Nicht nur für sonnenhungrige Urlauber, sondern auch für Kunst und Künstler ist die Ferieninsel ein gutes Pflaster: drei Beispiele von gestern, heute und morgen.
Daniela Lorenz
In der Kathedrale von Palma de Mallorca gibt es nicht nur das größte gotische Rosettenfenster der Welt zu sehen, sondern auch zeitgenössische künstlerische Interpretationen. Der mallorquinische Künstler Miquel Barceló begann 2001 mit dem Projekt, die rechte Kapelle der Kathedrale neu zu gestalten. Im Jahr 2007 wurde sie in Anwesenheit des spanischen Königspaares geweiht. Auf über 300 qm Keramikplatten wird seitdem die Heilsgeschichte mit Hinweisen auf mallorquinisches Leben und Natur dargestellt. Im Mittelpunkt steht die Figur des Jesus, ganz in Weiß mit roten Malen an Händen und Füßen. Auf den Keramiken wird ebenfalls die vielfältige mallorquinische Landschaft dargestellt und das, was sie hervorbringt. Alle Farben sind mit Wasser auf die Keramik aufgebracht worden; Barceló verwendete keine Ölfarben.
Die künstlerische Weiterentwicklung und Umgestaltung eines Bauwerks, das im 14. Jahrhundert begonnen und im 17. Jahrhundert beendet wurde, im zeitgenössischen Kontext steht stellvertretend für Kunst und Kunstverständnis auf Mallorca. In den 20er Jahren siedelten sich Poeten und Maler im Bergdorf Deià an, das seitdem als Künstlerdorf gilt. Viele bedeutende Künstler haben auf der Insel ihre Spuren hinterlassen und so soll es mit immer neuen Projekten und modernem Kunstmanagement auch in Zukunft sein.
Ein weiterer bekannter spanischer Künstler hat sich in der Kathedrale von Palma verewigt. Der Altarraum wurde einst von Antoni Gaudí umgestaltet, dem Erschaffer der Sagrada Família in Barcelona. Von ihm stammt unter anderem der Baldachin über dem Altar mit 35 Lampen. Gaudí hat die Sagrada Família auf dem Festland übrigens nie fertig gestellt. Modernes Kunstmanagement auf Mallorca sieht heute anders aus.
Kapelle BarceloModernes Kunstmanagement
In der Altstadt von Palma haben sich viele Galerien angesiedelt. Eine davon, La Caja Blanca, versucht neue Wege bei der Förderung junger Künstler zu gehen. Die Galerie ist auch eine Agentur, die Künstler vor, während und nach dem künstlerischen Prozess unterstützt (lacajablanca.com). Die Agenten holen die Künstler nach Mallorca, damit sie hier arbeiten können. Sie kümmern sich um deren Unterkunft, suchen Geldgeber, mieten Locations und besorgen Genehmigungen, wenn der Künstler an besonderen Orten arbeiten oder recherchieren will. Die Agentur entwickelt "Businesspläne", wie ein Künstler sein Leben und seine Kunst realisieren kann. Eva Shakouri Torreadrado, die zusammen mit ihrem Bruder Amir die Agentur führt, sieht in dieser Herangehensweise eine Kunst-Philosophie, bei der nicht nur das Objekt alleine, sondern das ganze Projekt zur Kunst gehört. Junge Künstler sollen eine Plattform bekommen, um den nächsten Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung gehen zu können. Mallorca, so die Agentin, ist ein guter Ort, um künstlerisch tätig zu sein. Das Leben sei nicht teuer, die Natur inspirierend und die Infrastruktur gut.
Kunst zum Vorzugspreis
Der Deal für die Unterstützung ist, dass die Mäzene, die den Künstler finanziell unterstützen, das Kunstprojekt zum Vorzugspreis erwerben können. Ein Gewinn für beide Seiten – der Künstler kann sein Projekt verwirklichen, der Mäzen in Kunst investieren. Eine der jungen, geförderten Künstler ist Atsuko Nakamura, eine japanische Künstlerin. Ihr Kunstprojekt, ein aus verbranntem Holz geflochtenes Nest, hängt im Original im Haus ihres Mäzens auf der Insel. Unterstützung hat der Künstler, dem ein neues Museum in der Altstadt von Palma gewidmet ist, nicht mehr nötig: Salvador Dalí (1904 bis 1989). In einem wunderschönen Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert ganz in der Nähe der Kathedrale von Palma werden seit Juni 2012 Original-Graphiken des großen Surrealisten gezeigt. Die Auswahl beschränkt sich auf die 30er, 50er, 60er und Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es sind die Zeiten des größten graphischen Schaffens Dalís, der sich seit den 30er Jahren mit der Technik beschäftigte, meist arbeitete er mit der Radiertechnik. Mit dem schönen Innenhof und einem Café ist das Museo Can Morey de Santmarti eine kleine Oase.
Dalí-Werke im Privatmuseum
Direktor des privaten Museums ist der deutsche Galerist Wolfgang Hörnke. Er betont, dass es nicht selbstverständlich ist, ein Dalí-Museum auf Mallorca zu eröffnen. Denn Dalí vermachte seine Werke dem Staat Spanien und so kamen sie nach seinem Tod nicht in seine Heimat Katalonien, sondern nach Madrid. Ein Umstand, den auch die Mallorquiner dem Künstler lange nicht verziehen. Doch das ist inzwischen vergessen. Im neuen Museum (museo-santmarti.es) sind auch Konzerte, Ausstellungen und andere Kulturevents geplant. Seit dem 27. Juli gibt es eine Ausstellung, die sich dem olympischen Thema widmet – passend zum Start der Olympischen Spiele in London.
