Karrierechancen locken Facharbeiter

Gerade das mittelständische Baugewerbe hat zunehmend Schwierigkeiten, gutes Personal zu akquirieren – mit gezielten Maßnahmen können Betriebe dieser Entwicklung begegnen

Von Peter Haas

Das Baugewerbe hat einen hohen Bedarf an qualifiziertem und spezialisiertem Personal. In absehbarer Zukunft ist mit einem Facharbeitermangel zu rechnen, der schon jetzt auch die Betriebe in die Pflicht nimmt, dagegen anzusteuern.Foto: Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Karrierechancen locken Facharbeiter

Besonders die Baubranche leidet unter dem massiven Facharbeitermangel in Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich hier im Laufe der letzten zehn Jahre praktisch halbiert. Dramatisch ist die Situation nicht nur bei den Facharbeitern – auch qualifizierte Führungskräfte werden inzwischen überall im Bauhandwerk händeringend gesucht. Für Berater Peter Haas von der Gesellschaft für Management und Organisation im Handwerk (GMOH) ist die aktuelle Situation allerdings keine Überraschung. Seit vielen Jahren warnt der Handwerksmeister und Betriebswirt unermüdlich vor der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und den damit verbundenen drastischen Konsequenzen für das Bauhandwerk. Zusammen mit seinen Kunden sucht er nach cleveren Auswegen aus der Misere.

Die Ausgangssituation

„Die größte Katastrophe für das Baugewerbe ist die Tatsache, dass es in den Betrieben keinen Nachwuchs mehr gibt“, resümiert Haas. „Aus Sicht der jungen Leute ist die Baubranche einfach extrem unattraktiv.“ Tatsächlich ist der gesellschaftliche Status niedrig und die Arbeitsbedingungen in der Branche gelten allgemein als unangenehm. „Dabei übersehen viele, dass man heute gerade im Bauhandwerk schönes Geld verdienen kann – sogar schon während der Ausbildung“, gibt Haas zu bedenken. Auch die hervorragenden Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten im Bauhandwerk seien weithin unbekannt und die Branche selber unternehme zudem viel zu wenig, um gezielt für sich zu werben.

Es gibt allerdings durchaus Firmen, die die Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren kritisch beobachtet haben und mit cleveren Konzepten gezielt gegensteuern. Die Treibs Bau GmbH, einer der Kunden von Haas, gehört dazu. Das Unternehmen ist im Kerngeschäft ein Malerbetrieb und verfügt derzeit über 60 Mitarbeiter. Um langfristig erfolgreich expandieren zu können, sind qualifizierte Facharbeiter und Führungskräfte für das Unternehmen lebensnotwendig.

Strategien entwickeln

Als Reaktion auf die Situation am Arbeitsmarkt und die Sorge um die Deckung des nötigen Personalbedarfs wurde bei Treibs in Zusammenarbeit mit Haas ein Konzept zur langfristigen Personalentwicklung ausgeklügelt. Das Kernstück bildet die firmeninterne Karriereleiter, beruhend auf drei Säulen:

- gezielte Mitarbeiterentwicklung – um Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu generieren,

- attraktive Arbeitsplätze mit entsprechenden Aufstiegsmöglichkeiten – um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden,

- positive Präsenz im Markt – um das Interesse potenzieller Bewerber zu wecken

Grundgedanke, erklärt Haas, sei die Überlegung gewesen, dass einen guten Mitarbeiter immer auch der Wunsch nach (persönlicher) Entfaltung und Weiterentwicklung auszeichne.

Weiterbildung bieten

„Logisch zu Ende gedacht bedeutet das, dass diejenigen Firmen, die qualifizierte Mitarbeiter binden möchten, diesen gezielt entsprechende Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten müssen. So einfach ist das“, sagt der Berater nachdrücklich, wohl wissend, dass die Umsetzung kein Kinderspiel ist und viel Fingerspitzengefühl erfordert. Dennoch zeigt das Beispiel der Firma Treibs, dass das Konzept aufzugehen scheint.

In Zusammenarbeit mit Haas wurden schaffte die Geschäftsleitung die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Karriereleiter und für die Ausarbeitung einzelner Qualifizierungsmaßnahmen. Dazu gehörte unter anderem:

- die Formulierung konkreter Stellen- und Anforderungsprofile,

- die Gestaltung der internen Qualifikations-, Trainings- und Weiterbildungsangebote (hierzu gehört auch ein internes Prüfungsverfahren),

- die Festlegung der mit einer Qualifizierungsmaßnahme oder Stelle verbundenen Vorteile.

Für die notwendige Akzeptanz bei den Mitarbeitern sorgte eine offene und faire Kommunikation, bei der die Chancen und Möglichkeiten ebenso deutlich formuliert wurden wie die Erwartungen der Geschäftsleitung.

Neubesetzung intern regeln

Diese setzt bei allen Mitarbeitern – und solchen, die es werden wollen – die Bereitschaft zur Wahrnehmung der gebotenen Karrieremöglichkeiten im Unternehmen und damit eine permanente Weiterentwicklung und Qualifizierung gemäß der internen Karriereleiter als Bedingung für die Betriebszugehörigkeit voraus. Sie bietet im Gegenzug langfristig sichere und attraktive Arbeitsplätze in einem zukunftsorientierten Unternehmen. Frei werdende Stellen sollen dabei langfristig vorrangig aus den eigenen Reihen besetzt werden.

Der Anreiz für die Mitarbeiter liegt auf der Hand: Zum einen bieten die Qualifizierungsmaßnahmen selbst einen persönlichen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt, zum anderen sind mit den einzelnen Stufen auf der Karriereleiter und den zugehörigen Qualifizierungsmaßnahmen immer auch entsprechende Vorteile und finanzielle Anreize verbunden.

Durch entsprechende Coaching- und Weiterbildungsmaßnahmen bezieht dieses Konzept auch das Management beziehunsgweise die Führungsebene mit ein.

Aus Gründen der Effizienz erfolgt die Weiterbildung zu 80 Prozent im eigenen Haus – einerseits durch interne Kräfte (eigene Mitarbeiter, Führungskräfte), zum anderen durch externe Coaches. Hinzu kommen technische Schulungen außer Haus, etwa bei Herstellern.

Alle Kosten für die Weiterbildung der Mitarbeiter trägt die Firma Treibs. Die Arbeitnehmer investieren im Gegenzug ihre (Frei-)Zeit, da die Qualifizierungsmaßnahmen zum größten Teil außerhalb der Arbeitszeit (abends oder am Wochenende) erfolgen.

Beide Seiten profitieren

Es entsteht eine Situation, in der beide Seiten profitieren: der Arbeitnehmer durch die persönliche Qualifizierung selbst und entsprechende finanzielle Anreize, das Unternehmen durch hoch motivierte, hervorragend qualifizierte Mitarbeiter.

Für den Erfolg des Beraterkonzeptes war aus Sicht der Geschäftsleitung vor allem die Konsequenz in der Umsetzung entscheidend. Joachim Schledt, Geschäftsführer der Treibs GmbH: „Auch Beratungsergebnisse, die begeistern, werden schnell zu Makulatur. Wahrscheinlich unterscheidet uns nur die zügige und konsequente Umsetzung von vielen Wettbewerbern – und bringt den geplanten Erfolg“.