Neugründer und Unternehmensnachfolger nehmen wieder höhere Kredite auf. Von Januar bis Oktober starteten Gründer, die beispielweise für ihre Finanzierung eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg wünschten, im Schnitt mit 137.000 Euro Kredit. Das sind durchschnittlich etwa neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Martin Laubner, der Radsport Werber in Bad Krozingen übernahm, ist einer von ihnen.

Vier Jahre war Martin Laubner bei Radsport Werber angestellt. Als ihm sein Chef anbot, das Fahrradgeschäft zu kaufen, sagte er ja. "Ich fand die Gelegenheit günstig", sagte der 32-jährige Zweiradmechaniker. Anfang 2012 wurde er der neue Inhaber. Den Kaufpreis, der hauptsächlich aus dem Warenwert des Lagers bestand, finanzierte er über einen Förderkredit der L-Bank mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank. Die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg ist die größte Bürgschaftsbank in Deutschland.
Martin Laubner ist einer von insgesamt 1.142 Gründern, die sich zwischen Januar und Oktober 2012 mit Unterstützung der Bürgschaftsbank selbstständig gemacht haben. Die Zahl setzt sich aus 755 Neugründungen und 387 Unternehmensnachfolgen zusammen – 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Aktuell kommt der Zuwachs nach Angaben der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg mit 5,6 Prozent von den Neugründungen.
Sowohl Neugründer als auch Unternehmensnachfolger starteten 2012 mit größeren Beträgen: Neugründer im Schnitt mit rund 95.000 Euro (2011: 82.400 Euro), was einem Plus von 15 Prozent entspricht. Nachfolger nahmen bis Oktober 2012 durchschnittlich 219.000 Euro (2011: 205.000 Euro) in die Hand; ein um fast sieben Prozent größeres Kreditvolumen.
"Aktuell gründet kaum jemand aus der Not ein Unternehmen, sondern weil es ein zukunftsträchtiges Geschäftskonzept oder ein attraktives Unternehmen zu kaufen gibt", sagt sagt Bürgschaftsbank-Vorstand Guy Selbherr.
Derzeit liegt das durchschnittliche Kreditvolumen, mit denen Gründer starten, bei rund 137.000 Euro. Das sind 8,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2011, als es noch bei rund 126.000 Euro lag.
Martin Laubner musste beim Kauf seines Fahrradgeschäfts lediglich das Warenlager vom Vorbesitzer ablösen. Damit hatte er einen relativ leichten Start in die Selbstständigkeit. Seine Erwartungen an sein erstes Geschäftsjahr haben sich bereits heute schon mehr als erfüllt. Zwei Drittel seines Umsatzes macht er mit Elektrorädern.
2013 will er zusätzlich hochwertige Mountainbikes mit Elektroantrieb ins Sortiment aufnehmen und einen Mitarbeiter Vollzeit einstellen. "Ich bin grundsätzlich recht zuversichtlich", sagt er zum Thema Geschäftsentwicklung. dhz