Gesundheit am Arbeitsplatz Krank gearbeitet: Berufstätige klagen über zu hohe Belastung

Stress am Arbeitsplatz gehört für viele Berufstätige zum Alltag und wird immer mehr zum Problem für Arbeitgeber. Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen nehmen kontinuierlich zu.

Arbeitgeber lehnen die Forderung der IG-Metall nach einer Anti-Stress-Verordnung ab. - © Foto: Adam Gregor/fotolia

Aus diesem Anlass fordert die IG Metall eine Anti-Stress-Verordnung. "Die bestehenden Regelungen im Arbeitsschutz reichen bei weitem nicht aus", sagt Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall im Rahmen eines zweitägigen Anti-Stress-Kongresses der Gewerkschaft in Berlin.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der IG Metall kommt mehr als jeder Vierte im Job immer oder oft an die Grenzen seiner körperlichen und seelischen Belastbarkeit. 42 Prozent der Befragten gaben an, hin und wieder unter Stress zu leiden. Nur 30 Prozent kennen das Problem überhaupt nicht.

Die überwiegende Mehrheit, nämlich 88 Prozent der Befragten, wünscht sich von den Unternehmen mehr Schutz vor Leistungsdruck und Stress am Arbeitsplatz. 69 Prozent sind der Meinung, dass auch die Politik eingreifen sollte. Befragt wurden 1000 Berufstätige.

Politik spricht sich für Verordnung aus

Unterstützung bekommt die Gewerkschaft von der SPD und dem CDU-Sozialflügel. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will mit einem neu eingebrachten Gesetzentwurf zur Förderung der Prävention, gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen. Finanzielle Anreize für Unternehmen und Beschäftigte, die an Projekten der betrieblichen Gesundheitsförderung teilnehmen, sollen ausgebaut werden.

Arbeitgeber sehen Realitätsferne

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält dagegen: "Eine solche Verordnung ist nicht notwendig, es gibt längst strenge Regelungen zum Arbeitsschutz", betont der Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die pauschale Behauptung, dass Arbeit an sich krank mache, gehe an der Realität vorbei. Ein großer Auslöser für psychische Belastungen seien häufig private Probleme.

Viele Firmen versuchen bereits gegenzusteuern. Unter den im "Corporate Health Jahrbuch" befragten 283 Unternehmen bieten mehr als 70 Prozent jeweils Beratung zu Stressmanagement oder Entspannungskurse an. Das Jahrbuch ist eine seit 2005 jährlich veröffentlichte Studienreihe zum Thema Gesundheitsmanagement und ist eine Bestandsaufnahme des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Unternehmen. dhz/dpa