Wer sich in Deutschland derzeit selbstständig machen will, stößt auf keine gute Stimmung. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig und Firmengründern stehen weniger Fördermittel zur Verfügung als in den vergangenen Jahren. Trotzdem kann es sich gerade lohnen. Tipps zu finanziellen Hilfen und Beratungsangeboten für Handwerker.
Jana Tashina Wörrle

"Gründungsgeschehen auf dem Tiefpunkt" titelt die staatliche Förderbank KfW über dem neuen "Gründungsmonitor 2013". Jedes Jahr erfasst sie darin Daten und Fakten zum aktuellen Gründungsgeschehen in Deutschland, 50.000 Personen wurden befragt. Das Ergebnis ist in diesem Jahr jedoch alles anders als so positiv wie in der Vergangenheit. Die KfW nennt die Entwicklung sogar "besorgniserregend".
So haben sich 2012 so wenige Personen selbstständig gemacht wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Bedingt durch eine unsichere Wirtschaftslage in Europa und der schwächelnden Konjunktur auch in Deutschland, ist vielen der sichere Job im Angestelltenstatus lieber als die Selbstständigkeit. Dazu kommt, dass der Fachkräftemangel immer stärker spürbar wird und die Unternehmen in fast allen Branchen dringend nach Personal suchen. Sichtbar wird das auch an der niedrigen Arbeitslosigkeit.
Mutige Gründer im Handwerk
Der Gründergeist im Handwerk zeigt zwar vergleichsweise bessere Werte, aber auch hier ist ein Rückgang zu spüren. Nach den Ergebnissen der KfW lag der Anteil der Handwerksbetriebe an der Gesamtzahl der deutschen Gründer im Jahr 2012 bei zwölf Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 15 Prozent. Nimmt man alle Betriebe aus den Gewerken mit und ohne Zulassungspflicht zusammen, so hat ihre Zahl nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zum Ende des vergangenen Jahres sogar um 0,4 Prozent höher gelegen als noch im Jahr 2011.
Insgesamt verzeichnete die Zahl der Firmengründer in Deutschland allerdings im Voll- oder Nebenerwerb einen Rückgang von sieben Prozent. Im vergangenen Jahr gründeten nur 775.000 Menschen einen eigenen Betrieb. Das Handwerk zeigt sich bei den Gründungsaktivitäten mit einem Rückgang von nur drei Prozent also noch vergleichsweise stabil.
"Das Handwerk ist ein Wirtschaftszweig mit vielen Dienstleistungsbetrieben, die bei einer Gründung mit wenig Investitionsaufwand auskommen. Deshalb sind diese oft mutiger, wenn es ums Gründen geht", erklärt Reiner Markert. Er ist Betriebsberater bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und erlebt jeden Tag, mit welchen Problemen sich zukünftige Unternehmer herumschlagen. Besonders im Fokus steht dabei immer wieder die Finanzierung der eigenen Geschäftsidee und allem was dazu gehört – von Betriebsgebäude, Material und Maschinen bis hin zu Personal, Werbung und Firmenwagen.
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Ganz wichtig ist es deshalb, dass die Banken für Gründer, die meist nicht viel Eigenkapital mitbringen, gute Kreditkonditionen bereitstellen und dass es staatliche Förderprogramme gibt. Doch hierbei hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert. So hat die KfW auch als Grund für den Rückgang der Gründungen die schrumpfende Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgemacht.
Zwar ist die expansive Förderpolitik aus den Jahren der Ich-AG von 2003 bis 2006 ohnehin längst passé. Doch bis Ende 2011 zahlte die BA Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten, noch automatisch einen Gründungszuschuss von anfangs monatlich 300 Euro. Vorrübergehend wurde zusätzlich das Arbeitslosengeld I ausbezahlt.
Persönliche Eignung zählt
Danach entfiel der Rechtsanspruch auf den Zuschuss. Die Auszahlung liegt nun im Ermessen der Arbeitsagentur, weil das Bundesministerium für Arbeit die Handbremse zog: Statt mit der Gießkanne Gelder zu verteilen, müssen BA-Experten Geschäftskonzept und "persönliche Eignung der Gründer" unter die Lupe nehmen.
Ziel war es, den Haushalt der BA zu entlasten. Mit Erfolg: 2011 hatte die BA nach eigenen Angaben noch 133.800 Gründungszuschüsse bewilligt, 2012 nur noch 20.300. Die ausgezahlte Fördersumme fiel von 1,7 Milliarden Euro auf 0,9 Milliarden Euro. Und: Die Zahl der Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machten, sank 2012 um fast ein Drittel (32 Prozent).
Eigene Ideen verwirklichen
Auf das Handwerk hat diese Entwicklung jedoch nicht so stark Einfluss, sagt Reiner Markert. Zwar gebe es in Handwerksberufen immer wieder Gründungen, die von vorher arbeitslos gemeldeten Personen durchgeführt werden und eine sinkende Nachfrage durch den Wegfall des Gründungszuschusses hat auch er in seiner täglichen Praxis gespürt. Der Großteil der Gründer seien allerdings Handwerksmeister, die nach Jahren der Festanstellung die eigenen Ideen in ihrem Beruf verwirklichen wollen oder einen Betrieb übernehmen können.
Dass es heute weniger Förderungen gibt als noch vor ein paar Jahren sieht der Betriebsberater nicht so kritisch. "Die Förderlandschaft in Deutschland ist eng geknüpft", erklärt er. Doch viele Gründer wissen nicht, wie sie an diese Mittel herankommen. Helfen können die Existenzgründerberatungen der Handwerkskammern. Hier erfahren die potenziellen Jungunternehmer, welche Förderungen für sie in Frage kommen und was für die Antragstellung nötig ist.
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Die wichtigsten zählt Markert auf. So könnten Gründer im Handwerk oft von folgenden Angeboten besonders profitieren:
- Das KfW-StartGeld (ERP-Gründerkredit) bietet Freiberuflern und kleinen Unternehmen, die weniger als drei Jahre am Markt tätig sind ein Darlehen für Investitionen und Betriebsmittel mit einem Höchstbetrag von 100.000 Euro. Da viele Gründer im Handwerk anfangs einen nicht ganz so hohen Investitionsbedarf haben, sieht Markert es als Vorteil an, dass das Startgeld keinen Mindestbetrag voraussetzt und auch sehr kleine Summen in Anspruch genommen werden können. Zusätzlicher Vorteil: Die Hausbank muss hier nur für zwanzig Prozent der Kreditsumme haften und es ist kein Eigenkapital nötig.
- Ähnlich kleine Summen können Gründer auch über die Kredite aus dem Mikrokreditfonds Deutschland bekommen, der Gründern von Kleinunternehmen Darlehen von maximal 20.000 Euro zur Verfügung stellt. Hierbei sind besonders kurze Laufzeiten und besonders kleine Kreditsummen möglich. Doch Markert weist darauf hin, dass die Kreditnehmer meist eine private Person als Bürgen finden müssen. Das Haftungsrisiko wird nicht von einem Dritten übernommen.
- Handwerksbetriebe, die zum Start des einen Unternehmens einen größeren Finanzbedarf haben, könnten dagegen von verschiedenen Programmkrediten der KfW profitieren. Damit es hierbei mit der Haftung kein Problem gibt, rät der Betriebsberater den Gründern, sich an die Bürgschaftsbanken der Bundesländer zu wenden, die genau für solche Fälle Bürgschaften für Kredite übernehmen.
Ist der Start gelungen, zahlt sich das meistens aus. Der eigene Chef zu sein, ist und bleibt für viele eine Herzensangelegenheit. Dazu kommt, dass Selbstständige oft ein etwas höheres Durchschnittseinkommen haben als Arbeitnehmer. Aber sie arbeiten im Schnitt auch zehn Stunden mehr pro Woche.
Folgen für den Arbeitsmarkt möglich
Für die KfW ist der Rückgang der Gründungstätigkeit aber nicht eine erklärbare Entwicklung im Zusammenhang mit der Wirtschaftslage. Die Autoren des Gründungsmonitors werten die Ergebnisse als "besorgniserregend", denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen. Durch Konkurrenz zu bestehenden Unternehmen würden Existenzgründer Innovationen und Strukturwandel fördern.
So senkt die Entwicklung auch den Beschäftigungseffekt: Freiberufler und Jungunternehmer schufen 2012 insgesamt 383.000 Vollzeitstellen – 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie nie seit Beginn dieser Berechnungen 2005. Davon entfielen 171.000 Stellen auf Mitarbeiter.
Derzeit ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch gut, aber zusätzlich bedingt durch den demografischen Wandel könnte sich die Entwicklung negativ auswirken. Die KfW sieht derzeit auch keine Besserung in Sicht. Für 2013 geht sie davon aus, dass die Zahlen der Existenzgründungen in etwa auf dem Niveau von 2012 bleiben. (mit dpa)
Weitere Informationen zu Förderprammen finden Sie auch in der Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums .