente direkt auf die Baustellen zwischen Mannheim und Bodensee.
Der exakte Lieferzeitpunkt wird vorhergesagt
Moderne Navigationssysteme ermöglichen die Vorhersage eines exakten Lieferzeitpunktes. Die Fahrer sind speziell darauf geschult, mit den Handwerkern zu kommunizieren. "Wer hier schlampert und Termine nicht hält, verliert rasch an Glaubwürdigkeit und damit den Kunden", sagt Rüdinger. Der Vorteil für die Montagebetriebe liegt auf der Hand: Die großen Glas-Metall-Elemente auf dem eigenen Betriebsgelände einzulagern, um sie dann doch wieder auf die Baustelle liefern zu müssen, entfällt.
Ähnlich macht es ein Markisenhersteller aus Köln. Dessen Kunden sind Zimmereien, Fensterbauer und Flaschner. Bis zu 30 Frachten liefert Rüdinger täglich an diese Handwerksbetriebe aus. Sich ein teures Lager zu halten, entfällt für diese Betriebe ebenfalls. Denn der Spediteur liefert erst, wenn die Montage des Sonnenschutzes terminiert ist. Rüdinger beobachtet zudem, dass dieser Service vor allem als Dienst am (Handwerker-)Kunden gesehen wird, der ihnen obendrein bei optimaler Abwicklung Zeit und Geld spart.
Ein bisschen anders tickt hingegen Hansjörg Forstner. Der Inhaber eines Elektrobetriebes hat sich in Uttenweiler, südlich von Ulm, eine eigene Lagerhalle gebaut. 850 m2 groß. Dort bewahrt der Chef von acht Mitarbeitern Trafos, Solarmodule, Blitzableiter oder Schrotmühlen auf. Ein betriebseigener Stapler sorgt dafür, dass sperrige und schwere Waren im täglichen Handling frei von Schäden bleiben. "Wir sind hier auf dem Land", sagt Forstner. Die nächste Autobahn ist 50 Kilometer entfernt. Eine Auslagerung des Lagers kommt für ihn daher nicht in Frage.
Mit genauer Kalkulation den Warenfluss planen
Zu ungewiss seien hierher die Lieferungen per Spedition in diese idyllische Gegend. Und der Grund zu billig. Für Kollegen aus der Stadt sei es angemessen, wenn diese ihr Lager kleinhielten. Denn die würden von Paket- und Liefer-Unternehmen gut und oft mehrmals täglich versorgt. Er stattdessen erhalte sich seine Flexibilität durch ein umfangreiches Lager direkt auf dem Betriebsgelände.
Beide, Rüdinger und Forstner, bestätigen allerdings, dass der Druck zunimmt. Weil Liefertermine immer enger und kurzfristiger würden, müssten Handwerker heute genau kalkulieren, wie sie ihren Warenfluss optimal planen und wie sie anschwellende Kosten im Zaum halten können. Aufschluss, welche Variante zu einem am besten passt, finden Handwerker auf Messen wie der LogiMAT.
Mehr Informationen zur Messe unter logimat-messe.de .