Twitter Was die Spatzen von den Dächern pfeifen

Früher wurde der neueste Klatsch an der Hausecke weitergegeben, heute gibt es Twitter. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen? Von Lothar Lochmaier

Was die Spatzen von den Dächern pfeifen

Was zunächst viele Experten als Modeerscheinung abqualifizierten, erreicht allmählich die Unternehmen. Gemeint ist das so genannte Twittern. Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein auf einer Website oder per Mobiltelefon geführtes und meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet. Davon können auch Unternehmen profitieren.

Angemeldete Benutzer können eigene Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen eingeben und anderen Benutzern senden. Der Herausgeber der Nachricht steht auf der Webseite des Dienstes mit einer Abbildung als alleiniger Autor über seinem Inhalt. Die Beiträge sind meist in der Ich-Perspektive geschrieben.

Als populäres und derzeit weltweit fast ausschließlich genutztes Werkzeug hat sich die Plattform Twitter.com etabliert, weshalb sich im Fachjargon das Synonym Twittern – zu deutsch zwitschern – eingebürgert hat. Mehrere Millionen Menschen nutzen weltweit die 2006 ins Leben gerufene Plattform. Auch in Deutschland klinken sich jede Woche Tausende neuer Nutzer in das Netzwerk mit dem zeitgemäßen Image der "sozialen Turbokommunikation" ein. Allen Unkenrufen zum Trotz: Es dürfte sich um deutlich mehr als einen kurzlebigen Modetrend handeln.

Denn auch Unternehmen können profitieren: Rund drei Millionen US-Dollar hat der Computerkonzern Dell nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren bereits an zusätzlichen Einnahmen generiert, weil Internetsurfer über den Microblogging-Dienst Twitter auf neue Produkte aufmerksam wurden. Die veröffentlichten Kurznachrichten, so genannte Tweets, informieren die Kunden über Presseveröffentlichungen, Produktneuigkeiten oder soziales Engagement.

Anfangs wurde der Dienst Twitter von vielen belächelt, er beinhalte nur privates und gerade für geschäftliche Zwecke "wertloses Dampfgeplauder". Das war schon einmal so: Schließlich sah kaum ein Experte in den 90er Jahren den großen Erfolg der kurzen Textbotschaften (Short Message Services) voraus, die sich über Mobilfunktelefone verschicken ließen. Heute gehören diese wie selbstverständlich zum Alltag, auch in den Unternehmen, etwa wenn Kfz-Betriebe ihre Kunden über Service- oder Abholtermine informieren.

"Wir nutzen Twitter seit kurzem als Kanal, um eigene Nachrichten zu verbreiten und um zu berichten, was aktuell bei uns passiert", bestätigt John Minah, Cogeschäftsführer der Portal United Ltd., dem Betreiber der Internetplattform blauarbeit.de. Unter anderem verbreitet das Unternehmen Pressemitteilungen und informiert etwa über die Gewinner von Vergleichstests.

"In den letzten Wochen haben wir mehr und mehr den Eindruck, dass unsere Klientel – Auftraggeber für Handwerks- und Dienstleistungsaufträge einerseits und Handwerker sowie Dienstleister andererseits – langsam damit beginnt, Twitter aktiv zu nutzen", so Minah weiter. Aber Vorsicht: Der Einstieg in die neue Welt mit dem Image der lässigen Turbokommunikation sollte sorgfältig geplant und mit langem Atem angegangen werden. Denn der Kreis derjenigen, die man über Twitter erreichen kann, ist nur schwer überschaubar. Zwar waren laut einer Nielsen-Studie im Juni 1,8 Millionen Deutsche angemeldet – fast doppelt so viele wie noch im April – trotzdem bleibt die Zahl der aktiven Nutzer wohl noch im fünfstelligen Bereich. Die aktivste Gruppe unter den Nutzern sind die 25- bis 34-Jährigen.

Wer möglichst viele Mitlesende (Follower) und damit mehr Aufmerksamkeit möchte, der muss regelmäßig und über einen längeren Zeitraum aktiv bei Twitter sein. Dies bedeutet nicht nur, regelmäßig Tweets zu schreiben, sondern auch die Suchfunktion zu nutzen, um diejenigen ausfindig zu machen, die gerade einen Handwerker oder Dienstleister benötigen.

"Wir merken zunehmend, dass die Twitter-Nutzer über das Warten auf den Handwerker, aber auch über Freude oder Missfallen zu Handwerkerleistungen berichten", gibt indes John Minah von blauarbeit.de zu bedenken. Deshalb sollte sich der Betrieb neben dem Interesse, die Plattform fürs Marketing zu nutzen, auch für den kritischen Dialog mit dem Kunden öffnen. "Wenn man diese Menschen direkt anspricht, kommen schnell ein Dialog und interessante Resonanz zustande. Dies zeigt, dass Twitter sowohl für uns als auch für Handwerker durchaus das Potenzial hat, die eigene Bekanntheit zu steigern", so der Experte.

Noch ist die Zahl der Handwerksbetriebe begrenzt. Erste Erfahrungen machen aber durchaus Lust auf mehr: So nutzt seit kurzem beispielsweise die Schreinerei Heck in Ravengiersburg den Dienst mit einer eigenen Internetpräsenz, um die Kunden über wichtige Neuerungen zu informieren. So lautet etwa der Eintrag vom 26. August: "Ob moderner Neubau oder denkmalgeschützter Altbau – unsere Fenster erfüllen alle an sie gestellten Anforderungen." Von Bedeutung ist, dass die Kunden immer eine Möglichkeit haben, sofort den Kontakt mit dem Handwerksbetrieb aufzunehmen. Linkverweise auf die eigene Homepage – wie bei der Schreinerei Heck einschließlich telefonischer Kontaktadresse der Fall – sind deshalb ein Muss.

Beispiele von twitternden Handwerkern:

http://twitter.com/Schreiner_Wendl

http://twitter.com/schreinereiheck

http://twitter.com/holzunddesign