Barrierefreiheit Gütezeichen als Chance für Handwerker

Wenn für Menschen mit Behinderung die Tür zu schmal oder die Toilette zu hoch montiert ist, dann ist das Fachwissen von Handwerkern gefragt. Sie müssen bei den Kunden zu Hause Barrierefreiheit umsetzen. Doch was ist im Einzelfall barrierefrei? Diese Frage ist nicht nur für Menschen mit Behinderungen relevant, sondern auch für die alternde Gesellschaft.

Anna-Maja Leupold

Treppen, Absätze und enge Flure erschweren den Alltag von Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen – Barrierefreiheit sieht anders aus. - © adimas /Fotolia

Seit Ende Juli 2012 gibt es das neue "RAL Gütezeichen barrierefrei". Entwickelt wurde das Gütezeichen von Menschen mit Behinderungen sowie Senioren. Damit unterscheidet sich das neue Gütezeichen deutlich von all den Labels, Siegeln und Kennzeichnungen, die schon auf dem Markt sind.

Interessant für das Handwerk sei vor allem das "RAL Gütezeichen barrierefrei" für den Bereich Dienstleistungen, sagt Patrick Dohmen. Der Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Barrierefreiheit: "Die Handwerker sind es, die Barrierefreiheit umsetzen".

Suche nach Handwerkern wird leichter

Eine Herausforderung kann zum Beispiel schon die Montage eines Toilettensitzes für eine eher kleine Person sein. Denn hier hilft die DIN-Norm nicht weiter Der Handwerker müsse individuell mit dem Kunden entscheiden, welche die richtige Sitzhöhe ist, sagt Dohmen. Bei so einer vermeintlich leichten Aufgabe könne sich bei den Handwerkern die Spreu vom Weizen trennen.

Den Vorteil im" RAL Gütezeichen barrierefrei" sieht Dohmen für Handwerksbetriebe darin, dass sie mit dem Gütezeichen einen verlässlichen Nachweis darüber erbringen können, dass sie Dienstleistungen erbringen können, die auch wirklich das Gütezeichen verdienen. Kunden mit Handicap hilft das bei Suche nach dem richtigen Dienstleister.

Die Kriterien für Barrierefreiheit gehen beim RAL-Gütezeichen in vielen Bereichen über die Mindeststandards, wie zum Beispiel der DIN-Norm, hinaus. Es schließt außerdem den Aspekt des Wohlbefindens ein. Guter Service, die Kommunikation mit Kunden und die Umgangsformen seien bei der Umsetzung von Barrierefreiheit ungeheuer wichtig, findet Dohmen. "Denn die größte Barriere ist in den Köpfen vorhanden", so der Geschäftsführer. Deshalb müsse zuerst ein Verständnis dafür geschaffen werden, was Barrierefreiheit überhaupt ist.

Vier Schritte bis zum Gütezeichen

Handwerksbetriebe, die sich für das RAL-Gütezeichen interessieren, können sich kostenlos bei der Gütegemeinschaft Barrierefreiheit informieren. Entscheiden sich Betriebe danach für das Gütezeichen, trennen sie nur vier Schritte vom Gütezeichen:

  • Der Betrieb muss zuerst einen Antrag bei der Gütegemeinschaft Barrierefreiheit stellen. Das nötige Antragsformular kann online bestellt werden.
  • Im zweiten Schritt bekommen die Betriebe Güte- und Prüfbestimmungen zugeschickt.
  • Falls nötig müssen Betriebe dann noch Unterlagen an die Prüfungsstelle nachreichen.
  • Im vierten Schritt erfolgt die Dienstleistungsprüfung beim Betrieb.

Barrierefreiheit in alternder Gesellschaft wichtig

Die Prüfung wird von Menschen mit Behinderungen vorgenommen. "Wenn Dienstleistungen für die Schwächsten barrierefrei sind, dann sind sie es für alle anderen auch", ist Dohmen überzeugt. Alle begegnen täglich vielen Barrieren und das geschieht meist unbewusst. Gerade in der alternden Gesellschaft wird Barrierefreiheit aber für immer mehr Menschen ein wichtiges Thema.

Völlig unbürokratisch wird direkt vor Ort entschieden, ob ein Unternehmen das Gütezeichen bekommt. Falls nicht, wird eine Nachprüfung angeordnet. Verliehen wird das Gütezeichen immer für zwei Jahre. In dieser Zeit wird der Handwerksbetrieb nicht alleine gelassen, denn die Gütegemeinschaft spricht noch direkt vor Ort Empfehlungen für weitere Verbesserungen aus. Außerdem können Betriebe ihre Mitarbeiter für den Umgang mit Menschen mit Behinderungen schulen lassen.

Handwerkern rät Dohmen, dass sie sich von den Kosten, die mit dem Gütezeichen verbunden sind, nicht abschrecken lassen sollten. Wie hoch die sind, steht noch nicht fest. Hier laufen die Verwandlungen noch. Sicher ist aber, dass der Preis für das Gütezeichen unter 1.000 Euro liegen wird.

Handwerker, die sich für das Gütezeichen barrierefrei interessieren, können sich vorab kostenlos bei der Gütegemeinschaft Barrierefreiheit informieren.