Sich im europäischen Ausland aus- oder weiterbilden lassen und die Leistungen im Heimatland anerkannt bekommen – dies will das so genannte ECVET erleichtern und fördern. Aktuell wird das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung europaweit erprobt. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist mit einem Pilotprojekt beteiligt und schickt Bäcker, Friseure und Tischler in europäische Nachbarländer.

Das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung (ECVET) soll den Transfer und die Anerkennung von beruflichen Kompetenzen zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten erleichtern. So können zum Beispiel Lernzeiten im Ausland besser genutzt werden, Auszubildende und Meisterschüler sollen mobiler werden. Bis 2013 wird das Konzept europaweit erprobt. Auf einer Fachtagung hat der ZDH jetzt das Pilotprojekt SME Master Plus vorgestellt, an dem er als deutscher Partner beteiligt ist.
Gesammelte Hilfen
Als Pilotberufe wurden in Deutschland Bäcker, Friseure und Tischler gewählt. In der Erprobungsphase bis Februar 2012 arbeitet der ZDH mit Projektpartnern und Bildungsinstituten aus Frankreich, Slowenien, Österreich und Norwegen und 25 weiteren Experten wie Meisterschulen und Innungen zusammen. Gemeinsam entwickelten sie einen so genannten Werkzeugkasten, der zum Beispiel Mobilitätschecklisten und Vordrucke für Partnerschaftsvereinbarungen enthält.
Für Bildungsinstitutionen wie etwa Kammern, die regelmäßig Auszubildende oder Meisterschüler für mindestens vier Wochen ins europäische Ausland schicken, lohnt es sich, einmal Partnerschaftsvereinbarungen mit den aufnehmenden Institutionen zu treffen. Dabei werden im Vorfeld Kriterien und Grundlagen für einen sinnvollen Austausch festgehalten.
Lernvereinbarung und Leistungsnachweis
Die einzelnen Schüler erhalten Lernvereinbarungen, in denen fixiert wird, welche Kompetenzen sie während ihres Aufenthalts erwerben sollen. Mit einem persönlichen Leistungsnachweis wird die entsendende Institution nach dem Ende des Aufenthalt darüber informiert, was der Schüler tatsächlich gelernt hat und welche Ziele erreicht wurden.
Im Rahmen des Pilotprojektes hat der ZDH elf Meisterschüler entsandt, die den Werkzeugkasten getestet haben. Die Ergebnisse werden gerade ausgewertet und die Dokumente gegebenenfalls überarbeitet. Später sollen dann auch Hilfestellungen für andere Gewerke entwickelt werden. Es ist geplant, die Mobilitätsberater der Handwerkskammern in Zukunft so zu schulen, dass sie kompetent zum ECVET beraten können.
Bedarf besteht
Der ZDH-Geschäftsführer Dirk Palige sagte in Berlin, dass die Wirtschaft und vor allem kleine und mittlere Unternehmen Bedarf an Mitarbeitern mit internationalem Know-How habe. Deshalb müsse die Organisation und Durchführung von Lernaufenthalten im Ausland für Auszubildende und Fachkräfte erleichtert werden. "Hier kann ECVET die Funktion eines wichtigen Unterstützungsinstruments für ausbildende Unternehmen, Berufsschulen und Berufsbildungseinrichtungen zukommen". jf