Betriebsmodelle im Wachstum Wiederentdeckt: Das Familienunternehmen

Unter den umsatzstärksten deutschen Unternehmen sind immer mehr Familienbetriebe. Im wichtigsten Betriebsbereich "Innovationen" sind auch Handwerker stark. Der oberpfälzische Fertighausbauer Fischerhaus ist eines der 100 innovativsten Mittelständler. Doch was ist sein Erfolgsrezept?

Christina Geimer

In der Werkstatt in Bodenwöhr fertigen die 104 Mitarbeiter die Bauteile für die Fertighäuser. - © R. Graggo/FischerHaus

In den Wirtschaftswissenschaften werden sie seit einem halben Jahrhundert tot geschrieben: Die Familienunternehmen. Angeblich nur gut für einen relativ kleines Produktions- oder Dienstleistungsaufkommen. Dann stießen Sie an ihrer organisatorischen Grenzen.

Doch unter den 100 größten deutschen Unternehmen sind immer mehr familiengeführte Firmen. Das ergab eine Analyse des Stuttgarter Instituts für Familienunternehmen (IFF).

Stärkste Familienunternehmen wachsen über 10 Prozent

Die Zahlen belegten "den ungebrochenen Vormarsch des Familienkapitalismus als Organisationsprinzip der deutschen Wirtschaft" sagt IFF-Vorsitzende Mark K. Binz. Denn während die untersuchten Familienunternehmen um durchschnittlich 10,6 Prozent wuchsen, legten die größten börsennotierten Publikumsgesellschaften durchschnittlich nur um 9,4 Prozent zu.

Unter den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen sind 51 Betriebe in Familienhand. Traditionell stark sind Familienunternehmen in der relativ wachstumsstarken und krisenresistenten Automobilbranche. Aber nicht nur die Porsche, Piechs (VW) und Quandts (BMW) dieser Republik sind erfolgreich. Ermittelt wurden auch die "Top 100" innovativsten Unternehmen im Mittelstand. Darunter auch einige Handwerksbetriebe, wie der Fertighausbauer Fischerhaus aus dem oberpfälzischen Bodenwöhr.

Das Marketing beginnt bei Fischerhaus auf der Homepage – gerne mit einem Augenzwinkern: Hochzeit geschafft – Prüft jetzt, ob ihr reif seid, für die wirkliche Herausforderung im Leben eines Paares: den Hausbau.

Bitte Probewohnen! Wer sich nicht so sicher ist, wie groß ein Bad sein sollte oder wie viele Fenster ins Schlafzimmer gehören, kann eine Nach und einen Tag im Musterhaus verbringen. - © R. Graggo/FischerHaus
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Mit dem Baupaartest auf der Homepage lockt der Unternehmer zur Beratung und die soll möglichst authentisch sein. Wem es nicht genügt tagsüber mit Beratung durch die Musterhäuser zu schlendern, der kann gleich die Nacht dort verbringen.

Innovative Marketingkonzepte im Handwerk

"Mit einem Auto macht man ja auch eine Testfahrt. Das Probewohnen nimmt längst nicht jeder Kunde wahr. Aber wer es macht, kauft meistens auch ein Haus" erklärt Julia Vielberth, Marketingmitarbeiterin bei Fischerhaus.

Um die Kunden auch nach dem Hauskauf an das Unternehmen zu binden, nutzt Fischerhaus Facebook. Gut 385 Freunde, meist Fertighausbesitzer, verfolgen die Postings. Um Veranstaltungen und Baufortschritte einzelner Projekte anzukündigen, wendet Vielberth täglich eine halbe Stunde auf. Das Ziel ist, dass die Kunden auch in der Realität den Kontakt halten.

Nach den Wünschen der Kunden entsteht dann das Fertighaus. - © R. Graggo/FischerHaus
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Deswegen organisiert der Betrieb für jedes fertige Haus ein Richtfest. Die Besitzer können Freunde einladen, Fischerhaus zeigt Interessenten und bestehenden Kunden den Bau. "Das wichtigste ist das Empfehlungsmarketing. Es ist gut für uns, wenn die Kunden sich auf unseren Richtfesten austauschen", sagt Vielberth.

Für diese Verbindung von traditionellen Hausbauritualen und modernen Medien bekam der oberpfälzische Handwerksbetrieb eine Auszeichnung als eines der 100 innovativsten mittelständischen Unternehmen.