Bericht der BAuA Erstmals wieder mehr Arbeitsunfälle

Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland ist erstmals wieder gestiegen. 2010 starben 674 Menschen bei der Arbeit, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch sehen Experten keine Trendwende bei den Zahlen. Als Grund für Frührenten werden immer häufiger psychische Erkrankungen festgestellt.

Besonders die Zahl der Unfälle auf dem Weg von und zur Arbeit haben zugenommen. Grund dafür ist auch das anhaltend kalte Winterwetter mit Schnee und Eis. - © © Photo_Ma - Fotolia.com

Obwohl die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle 2010 zugenommen hat, bedeutet dies keine Umkehr des rückläufigen Trends der vergangenen Jahre. Vielmehr würden die Zahlen die wirtschaftliche Erholung nach dem Krisenjahr 2009 widerspiegeln, sagten die Forscher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bei der Präsentation ihres jährlichen Berichts zum "Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit".

Klassische Indikatoren für die Güte von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind laut dem Bericht die Unfallentwicklung und die Zahl der Berufserkrankungen. Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle stieg 2010 auf über eine Million. Die Unfallquote liegt damit bei 27,4 je 1.000 Vollarbeiter. Im Vergleich zu 2008 ist die Unfallquote weiter gesunken (28,3).

Fehlzeiten wegen Arbeitsunfähigkeit nehmen zu

Einen besonders deutlichen Zuwachs gab es bei der Zahl der Wegeunfälle. Dies führen die Forscher auf das anhaltende schnee- und eisglatte Winterwetter zurück. Insgesamt verunglückten 226.554 Personen auf dem Weg zu oder von der Arbeit, ein Viertel mehr als 2009. Durch Arbeitsunfähigkeit fielen 2010 schätzungsweise 1,1 Millionen Erwerbsjahre aus. Dies führte zu einem Produktionsausfall anhand der Lohnkosten von etwa 39 Milliarden Euro. Der deutschen Volkswirtschaft gingen damit durch Verlust an Arbeitsproduktivität rund 68 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung verloren.

 Seit einigen Jahren sind Anstiege bei der Arbeitsunfähigkeit zu beobachten. So erhöhte sich die Anzahl der Fälle pro 100 Versicherte 2010 auf 114,7. Im Vorjahr waren es noch rund 114,3 Fälle, beim Tiefststand im Jahr 2006 nur 98,4. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit schwankt deutlich weniger: Sie stieg leicht von 12,0 auf 12,1 Tage. Häufigster Grund für Fehltage sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen (24,4 Prozent). Danach folgen Verletzungen, Vergiftungen und Unfälle mit 13,5 Prozent. Krankheiten des Atmungssystems stehen mit 13,2 Prozent der Fehltage auf Platz drei.

Asbest ist tödliche Berufskrankheit

An den Folgen einer Berufskrankheit starben 2010 2.509 Menschen und damit 294 weniger als 2009. Auch lange nach dem Asbestverbot geht über die Hälfte der Todesfälle auf Erkrankungen zurück, die das gefährliche Mineral verursacht hat.

Die Zahl der Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit stieg 2010 im Vergleich zu 2007 um insgesamt 13 Prozent. Auffällig ist auch hier vor allem die deutliche Zunahme bei psychischen Störungen und Verhaltensstörungen. Betrug der Anteil dieser Diagnosegruppe am gesamten Neuverrentungsgeschehen 2007 noch 33,7 Prozent, lag er im Jahr 2010 bei 39,3 Prozent. Bei Frauen liegt der Anteil psychischer Erkrankungen als Grund für die Frührente mit 45,6 Prozent besonders hoch.

Für den jährlichen Bericht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wertet die BAuA Informationen über das Arbeits- und Wegeunfallgeschehen sowie über Berufskrankheiten von allen Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung aus. Ebenfalls nutzt die BAuA Informationen des Statistischen Bundesamtes, der Rentenversicherung, verschiedener Krankenkassen, der Gewerbeaufsicht und der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung. Aufgrund der umfassenden Berichterstattung liegt das Berichtsjahr immer mehr als ein Jahr zurück. dhz