Im anhaltenden Streit um die Einordnung von Ausbildungsabschlüssen will Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) notfalls zunächst einmal auf die Einordnung des Abiturs verzichten. Dies schlägt sie in einem Brief an den neuen Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Ties Rabe vor, der auch der Deutschen Handwerks Zeitung vorliegt.
Karin Birk

Die betroffenen Vertreter der Kultusministerkonferenz, der Wirtschaftsministerkonferenz, der Wirtschaft und Gewerkschaften wollen sich auf Einladung der KMK am 31. Januar erneut treffen, um über die Ranfolge zu beraten. Für den Fall, dass hierbei eine einvernehmliche Lösung für die Zuordnung des Abiturs und der beruflichen Erstausbildung auf Niveau vier nicht möglich sei, schlägt sie vor, dass man "zunächst auf die Zuordnung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse zum Deutschen Qualifikationsrahmen für einen gewissen Zeitraum" verzichte, schrieb sie in dem Brief an Ties Rabe.
Die Verhandlungen waren zuletzt in eine Sackgasse geraten, da die Kultusminister in einem achtstufigen Qualifikationsrahmen das Abitur auf dem Niveau fünf und damit höher als die drei- und dreieinhalbjährige Berufsausbildung eingeordnet sehen wollten. Die übrigen Verhandlungsteilnehmer wollten diesem Ansatz allerdings nicht zustimmen. Auch das Handwerk hat sich wiederholt dagegen ausgesprochen.
Ziel: Transparenz schaffen
Hintergrund der ganzen Debatte ist das europaweite Bestreben, durch einheitliche Qualifikationsstufen für die schulische, berufliche und akademische Bildung mehr Transparenz zu schaffen. Bildungsabschlüsse sollen so besser vergleichbar sein und so auch die Mobilität der Arbeitnehmer europaweit erleichtert werden.
Künftig sollen die Bildungsabschlüsse deshalb in einen achtstufigen Deutschen Qualifaktionsrahmen (DQR) eingeordnet werden. Das Ergebnis soll dann möglichst noch dieses Jahr in den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) übernommen werden.
Wie Schavan in ihrem Schreiben deutliche machte, berücksichtigt auch Frankreich in seinem nationalen Qualifizierungsrahmen bereits jetzt keine allgemeinbildenden Schulabschlüsse. Dies sei insofern nachvollziehbar, da solche Abschlüsse eine Grundlage für eine berufliche oder akademische Ausbildung aber keine berufsqualifizierenden Abschlüsse darstellten und deshalb mit ihnen auch nicht unmittelbar vergleichbar seien.
Mögleicher Ausweg gefunden
Ganz unter den Tisch fallen lassen will sie Hauptschulabschluss, mittlere Reife und Abitur aber auch nicht: Die allgemeinbildenden Abschlüsse könnten, wenn die Entwicklungen in der EU klarer absehbar seien, in einem zweiten Schritt zugeordnet werden, schrieb sie.
Auch der neue Präsident der Kultusministerkonferenz, der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe, machte am Rande seiner Amtseinführung in Berlin deutlich, dass er sich so einen möglichen Ausweg vorstellen könnte. Eine erste Wahl sei es für ihn aber nicht.