Vermittlungsagentur für Handwerkerinnen Direkter Draht zum Kunden

Annette Albinus ist Tischlerin und betreibt seit zehn Jahren Deutschlands einzige Vermittlungsagentur speziell für Handwerkerinnen. Im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung rät die Inhaberin der Agentur "Perle": "Sprechen Sie Klartext!".

Jana Tashina Wörrle

Direkter Draht zum Kunden

Mit ihrem Ansatz "Qualität setzt sich durch" kämpft sie sowohl gegen gängige Handwerkervorurteile als auch für Frauen, die ihren Traumberuf im Handwerk gefunden haben. Trotzdem und gerade deshalb vermittelt sie mittlerweile auch männliche Handwerker – weiblicher Nachwuchs im Handwerk ist immer noch rar.

"Das passt natürlich prima zum Thema", sagt Annette Albinus gleich zu Beginn, als ihr kleiner Sohn quengelnd eine neue Malvorlage fordert. Er ist krank und deshalb mit seiner Mutter im Büro und nicht im Kindergarten. Da die gelernte Tischlerin heute jedoch ausschließlich in ihrer eigenen Agentur arbeitet, kann sie solche unvorhergesehenen "Zwischenfälle" gut mit einem Full-Time-Job vereinbaren.

DHZ: Wie ist die Idee entstanden, eine Vermittlungsagentur speziell für Handwerkerinnen zu gründen?

Albinus: Es war, weil es in der Wirtschaft für Frauen mit Kind, die ein Handwerk gelernt haben, im Grunde keinen Platz gibt. Etwa nach einem Jahr, nachdem ich mein erstes Kind bekommen habe, wollte ich in die Tischlerei zurückkehren. Das ist mir damals aber nicht geglückt.

DHZ: War das nicht vorhandene Angebot an Halbtagsstellen hierfür der Grund?

Albinus: Ja, aber es ist auch überhaupt sehr schwierig, als Handwerkerin eine Stelle zu finden. Es gibt natürlich hier und da kleine Frauenwerkstätten. Die sind meistens jedoch schon voll und haben auch ihre ganz eigenen Arbeitsstrukturen.

DHZ: Welche Erfahrungen haben Sie persönlich als Frau im Handwerk gemacht?

Albinus: Ich habe etwa fünf Jahre als Tischlerin gearbeitet, als Angestellte in einem Drei-Frauen-Team und wir haben dabei viele positive Erfahrungen mit den Kunden gesammelt. Und daraus ist dann auch die Idee der Agentur entstanden. Die Kunden haben uns oft gefragt, ob wir nicht eine Elektrikerin oder eine Klempnerin oder eine Malerin empfehlen könnten. Die Idee ist also durch die Nachfragen der Kunden entstanden.

DHZ: Bewerten die Kunden die Qualität der Arbeit, die von einem reinen Frauenbetrieb geleistet wird, anders?

Albinus: Nein, ich glaube nicht, dass das mit der Qualität der Arbeit zu tun hat, sondern ich denke, bei den Handwerkerinnen geht es immer um den anderen Umgang und ein anderes Zuhören – also die Kommunikation.

DHZ: Es geht als nicht um die handwerkliche Arbeit an sich?

Albinus: Genau, die Kompetenz, die setzt man ja voraus. Die Erfahrung, die ich jetzt hier in der Agentur mache, ist, dass die Leute freundlich und respektvoll bedient werden wollen. Sie wollen, dass man ihnen zuhört, dass man ihnen gute Tipps gibt, und das geht mir auch so. Wenn ich für eine Leistung zahle, dann möchte ich eben, dass die Leute freundlich zu mir sind. Und da ist es auch egal, ob ich ins Café gehe oder in einen Laden oder ob ich eine Handwerkerin buche.

DHZ: Macht dies die Unterschiede zwischen Handwerkern und Handwerkerinnen aus? Hat sich hier in den letzten Jahren etwas verändert?

Albinus: Da hat sich auf jeden Fall etwas geändert. Für mich ist es auch nicht so, dass ich das per se so formuliere "Männer sind so und Frauen sind so". Ich habe jetzt hier meine zehn Jahre Erfahrung. Ich habe auch schon Handwerkerinnen gehabt, die die Umgangsformen nicht aus dem Effeff beherrschen und ich habe männliche Kollegen gehabt, die das super machen. Der Schwerpunkt der Agentur hat sich deshalb mehr auf Qualität und die richtigen Umgangsformen verlagert. Mittlerweile vermittle ich auch Männer.

DHZ: Warum genau haben Sie sich bei diesem Thema geöffnet?

Albinus: Am Anfang war das aus der Not geboren. Wenn uns zum Beispiel bei einem Auftrag für eine komplette Badrenovierung keine Fliesenlegerin zur Verfügung stand, mussten wir eben mit männlichen Handwerkern kooperieren. Im Laufe der Zeit hat sich dann gezeigt, dass Frauen genauso Schwachpunkte haben und ich mich von der einen oder anderen trennen musste. Ich habe dafür Kollegen dazugenommen, mit denen es besser lief. Für mich als Agentur ist es wichtig, dass ich Qualität vermitteln kann. Da sage ich dann auch, dass das Geschlecht in zweiter Reihe steht.

DHZ: Es ist Ihnen also wichtiger, dass die Aufträge möglichst kompetent erledigt werden und ...?

Albinus: … nicht auf Biegen und Brechen von einer Frau ausgeführt werden müssen. Genau, denn davon hat auch niemand was. Davon habe ich nichts und der Kunde hat davon auch nichts. Bei jedem zustande gekommenen Auftrag gibt es eine Nachbetreuung. Es ist mir ein großes Anliegen, nochmals nachzufragen, ob es so geworden ist, wie sich die Kunden das vorgestellt haben. Und so kommt man natürlich auch mit den Kunden sehr gut ins Gespräch. Wenn die Leute sich wirklich umsorgt und ernst genommen fühlen, kommen so auch Folgeaufträge zustande.

DHZ: Welche Vorteile haben hier die Betriebe, die mit der Perle zusammenarbeiten?

Albinus: Im Kooperationsvertrag, den ich mit den Betrieben abschließe, ist klar vereinbart, dass ich mich um das Marketing kümmere. Ich akquiriere die Aufträge und ich betreue sie nach und ich bin jederzeit ansprechbar. Die Handwerksbetriebe haben nach dem Qualitätsstandard, den wir gemeinsam entwickelt haben, ihre Arbeit sauber und ordentlich auszuführen. Die Aufgaben sind klar verteilt.

DHZ: Die Leute wollen also nicht unbedingt eine Handwerkerin beschäftigen?

Albinus: Ich glaube, das ist die Kopplung. Anfangs hatten wir zum Beispiel auch 80 Prozent Frauen als Kunden und der Rest, das waren Betriebe und Vereine. Und jetzt ist es schon so, die Hälfte der Kunden Männer sind. Da hat sich etwas gewandelt und ich meine auch, dass es den Leuten wichtig ist, selbst zu entscheiden, wen sie beauftragen und wem sie ihr Geld geben. Viele kommen zu uns und sagen: "Mensch, ich habe jetzt schon bei drei Betrieben angerufen und wollte einen Kostenvoranschlag und die rufen ja nicht einmal zurück."

DHZ: Und deshalb geben Sie die Rückrufgarantie innerhalb von 24 Stunden?

Albinus: Genau. Egal wie klein der Auftrag ist, ich rufe immer zurück, darauf hat der Kunde ja ein Recht. Und wenn er bei einem kleinen Auftrag auch gut bedient wird, dann wird er das auch bei einem großen. Natürlich denke ich, dass sie auch Lust haben, Frauen zu beauftragen. Wir haben zum Beispiel sehr viele ältere alleinstehende Damen als Kunden. Und die haben manchmal richtig Angst, wenn sie wissen, dass die Handwerker zu ihnen in die Wohnung kommen. Da läuft das mit unseren Handwerkerinnen ganz anders. Oft werden die dann von den Kunden bekocht. Und wenn die älteren Damen dann zufrieden sind, dann erzählen die das in ihrem Freundeskreis und empfehlen uns weiter.

DHZ: Hat sich das Bild des Handwerks in den vergangenen Jahren gewandelt?

Albinus: Dass sich Frauen heute auch selbstständig machen, ist selbstverständlicher geworden. Wenn sie es wollen, gehen sie ihren Weg. Leichter haben sie es heute aber immer noch nicht und solange dies nicht ganz deutlich nach außen transportiert wird, wird sich auch nicht viel ändern.

DHZ: So lange die Einstellung nicht stimmt, wird es also im Handwerk keine besseren Möglichkeiten geben, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Albinus: Ja, aber das hat auch etwas mit dem deutschen System zu tun. Es gibt ja viele andere Länder, wo diese Vereinbarkeit generell besser gelöst wird. Wo es einfach viel selbstverständlicher ist, dass Frauen arbeiten. Ich kann jetzt hier mit meinem Kind sitzen, weil ich im Büro arbeite. Wenn aber eine Handwerkerin, die alleinerziehend ist mit zwei Kindern, einen dicken Auftrag bekommt und sie den Auftrag termingerecht ausführen möchte, dann hat sie ein ganz anderes Problem, wenn ihr Kind krank wird. Dann muss sie eben ein gut funktionierendes Netz haben, auf das sie zurückgreifen kann – also Vater, Mutter oder Freunde. Aber das ist ein privates Netz und kein gesellschaftliches.

DHZ: In Ihrem Profil eines Onlinenetzwerkes schreiben Sie unter der Rubrik Sprachenkenntnisse, dass Sie "Klartext" beherrschen. Ist das Ihr Motto?

Albinus: Direkte Kommunikation ist sehr wichtig. Ich spreche mit den Betrieben immer direkt darüber, falls es Kritik gegeben hat. Aber auch mit den Kunden muss man "Klartext" reden. Denn nur so kann sich etwas verändern.

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