Die Bundesregierung möchte die gesetzlichen Krankenkassen ab 2014 dazu verpflichten, mehr für die gesundheitliche Prävention auszugeben. Angesichts des demografischen Wandels gewinnt das Thema auch bei kleinen Betrieben an Bedeutung. Im Handwerk steht vor allem die Rückengesundheit im Fokus. Auch Arbeitgeber können vorsorgen.

Erst in der vergangenen Woche fand der offizielle "Tag der Rückengesundheit" statt und hat gezeigt, dass es in Deutschland schon viele Angebote von Therapeuten, Ärzten und Kliniken gibt, um einen kranken Rücken zu heilen. Auch in der Arbeitswelt ist das Thema von großer Bedeutung. Laut dem Fehlzeiten-Report 2012 des wissenschaftlichen Instituts der AOK entfielen die meisten gemeldeten Krankheitstage auf die Gruppe der Muskel- und Skeletterkrankungen.
Um diese Zahlen zu verringern, will nun auch die Bundesregierung mehr für die gesundheitliche Prävention tun und plant, dass die gesetzlichen Krankenkassen ab 2014 jährlich rund 150 bis 180 Millionen Euro mehr dafür ausgeben sollen. Das sieht ein Gesetzentwurf aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vor, über den das Bundeskabinett noch beraten muss.
Prävention hilft Kosten zu senken
Doch neben den Krankenkassen können auch Unternehmen und deren Beschäftigte etwas für eine bessere Gesundheitsvorsorge und speziell für einen starken Rücken tun. Anfänge sind schon gemacht, sagt Andrea Hauck von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). "Das Thema Prävention nimmt in den Betrieben an Bedeutung zu, immer mehr Unternehmer suchen angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels nach Lösungen", sagt die Präventionsexpertin.
So werde auch gerade kleinen Betrieben ohne große Sonderbudgets deutlich, dass Prävention ein wichtiger Faktor des betrieblichen Gesundheitsschutzes ist und dass präventive Maßnahmen oft helfen, weitere Kosten einzudämmen. "Arbeitsunfähigkeitstage und der Verlust geeigneten Personals sind eben unwirtschaftlicher, als wenn in Prävention investiert und ergonomische Grundregeln befolgt werden", erklärt Andrea Hauck und erläutert diese sogleich.
- Arbeitgeber können sich viele wichtige Tipps in Beratungen und Weiterbildungen bei der Berufsgenossenschaft holen. Genauso wichtig ist es aber auch mit den Mitarbeitern in den konkreten Arbeitssituationen zu sprechen und gemeinsam individuelle Lösungen zu finden wie die tägliche Arbeit vor Ort besser aufgeteilt und erleichtert werden kann.
- Oberstes Gebot ist es, sich das Arbeiten so leicht wie möglich zu machen, besonders wenn man mit schweren Arbeitsmaterialien arbeitet. Dazu gehören unterstützende Hilfsmittel wie Krane oder Schubkarren genauso wie eine günstige Lagerung der Baumaterialien und Werkzeuge, die ohne ständiges Bücken erreicht werden sollen. So lassen sich heute beispielsweise Dachdeckern Ziegel und Holzlatten direkt aufs Dach liefern statt sie selbst zu schleppen.
- Oft helfen kleine Kniffe und Hilfsmittel wie Tragegriffe für schwere Säcke.
- Ein Bauhandwerker bückt sich bis zu 800mal am Tag, da sollte er bei schweren Gewichten möglichst in die Knie gehen, um den Rücken zu schonen und keine unangenehme Zwangshaltung einzunehmen.
- Bei der Benutzung der Hilfsmittel ist es für Arbeitgeber ganz wichtig, sich mit der Handhabung gut auszukennen und die Mitarbeiter einzuweisen, damit neue, ergonomische Geräte nicht ungenutzt im Regal stehen bleiben.
- Um die Belastungen beim Knien zu reduzieren hat sich der Knieschutz in Varianten - als Einlegepad oder Knieschutzmatte - je nach den beruflichen Anforderungen bewährt und weitgehend durchgesetzt. Dabei haben sich auch schon viele kreative Handwerker an die BG BAU gewendet, die selbst Hilfsmittel erfunden haben, um sich die kniende Arbeit zu erleichtern. Einige dieser Hilfsmittel wurden in die Datenbank ergonomischer Lösungen aufgenommen: ergonomie-bau.de .
"Handwerksbetriebe sollten wissen, dass die BG BAU bereits seit Jahren spezielle Präventionsmaßnahmen im Angebot hat, wie RehaBau", erklärt Andrea Hauck dann noch die Angebote der Berufsgenossenschaft. RehaBau ist eine dreiwöchige stationäre, berufsorientierte Rehabilitation in Zusammenarbeit mit Reha-Kliniken. Dort werden Bauhandwerker, etwa mit einem berufsspezifischen Training, beim Umgang mit Rückenerkrankungen unterstützt. Außerdem unterstütze die BG BAU kleine Betriebe auch vor Ort, wenn bereits Rückenbeschwerden bei Mitarbeitern vorliegen.
Viele weitere Tipps zum Rückenschutz im Arbeitsalltag der einzelnen Branchen zeigt die Präventionskampagne ""Denk am mich. Dein Rücken" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung unter deinruecken.de und unter bgbau.de/ergonomie-bau . jtw/rh