Unternehmensgründung 45 plus gründet nicht ohne Hindernisse

Ein Leben lang im selben Beruf zu arbeiten, hier Erfahrungen zu sammeln und eigene Ideen zu entwickeln, bringt so manch einen Angestellten dazu, sich in älteren Jahren selbstständig zu machen. Dabei bringen die älteren Gründer meist die passenden unternehmerischen und fachlichen Kompetenzen mit. Aber trotzdem sind sie noch in der Minderheit. Ob Finanzierung oder Beratung – eine Studie zeigt, dass hier noch Unterstützung fehlt.

Ältere Unternehmensgründer bringen viel Erfahrung und Wissen mit, aber nur wenige wagen diesen Schritt. - © Fotolia

Sie haben Fachwissen, Branchenkenntnisse, gute Kontakte und viel Erfahrung im Beruf. Trotzdem gründen in Deutschland nach Angaben des Gründungsmonitors der Kfw-Bankengruppe immer noch hauptsächlich Personen zwischen 25 und 44 Jahren neue Unternehmen. Nur etwa jeder zehnte Gründer ist zwischen 55 und 64 Jahre alt, obwohl rund 19 Prozent der Bevölkerung dieser Altersgruppe angehören. Dabei bietet eine Unternehmensgründung gerade Älteren eine vielversprechende Alternative, rät das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi).

Zu den Vorteilen gehören demnach:
  • die eigenen Stärken und Schwächen gut einschätzen zu können und dadurch Fehlentscheidungen zu vermeiden,
  • fit zu sein im Umgang mit Geld und längerfristigen finanziellen Planungen,
  • viel Berufs- und Lebenserfahrung zu haben,
  • meistens gut in berufliche Netzwerke eingebunden zu sein und gute Branchenkontakte zu haben,
  • gutes Fachwissen und Können mitzubringen und
  • die weitere Lebensplanung bereits konkret zu kennen und daher auch die privaten Bedürfnisse miteinbeziehen zu können.
Um herauszufinden, warum die Älteren bei den Unternehmensgründungen bislang so zurückhaltend sind, hat das RKW Kompetenzzentrum eine ausführliche Studie erstellt und darin die Gründe zusammengefasst. Dabei stehen vor allem die Angst vor einem Scheitern und der größere Erfolgsdruck, dem sich ältere Arbeitnehmer stärker unterworfen fühlen, im Zentrum. Wenn sich Ältere selbstständig machen, planen sie dies meist nicht als "Ausprobieren", sondern als Perspektive bis zum Ruhestand. Eine Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis ist meist nicht denkbar und oft nicht realisierbar, da auch die Chancen auf einen regulären Arbeitsplatz im Alter sinken.

Positivere Gründungskultur gewünscht

Laut dem BMWi-Existenzgründerportal liegt es verstärkt auch an der deutschen Arbeits- und Gründungskultur, dass der Schritt zur Unternehmensgründung hier eher als Wagnis und nicht – wie etwa in den angelsächsischen Ländern – als mutiger Schritt mit Erfolgsorientierung gedeutet wird. Daher wäre bei uns eine „positivere Gründungskultur“ erforderlich um hier Fortschritte zu erzielen.

Ein weiteres großes Hindernis sehen die Autoren der RKW-Studie in fehlenden Beratungsangeboten, die die besondere Lage älterer Gründer berücksichtigt und die sich viele Ältere wünschen würden. Doch davon raten die in der Studie befragten Experten ab. Sie sehen den Beratungsbedarf für Existenzgründer insgesamt als ausreichend gedeckt – hier wären grundsätzlich keine speziellen Fragen für Ältere zu klären. Aufklärungsbedarf gäbe es stattdessen darin, den Älteren zu zeigen, wo sie Informationen zur Gründung bekommen und auf welchem Weg sie individuelle Beratung bekommen könnten.

Schlechtere Förderbedingungen für Ältere

Dies zeigte sich besonders auch im Bereich der Finanzierung bzw. Förderung der Neuunternehmer, bei der Ältere oft genauso Unterstützung benötigen als junge Gründer. So zeigte sich in der Studie, dass Gründungsinteressierte ab dem 50. Lebensjahr die Vergabe von Förderdarlehen als vergleichsweise problematisch erleben würden. So würden beispielsweise auch einige Banken die älteren Kreditnehmer mit einem höheren Risiko bewerten und deshalb nur Darlehen mit schlechteren Konditionen bewilligen bzw. hohe Anforderungen an Sicherheiten stellen. Hier würden sich viele Gründer mehr Unterstützung wünschen.

Genauso sieht es beim Thema Altersvorsorge und Rentenversicherung aus, bei dem die Älteren große Unsicherheiten spüren. Die Deutsche Rentenversicherung Bund rät deshalb dazu, dass Existenzgründer, die schon viele Jahre als Angestellte Rentenansprüche erworben haben, auch weiterhin in der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben könnten: entweder als freiwilliges Mitglied oder über eine Versicherungspflicht auf Antrag. Wenn keine gesetzliche Weiterversicherung bestehen bleiben soll, wird es jedoch komplizierter und der Gründer sollte sich gut überlegen, welchen Versicherungsbedarf er in seinem persönlichen Fall hat. Zusätzlich weist die Deutsche Rentenversicherung jedoch darauf hin, dass es wie im Falle von Handwerkern in einigen Berufen auch nach dem Selbstständigmachen eine gesetzliche Versicherungspflicht gibt. Wichtig sei es zudem auch als Selbstständiger weiterhin in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen, wenn bereits viele Jahre Beiträge geleistet wurden.

Die etwas komplizierteren Rahmenbedingungen für ältere Gründer sind also in den meisten Fällen der Grund dafür, warum sie vor diesem Schritt zurückschrecken. Auch die Vorteile, die sie gegenüber den meisten Jüngeren haben, erleichtern die Existenzgründung bislang nicht. Doch da in den vergangenen Jahren auch die Tendenz gestiegen ist, dass Ältere auch in den Rente noch etwas hinzuverdienen wollen oder müssen und da der demografische Wandel unserer Gesellschaft insgesamt altern lässt, wird sich in Zukunft wohl auch das Gründungsgeschehen ändern und Banken und Versicherungen werden nicht mehr darum herum kommen, ihre Angebote anzupassen. dhz