Auswanderung Kentzler-Appell: Um Fachkräfte kämpfen

Der so genannte "Brain Drain" – die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte ins Ausland – ist längst auch im Handwerk zum Problem geworden. Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), appellierte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" an die Handwerksmeister: "Halten Sie diese Fachkräfte im Handwerk – wir brauchen sie."

"Wir müssen um unseren Nachwuchs kämpfen wie die Löwen", sagte Otto Kentzler, Präsident des ZDH, dem "Handelsblatt". - © ZDH

Handwerker aus Deutschland sind weltweit sehr gefragt, und viele folgen dem Ruf in die Ferne. Auch das europäische Ausland und deutsche Großunternehmen aus Industrie und Dienstleistung würden um die gut ausgebildeten Fachkräfte aus dem Handwerk werben, berichtet Kentzler in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung. Er betont: "Wir haben im Handwerk keine Fachkräfte zu verschenken."

Höhere Gehälter seien als Antwort auf die zunehmende Abwerbung unrealistisch, so Kentzler. Wichtig sei es, den jungen Leuten von Beginn an berufliche Perspektiven zu bieten, damit sie ihre Karriere vorantreiben oder sich selbstständig machen können, sagt der ZDH-Präsident.

Um Frauen werben

Auch junge Frauen sollten von den Handwerksbetrieben noch mehr umworben werden. Viele Betriebe würden bereits an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie arbeiten, etwa durch flexible Arbeitszeiten oder Betreuungseinrichtungen für Kinder. Mit ersten Erfolgen: Der Anteil der Frauen bei den erfolgreichen Meisterprüfungen habe sich innerhalb von 20 Jahren verdoppelt.

Ein Problem im Handwerk ist die Nachwuchssuche: Allein in diesem Jahr konnten rund 11.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. "Wir müssen um unseren Nachwuchs kämpfen wie die Löwen", appelliert Kentzler an die Handwerker. Viele Handwerker hätten bereits die Initiative ergriffen, und würden zum Beispiel Praktika für Schulabgänger anbieten.

Ausländische Fachkräfte nachschulen

Eine andere Möglichkeit, dem Fachkräftemangel im deutschen Handwerk zu begegnen, sei die Anwerbung von Handwerkern aus dem Ausland. Schon jetzt würden einige zehntausend Handwerker aus den EU-Ländern hier arbeiten, jedoch meistens als Selbstständige, erklärt Kentzler gegenüber dem "Handelsblatt". "Bewerbungen von Facharbeitern, beispielsweise aus Spanien, wo viele Kräfte aus den Bauberufen keinen Job haben, sind willkommen."

Noch seien bei der Einstellung die bisher unterschiedlichen Ausbildungsstandards ein Problem. Hier werde das neue Anerkennungsgesetz den Betrieben und den Bewerbern ab 2012 mehr Sicherheit geben. Der ZDH-Präsident kündigt an: "Wo es Qualifikationsdefizite gibt, wollen die Handwerkskammern künftig gezielt ein Angebot zur Nachschulung zum Gesellen oder Meister machen." dhz