Onlinegangster werden immer gewiefter – der Branchenverband Bitkom befürchtet Industrialisierung der Computerkriminalität. Von Lothar Lochmaier
Das virtuelle Verbrechen
Die Computerkriminalität nimmt mafiöse Strukturen an. Onlineganster gehen immer professioneller vor, klagt der Hightech-Verband Bitkom und fordert eine bessere Ausstattung von Polizei und Staatsanwaltschaften sowie organisatorische Änderungen bei den Ermittlungsbehörden.
Vier Millionen Opfer
"Das Know-how der Ermittler gegen Computerkriminalität muss massiv gestärkt und gebündelt werden. Spezielle Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften könnten wesentlich effektiver gegen die Kriminellen im Internet vorgehen", sagte Dieter Kempf, Vorstandsvorsitzender des Vereins "Deutschland sicher im Netz" und Bitkom-Präsidiumsmitglied. Die staatlichen Behörden hätten viele Gründe, ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der digitalen Verbrechensbekämpfung zu verstärken, so Kempf auf der Konferenz "Industrialisierung der Computerkriminalität" in Berlin.
Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr sind fast vier Millionen Deutsche schon einmal Opfer von Computerkriminalität geworden. Vor allem mit Blick auf die immer jüngeren Zielgruppen sind die Zahlen ein alarmierendes Warnsignal.
Verschlüsselung notwendig
So hätten bereits sieben Prozent aller Computernutzer ab 14 Jahren einen finanziellen Schaden erlitten, etwa durch Viren, bei Onlineauktionen oder beim Onlinebanking. Nach Erkenntnissen der Strafverfolger sind zudem kommunikationsfreudige Jugendliche, die sich in sozialen Netzwerken tummeln, immer häufiger Opfer von organisierten Kriminellen. Der jugendliche Gelegenheitshacker, der quasi spielerisch seine Grenzen austestet, ist heute praktisch vollständig von der Bildfläche verschwunden.
Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Udo Helmbrecht, plädiert für eine radikale Verschlüsselung des Datentransfers bis hin zum vollständig verschlüsselten E-Mail-Verkehr. Jedoch sind umfassende Lösungen entweder noch nicht bis zur Marktreife entwickelt oder die Nutzer wenden sie bislang nur zögerlich an. "Digitale Signaturen – insbesondere beim E-Mail-Verkehr – lösen das Problem von Phishing und Spam weitgehend", so Helmbrecht. Insgesamt jedoch sieht auch der Experte vom BSI noch kein Land in Sicht, um der Untergrundökonomie kurzfristig die Stirn zu bieten.
Bessere Zusammenarbeit
Mit Blick auf die kommenden Herausforderungen wollen die staatlichen Behörden deshalb ihre Schlagkraft auf internationaler Ebene verstärken. Bereits im kommenden Jahr soll eine neue nationale Behörde (National Cyber Defense Center) die Regie über die grenzüberschreitende Verbrechensbekämpfung übernehmen, zumindest wenn es nach den Vorstellungen des BSI geht.
Dass mehr Zusammenarbeitet auf internationaler Ebene dringend geboten ist, verdeutlicht Sicherheitsspezialist Symantec in einem aktuellen Bericht. Auf virtuellen Marktplätzen im Internet werden gestohlene Güter und betrügerische "Dienstleistungen" bereits heute nach herkömmlichen Marktmechanismen wie in der legalen Wirtschaft ver- und gekauft. Die Summe der umgeschlagenen Waren und Services beläuft sich schätzungsweise auf mehrere hundert Millionen Dollar.
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