Deutschland im Bildungscheck Bildungsangebot passt nicht immer zum Arbeitsmarkt

Deutschland profitiert vom dualen Ausbildungssystem. Europaweit ist die Jugendarbeitslosigkeit nirgends so niedrig wie hierzulande. Doch im Vergleich der einzelnen Bundesländer zeigt sich, dass das Angebot in der beruflichen Bildung noch nicht überall an den Arbeitsmarkt angepasst ist. Die besten Werte erreicht hierbei Bayern, doch die größten Entwicklungssprünge bei der beruflichen Bildung macht Hamburg. Das zeigt der Bildungsmonitor 2012.

Das deutsche Berufsschulsystem bewährt sich, doch trotzdem bestehen zwischen den einzelnen Bundesländern noch große Unterschiede bezogen auf die Anpassung an den Arbeitsmarkt. - © Robert Kneschke/Fotolia

Nimmt man alle untersuchten Indikatoren des neuen Bildungsmonitors des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zusammen, so schneidet Sachsen am besten ab. Die Autoren der Vergleichsstudie bescheinigen dem Bundesland das leistungsfähigste Bildungssystem aller Bundesländer. Platz zwei belegt Thüringen vor Baden-Württemberg und Bayern.

Die Bildungsforscher haben dafür 110 verschiedene Einflussfaktoren untersucht und diese sowohl in ein Ranking zwischen den einzelnen Bundesländern gestellt als auch einen Vergleich zu den Werten des Vorjahres gezogen. Ein Bestands- und ein Dynamikranking sind das Ergebnis, das sich nun in die einzelnen Untersuchungsfelder aufschlüsseln lässt.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Für die Analyse der beruflichen Bildung und Arbeitsmarktorientierung haben die Forscher sowohl die Ausbildungsstellenquote (darunter auch die unbesetzten Stellen), den Anteil der erfolgreichen Abschlussprüfungen, den Anteil der erfolgreichen Absolventen von Berufsfachschulen, den Anteil der erfolgreichen Teilnehmer an Fortbildungsprüfungen und die sogenannte Ersatzquote Meistern von Technikern und Fachschulabsolventen herangezogen.

Hierbei zeigen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. So schneiden im Bestandsranking Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Bremen der Reihe nach mit den besten Werten ab. Gute Werte erreichen außerdem Thüringen und Niedersachsen. Doch danach nehmen die Werte und damit die Effizienz der beruflichen Bildung und der beruflichen Weiterbildungen ab. Die beiden letzten Plätze sind von Nordrhein-Westfalen und Berlin belegt.

Im Bestandsranking sieht es etwas anders aus. Es zeigt die Veränderungen zum letzten Jahr und damit die Anstrengungen, die die Bundesländer unternommen haben, um die beruflichen Bildungsangebote an die aktuelle Arbeitsmarktsituation anzupassen. Hier erreichen Hamburg und Brandenburg die besten Werte. Danach kommen Niedersachsen, Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen mit einer guten Veränderungsquote. Schlusslichter sind hierbei Baden-Württemberg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Bessere Betreuung gegen den Fachkräftemangel

Die Autoren der Studie bescheinigen Deutschland zwar insgesamt ein gutes berufliches Bildungssystem, dass durch die duale Ausbildung eng an den Arbeitsmarkt angepasst ist. Trotzdem zeigen die Unterschiede auch, wo noch Anstrengungen nötig sind.

Auch bezogen auf das gesamte Bildungssystem mit allen Bildungseinrichtungen und Schularten zeigt die Studie Fortschritte im Vergleich zu den Werten des vergangenen Jahrs. Doch trotzdem bestehe "erheblicher Handlungsbedarf", bescheinigen die Bildungsexperten. In den kommenden Jahren sollte demnach vor allem die Förderinfrastruktur mit mehr Ganztagsbetreuungsangeboten auch schon für sehr kleine Kinder ausgebaut werden. Die deutschen Bundesländer müssten alle gemeinsam noch an besseren Zugangschancen zur Bildung für alle Gesellschaftsschichten arbeiten.

"Ein Ausbau der Förderinfrastruktur führt folglich zu einer Sicherung der Teilhabechancen und einer Stärkung der Wachstumskräfte", erklärte Axel Plünnecke, der Studienleiter beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bei der Vorstellung der Ergebnisse. Damit würde dann auch die Fachkräfteversorgung der Wirtschaft verbessert, bescheinigte Plünnecke und erteilte damit sogleich noch eine Ablehnung an das geplante Betreuungsgeld: Dafür seien nämlich keine dieser Effekte nachweisbar. jtw

Eine Kurzfassung der Studie bekommen Sie hier.