Die deutschen Metropolen prosperieren und locken immer mehr Menschen an. Fürs Handwerk kann das auch Probleme zur Folge haben.
Barbara Oberst

Sexy und reich, das sind die Metropolen München, Stuttgart und Frankfurt. Immer mehr Menschen und Unternehmen drängen hierher. Es gibt reichlich Arbeitsplätze, die Infrastruktur ist gut und das Niveau steigt weiter. Das zeigen das Städteranking der Initiative neue soziale Marktwirtschaft (INSM) und eine Untersuchung des Weltwirtschaftsinstituts Hamburg mit der Berenberg Bank.
Reichtum hat Tücken
Ob nun Frankfurt an erster Stelle steht oder München, einig sind sich die Statistiker, dass diese Städte ein derart hohes Niveau erreicht haben, dass sie sich kaum mehr steigern können. So attraktiv es auf den ersten Blick scheint, im Umfeld einer solchen Boomstadt seinen Unternehmensstandort zu haben: Der Reichtum hat seine Tücken.
SchulabgängerDas hohe Niveau Münchens beispielsweise verursacht bei der Suche nach Fachkräften so große Probleme, dass dies mittlerweile eine der größten Sorgen der dort angesiedelten Handwerksunternehmer ist: "Ich muss den Mitarbeitern ja als Grundvoraussetzung ein Umfeld bieten, in dem es sich lohnt zu arbeiten. Und dazu gehören bezahlbare Wohnungen und eine gute Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes. Da haben wir in München erhebliche Defizite", konstatiert Stefan Burger, Leiter der Abteilung Landespolitik, Kommunalpolitik und Verkehr bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Konkurrenz um Fachkräfte
Das Mietniveau in und um München sei so hoch, dass Mitarbeiter von dem im Handwerk erwirtschafteten Lohn kaum angemessenen Wohnraum bekommen könnten. Die Konkurrenz um Fachkräfte durch große Industriebetriebe, die kapitalintensiver produzieren und damit höhere Löhne bieten können, erhöhe den Druck für Handwerksunternehmer zusätzlich, so Burger weiter.
Immer mehr Menschen pendeln aus immer größerer Entfernung in die Städte. Doch die Infrastruktur vom Fassungsvermögen öffentlicher Verkehrsmittel bis hin zum Straßennetz und den Parkflächen stößt in den Metropolregionen längst an ihre Grenzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sieht dieses Problem für alle Städte, die entgegen dem bundesdeutschen Trend weiterhin wachsen.
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Zu diesen Städten gehören neben den drei größten deutschen Metropolen Berlin, Hamburg und München auch Stuttgart und Frankfurt sowie Köln, Düsseldorf, Leipzig und Dresden. Vor dem Hintergrund dieser Schwierigkeiten fallen hohe Hebesätze bei der Gewerbesteuer, wie sie viele der Metropolen festlegen, kaum ins Gewicht.
Die Reize der Kleineren
Kleinere Städte haben für das Handwerk durchaus ihre Reize. So ist Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg im Dynamikranking der INSM, das die jüngste Entwicklung abbildet, absoluter Sieger. Keine andere Stadt in Deutschland konnte so effektiv ihre Arbeitslosenquote senken (zwischen 2006 und 2011 um 7,2 Prozentpunkte). Gleichzeitig stieg die Einkommensteuerkraft um 41,8 Prozent.
Ältere BeschäftigteNicht ohne Grund gelang Magdeburg diese Verbesserung: Die befragten Unternehmer lobten besonders häufig die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung ihrer Heimatstadt. Dennoch ist der Weg noch weit, nicht nur, weil die Folgen des aktuellen Hochwassers Magdeburg schwer zu schaffen machen werden. Im Niveauranking, das den realen Stand darstellt, belegt Magdeburg ohnehin nur Platz 39 unter den 50 untersuchten Städten.
Ostdeutschland holt auf
Das alte Schema "reicher Westen, armer Osten" hat allerdings endgültig ausgedient. Schlusslicht der Rankingtabellen bilden nämlich auffällig viele Städte im Ruhrgebiet: Duisburg, Herne, Gelsenkirchen und Bochum kämpfen mit hoher Arbeitslosigkeit, Überalterung und Abwanderung.
Gleichzeitig weisen zahlreiche ostdeutsche Städte eine hohe Dynamik bei den Wohlstands- und Arbeitsmarktindikatoren auf. Entsprechend zufrieden zeigen sich auch ostdeutsche Unternehmer: 87 Prozent würden sich wieder für ihren Standort entscheiden. Im Westen behaupten das nur 77 Prozent von sich.
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