Der Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur wurde gekürzt. Ende 2013 fällt auch der Zuschuss der KfW für Gründungscoachings für diejenige weg, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen wollen. Wer aus der regulären Beschäftigung heraus gründet oder eine Firma übernimmt, bekommt die Förderung von mehreren tausend Euro aber auch 2014.
Jana Tashina Wörrle

Eine eigene Firma zu gründen oder eine bestehende zu übernehmen, erfordert Mut – und Geld, Mitarbeiter, Maschinen, Ausrüstung, ein schlüssiges Unternehmenskonzept und die passende Werbung. Beratungsstellen, die hierbei Hilfe anbieten, gibt es viele. Doch warum nur beraten lassen, wenn ein persönlicher Coach helfen kann.
Wer einen Betrieb gründet oder übernimmt, ist nicht immer ein kompletter Neuling im Geschäft. "Fachlich sind die meisten top", sagt Petra Janeczka. Doch trotzdem gebe es immer wieder Probleme, wenn es daran geht, die neue Firma auf stabile finanzielle Füße zu stellen, zu erweitern oder einen komplett neuen Businessplan aufzustellen – der Papierkram ist dann doch Neuland für viele, erklärt die unabhängige Betriebsberaterin aus Rosenheim. Dazu kommen Marketing, Neukundengewinnung und vieles mehr.
Nachfolger suchen statt aufgeben
Derzeit herrscht in Deutschland maue Gründerstimmung. Die Zahl der gewerblichen Gründungen ist 2013 gesunken. Neben Neugründungen prägen aber auch die Betriebsübernahmen die Entwicklung der Unternehmenszahlen. Dank guter Konjunktur sinkt auch die Zahl der Insolvenzen. Statt aufzugeben, suchen viele ältere Unternehmer einen Nachfolger. Im Handwerk noch oft entweder in der eigenen Familie oder im eigenen Betrieb – nicht selten übernehmen einstige Mitarbeiter die Firma und gründen damit das eigene Unternehmen.
Hilfe bei diesem Schritt bekommen Gründer beider Sorte von sogenannten Coaches wie Petra Janeczka und vielen anderen, deren Kontakte in der Beraterbörse der staatlichen KfW-Bankengruppe gespeichert sind. Über mehrere Tage begleiten sie die neuen Betriebsinhaber bei genau den Schritten, die immer wieder Probleme machen. Ihr Honorar zahlt zu einem großen Teil die KfW, denn sie gibt Gründern einen dicken Zuschuss für dieses Coaching – sie trägt zwischen 50 und 90 Prozent der Kosten.
Ein Beispielfall aus dem Handwerk
Ein Schreinermeister aus Dresden möchte 2,5 Jahre nach der Gründung seines Unternehmens den Maschinenpark erweitern. Außerdem soll das Controllingsystem überarbeitet werden. Zur Vorbereitung auf das Finanzierungsgespräch mit der Bank zieht er einen Berater aus der KfW-Beraterbörse hinzu. Der Berater ist für das Gründercoaching Deutschland zugelassen.
Sie vereinbaren ein Coaching von 7,5 Tagen, für das der Berater einen Tagessatz von 800 Euro ansetzt. Das Gesamthonorar beläuft sich auf 6.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer).
Bei der Nutzung der Variante Gründercoaching in den neuen Bundesländern (und Lüneburg) fördert die KfW 75 Prozent des Beraterhonorars. Der Schreinermeister erhält also 4.500 Euro Zuschuss.
Die anfallende Mehrwertsteuer (1.140 Euro) und den Eigenanteil (1.500 Euro) trägt der Schreinermeister selbst. Seine Kosten für die Beratung belaufen sich auf 2.640 Euro.
Quelle: KfW
"Wer den aktuell geltenden Zuschuss für ein Coaching noch bekommen möchte, sollte einen Antrag spätestens bis Anfang Dezember stellen", rät Hadersdorfer und weist darauf hin, dass dabei immer die Handwerkskammer der erste Ansprechpartner ist.
Denn egal, ob Gründungscoaching aus der Arbeitslosigkeit oder einer Anstellung heraus, die KfW verlangt mit der Antragsstellung auch eine Stellungnahme der Handwerkskammer zu den Plänen des Gründers oder desjenigen, der einen Betrieb übernimmt. "Wir sind quasi Mitentscheider über die Förderung", sagt Betriebsberater Michael Hadersdorfer, der dann auch gerne bei der weiteren Antragstellung behilflich ist.
Die Handwerkskammern agieren hierbei als sogenannte Regionalpartner der KfW, die die Gelder für den Zuschuss vom Bundeswirtschaftsministerium, Bundesarbeitsministerium und aus EU-Töpfen bekommt. Neben den Stellungnahmen der Kammern, einem Bussinnessplan und dem Lebenslauf des Gründers ist des Weiteren Voraussetzung für die Förderung, dass der Betrieb nicht länger als fünf Jahre in der Hand des neuen Inhabers ist. Gerade bei einer Betriebsübernahme kann das Gründen allerdings auch mal länger dauern.
Businessplan immer im Mittelpunkt
"Seinen Betrieb an den Nachfolger zu übergeben, ist kein einfacher Prozess und viele gehen dabei lieber schrittweise vor", erzählt Coach Petra Janeczka aus ihrem Alltag. Sie bezieht bei einem Nachfolgecoaching deshalb auch immer beide mit ein – den neuen und den alten Chef. So brauche der eine Zeit und Unterstützung bei Loslassen und der andere Unterstützung darin, den Betrieb bei der Übernahme auch gleich so umstrukturieren, dass er gut damit zurecht kommt.
Neue Zielvorgaben zu vereinbaren, einen Businessplan zu schreiben und eventuell eine neue Marketingstrategie zu finden, gehören hier genauso dazu wie bei einer Neugründung. Gerade letzteres wird aus Sicht der Beraterin oft vernachlässigt und bedarf im Handwerk nicht selten große neue Schritte hin zu digitaler Werbung, der eigenen Website und den sozialen Medien.
Da Petra Janeczka sehr viel in Bayern arbeitet, hat sie noch einen Tipp für bayerische Gründer parat. Diese können nämlich auch eine finanzielle Förderung des Coachings direkt über die Handwerkskammer bekommen. Bis zu 70 Prozent der Kosten werden beim sogenannten Vorgründungs- und Nachfolgecoaching durch Landesgelder übernommen. Ansprechpartner sind wiederum die Betriebsberatungen der Kammern.
Fakten zum Gründercoaching Deutschland
- Förderhöhe: neue Bundesländer und Lüneburg bis zu 4.500 Euro (75 Prozent) und alte Bundesländer und Berlin bis zu 3.000 Euro (50 Prozent); Sonderkonditionen gelten für Gründer aus der Arbeitslosigkeit heraus
- Förderberechtigt sind: Gründer, Betriebsnachfolger und Jungunternehmer, deren Gründung nicht länger als fünf Jahre zurückliegt und die ihren Sitz in Deutschland haben, mit nicht mehr als 250 Mitarbeitern
- Ansprechpartner sind die Betriebsberatungen der Handwerkskammern
- Wie die Antragstellung verläuft und welche Schritte nötig sind, hat die KfW im Internet zusammengestell. Ein Merkblatt dazu finden Sie hier .