Fokus auf Finanzierung

Ein neuer Fonds soll die Eigenkapitaldecke der Unternehmen in Deutschland stärken

Fokus auf Finanzierung

Wachstum und Innovation sollen in Deutschland wieder ins Rollen kommen. Doch viele Handwerksbetriebe beklagen noch immer die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken und Sparkassen. Jetzt stellten die KfW Bankengruppe und die Commerzbank gemeinsam einen neuen Eigenkapitalfonds für den deutschen Mittelstand vor. Dieser zielt darauf ab, die Eigenkapitaldecke der Unternehmen zu stärken. Mittelständische Unternehmen in Deutschland sollen branchenübergreifend von dem neuen (Finanzierungs-) Angebot profitieren, das flexibler und unternehmerfreundlicher sein soll. Die KfW selbst legt den Fokus auf Familienunternehmen und Unternehmensentwicklungen, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind.

Der Eigenkapitalfonds hat ein Gesamtvolumen von bis zu 500 Millionen Euro und richtet sich an Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis maximal 500 Millionen Euro. Die Höhe einer Eigenkapitalbeteiligung liegt nach Angaben der KfW zwischen 10 und 30 Millionen Euro.

Akuter Bedarf

„Hier besteht nach unseren Marktanalysen zum einen ein akuter Eigenkapitalbedarf, zum anderen existiert für dieses Marktsegment nach unseren Analysen noch kein ausreichendes Angebot an echtem Eigenkapital, das dem Unternehmen auch wirklich für Wachstumsinvestitionen zur Verfügung steht“, sagt Klaus Müller, stellvertretender Leiter der Abteilung Beteiligungsfinanzierung bei der KfW. Die Unternehmen müssten strukturell gesund sein und über eine positive Wachstumsperspektive verfügen. In diesem Segment entfaltet der Fonds nach Einschätzung der KfW eine starke Wirkung im Hinblick auf Wachstum und Beschäftigung. Eine gründliche Prüfung der Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen des jeweiligen Unternehmens werde die Grundlage für jede Investitionsentscheidung sein. „Das Konzept des Eigenkapitalfonds ist auf ein langfristiges Engagement angelegt. Seine Mittel fließen zudem nicht an die Verkäufer, sondern in die Unternehmen hinein. Da der Fonds nur Minderheitsbeteiligungen eingeht, ist die Autonomie des Unternehmers gesichert. Der Unternehmer bleibt also Herr im Haus. Das ist auch ein entscheidender Unterschied zu den verbreiteten Buy-out-Finanzierungen, die in aller Regel auf die Übernahme der Mehrheit der Anteile zielen“, sagt Klaus Müller.

Wie die KfW mitteilt, wird der Fonds innerhalb der kommenden Wochen investitionsbereit sein. Jedem Investment gehe jedoch eine so genannte Due Diligence voraus, das heißt, eine eingehende Prüfung der Stärken und Schwächen des Unternehmens sowie der Chancen und Risiken eines Investments. Diese Phase nehme in aller Regel einen Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten in Anspruch.

„Die Finanzkrise hat im deutschen Mittelstand bei einigen Unternehmen zu einer ausgedünnten Eigenkapitaldecke geführt. Neue Investitionen werden durch diese Situation gerade in der konjunkturellen Aufschwungphase erschwert. Die KfW Bankengruppe und die Commerzbank fühlen sich dem deutschen Mittelstand verpflichtet und wollen helfen, die Eigenkapitalsituation der Firmen zu verbessern und damit zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Erholung beizutragen“, sagt Klaus Müller.

Das Konzept sei direkt auf die Bedürfnisse des Mittelstandes zugeschnitten: „Im Vordergrund steht der Wunsch vieler Unternehmer, auch nach der Aufnahme von externem Beteiligungskapital autark zu bleiben und die Entwicklung seines Unternehmens maßgeblich steuern zu können. Sie wollen Unternehmer bleiben und nicht aus der Verantwortung gedrängt werden. Besonders wichtig ist dabei, dass die Beteiligungen ohne Einsatz von Fremdkapital erworben werden, die dann als Verbindlichkeiten auf das Unternehmen übergehen.“ Nach Erfahrungen der KfW legten Unternehmen Wert auf die Perspektive, die Anteile auch wieder zurückerwerben zu können. Das Fondskonzept unterstütze dies ausdrücklich. Daher würden der bevorzugte Ausstieg und die Ausstiegsstrategie zu Beginn der Beteiligung gemeinsam von Fondsmanagement und Unternehmer festgelegt. Üblicherweise stünden der Rückerwerb der Anteile durch den Alteigentümer wie auch die Vorbereitung einer Nachfolgeregelung im Vordergrund. Nur wenn der Unternehmer die Anteile nicht selbst zurückerwerben wolle oder könne, kämen andere Exitmöglichkeiten in Betracht.

Sonderprogramm zu Ende

Die KfW weist außerdem darauf hin, dass das KfW-Sonderprogramm zum Jahresende 2010 ausläuft. Anträge können jetzt noch gestellt werden. Das KfW-Sonderprogramm ist Teil des Konjunkturpaketes der Bundesregierung. Auch dieses Programm richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen. Finanziert werden Investitionen, darunter auch Betriebsmittel.

Seit dem Start des Programms und bis Ende Mai 2010 wurden etwa 3.500 Anträge mit einem Volumen von rund 7,5 Milliarden Euro bewilligt.dan

Infos zum KfW-Sonderprogramm und zum neuen Eigenkapitalfonds unter www.kfw.de. Unternehmer, die sich für den Eigenkapitalfonds interessieren, wenden sich an die Managementgesellschaft, die den Fonds verwaltet: Afinum Management .