In Deutschland tun sich Unternehmensgründer besonders schwer: Im Vergleich mit anderen G20-Ländern kämpfen sie mit viel schlechteren Startbedingungen. Nur jeder fünfte der befragten deutschen Unternehmer gab an, in Deutschland die besten Bedingungen für seinen Start ins Unternehmertum zu finden. Die Prüfungsgesellschaft Ernst & Young, die die entsprechende Studie durchgeführt hat, sieht dringenden Handlungsbedarf.

Die Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung sind hierzulande schlecht. Das ergibt sich aus der Studie "Entrepreneurs speak out – A call to action for G20 governments", für die Ernst & Young rund 1.000 Jungunternehmer aus allen G20-Ländern befragt hat. Eines der Ergebnisse: Deutschland belastet die Gründer mit überdurchschnittlich hohen Steuern und Kosten und bürokratischem Aufwand. So sind hierzulande neun Verwaltungsvorgänge zur Gründung eines Unternehmens nötig, im G-20-Vergleich liegt der Wert bei 5,7 Vorgängen.
Fehlendes Vertrauen verhindert Gründungen
"Selbstbewusstsein ist der Schlüsselfaktor, wenn es um die Existenzgründung geht. Nur wer Vertrauen in die Rahmenbedingungen hat, macht auch den Schritt in die Selbstständigkeit. Hier hat Deutschland noch einen großen Nachholbedarf", sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Schlechter als Deutschland schnitten bei der Bewertung der Rahmenbedingungen nur Südkorea, Russland, Italien und Frankreich ab.
Ein Grund für die skeptische Einstellung ist die hohe steuerliche Belastung der Start-ups. Hier bietet Deutschland im internationalen Vergleich nur unterdurchschnittliche Bedingungen und landete auf Rang 13 der Umfrage. Nur 42 Prozent der befragten Unternehmer sind der Meinung, in Deutschland gäbe es ausreichend finanzielle Anreize, die Interessierte zu einer Unternehmensgründung bewegen könnten.
Deutschland bei Gründungszahlen abgeschlagen
Auch werden in Deutschland Ausgaben für die Erforschung und Entwicklung innovativer Technologien nicht steuerlich gefördert, im Gegensatz zu den meisten G-20-Ländern. Englisch betonte, die Förderung sei ein wichtiger Standortfaktor. Werde in Deutschland nicht bald eine finanzielle Unterstützung für Forschungs- und Entwicklungsausgaben eingeführt, drohe eine Abwanderung gerade junger innovativer Unternehmen und somit des Know-hows in andere Länder.
Laut den Autoren der Studie ist es angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen nicht verwunderlich, dass Deutschland bei der Existenzgründerdichte, also der Anzahl der jungen Unternehmen im Verhältnis zur Einwohnerzahl, nur im unteren Mittelfeld liegt: Von 1.000 Menschen im altersfähigen Alter gründet im jährlichen Durchschnitt nur einer ein Unternehmen.
Positive Entwicklungen in Deutschland kaum spürbar
Insgesamt bietet Kanada mit deutlichem Abstand die besten Voraussetzungen für Entrepreneure. Das zeigt sich nicht nur im Selbstbewusstsein der kanadischen Jungunternehmer, sondern auch in der Zahl der tatsächlichen Unternehmensgründungen. So ist der Anteil der Gründungen in Kanada und Großbritannien rund neun Mal so hoch wie in Deutschland.
Nach Aussage der Studie sind G-20-weit 47 Prozent aller Unternehmer der Meinung, der Rechtsrahmen für Unternehmensstarts habe sich in den letzten fünf Jahren verbessert. Auch die "Start-up-Kosten" haben sich in diesem Zeitraum international verringert. In Deutschland sind die Kosten für eine Unternehmensgründung allerdings nahezu gleich geblieben.
Kultur des Scheiterns fehlt
Potenzielle Unternehmensgründer haben in Deutschland auch mit der Kultur des Scheiterns zu kämpfen. Weltweit sehen 44 Prozent der befragten Entrepreneure das Scheitern einer Geschäftsidee als Chance, etwas zu lernen. In Deutschland überwiegt dagegen wie in keinem anderen Land die Meinung, ein Scheitern sei ein Hindernis beim Start eines neuen Projekts. Diese Einstellung mache die Entscheidung für Unternehmensgründungen nicht leichter, erklärte Englisch.
Insgesamt stimmen nur 26 Prozent der deutschen Teilnehmer voll und ganz der Aussage zu, die Kultur ihres Landes fördere Unternehmensgründungen. Englisch fasste zusammen, Deutschland biete Unternehmensgründern im G-20-Vergleich kein gutes Umfeld. Und das obwohl sie die Wirtschaft ankurbelten, neue Jobs schüfen und mit ihren innovativen Ideen den technologischen Fortschritt förderten. Er appellierte an die Regierung, die bestmöglichen rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen zu bieten. dhz
Die komplette englischsprachige Studie kann auf der Webseite von Ernst & Young heruntergeladen werden.