2010 soll der Hochschulzugang ohne Abitur vereinheitlicht werden

Handwerker an die Uni
16 Bundesländer 16 Landeshochschulgesetze. Bislang hatte jedes Land eine eigene Regelung des Hochschulzugangs, der über die berufliche Qualifikation erlangt werden kann. Im kommenden Jahr soll sich das ändern. Die Kultusminister der Länder haben beschlossen, bundesweit einheitliche Vorgaben für einen allgemeinen Hochschulzugang ohne Abitur umzusetzen.
Friedrich Hubert Esser vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geht davon aus, dass alle Länder den Beschluss im Verlauf des Jahres 2010 umsetzen. „Wir sind darüber erfreut, dass die Länder so schnell reagieren“, sagt er, „der politische Druck wirkt und auch der ZDH wird ein Auge darauf haben, dass die Umsetzung weiter vorangetrieben wird.“ Einige Bundesländer wie Bayern haben bereits mit der Umsetzung des Beschlusses begonnen. Der ZDH steht der beschlossenen Vereinheitlichung grundsätzlich sehr positiv gegenüber. „Für unsere Handwerker ist es natürlich gut, einheitliche Regelungen zu haben“, betont Esser. „Die bundesweite Vereinheitlichung des Hochschulzugangs ohne Abitur ist ein bildungspolitisches Signal“, sagt er. Wie sich das quantitativ auswirke, werde sich zeigen. Wirtschaftsexperten prognostizieren, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt immer stärker zu einem Fachkräftemangel kommen wird. Die Fachhochschulen und Universitäten bieten deshalb viele neue Studienmöglichkeiten und erweitern ihre Zielgruppen. Esser sieht hier Chancen, betont jedoch auch, dass mit der Weiterqualifizierung über ein Studium das Handwerk darauf achten müsse, die „studierten Meister“ in die Handwerksbranche zurückzuholen. „Im zweiten Schritt muss deutlich werden, dass Handwerker auch inhaltlich auf gleicher Augenhöhe mit Akademikern stehen“, fordert er. „Wir brauchen noch mehr Studiengänge, in denen berufliche Kompetenzen angerechnet werden.“
Die Vereinheitlichung ist auf den Weg gebracht. Für das Handwerk bieten sich neue Chancen, da das Thema insgesamt vorangetrieben wird. Doch ob die Möglichkeiten erfolgreich genutzt werden, wird sich zeigen. jtw