Eine Reise nach Jerusalem Stadt der drei Weltreligionen

Jerusalem, eine heilige Stadt und Zentrum der drei monotheistischen Weltreligionen. Die Jahrhunderte alte Geschichte erzeugt immer wieder Spannungen zwischen den verschienenen Glaubensrichtungen aber im Grunde wollen alle das Gleiche: Frieden.

Rudi Baier

Ein Prachtbau muslimischer Architektur: der Felsendom - © Rudi Baier

Für alle drei großen monotheistischen Weltreligionen ist Jerusalem eine heilige Stadt. Zu biblischen Zeiten brachten die Juden an drei Festtagen des Jahres Tempelopfer dar. Heute beten sie an der Klagemauer, dem verbliebenen Rest des zweiten Tempels. Der muslimischen Tradition gemäß begann der Himmelsritt Mohammeds auf dem Tempelberg. Bevor die Muslime ihre Gebete gen Mekka richteten, beteten sie in Richtung Jerusalem. Die Al Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg ist heute eine ihrer wichtigsten Gebetsstätten. Die Christen wandeln auf den Spuren Jesu, etwa die Via Dolorosa entlang, die den Leidensweg Christi markiert.

Quer durch die Altstadt Jerusalems

Dieser beginnt in der ehemaligen Festung Antonia, wo Jesus von Pontius Pilatus verurteilt wurde, und wo heute eine Koranschule untergebracht ist. Er endet in der Grabes- bzw. Auferstehungskirche - ein erster Bau stammt von Konstantin dem Großen - wo sich die letzten fünf Stationen befinden. Der Weg führt quer durch die Altstadt Jerusalems, mitten durch das muslimische Basarviertel. Verführerische orientalische Düfte locken, religiöse Andenken werden neben T-Shirts und allen Dingen des täglichen Gebrauchs feil geboten. Kirchen, Moscheen und Synagogen, allesamt sehenswert, wechseln sich ab. Die Altstadt ist zur Gänze umschlossen von der Stadtmauer, die der osmanische Herrscher Süleyman II. auf den byzantinischen und römischen Resten erbauen ließ. Um sie zu erwandern, muss man sich schon einige Tage Zeit nehmen. Vom Ölberg, benannt nach seinen berühmten Olivenbäumen, hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt. Die Ölbäume des Gartens Gethsemane am Fuße des Ölbergs sollen übrigens schon zu Lebzeiten Jesu hier gestanden haben. Wenn die alten, verwitterten Stämme nur sprechen könnten! Ebenso atemberaubend ist der Blick vom Berg Zion oder aber vom Tempelberg, auf dessen Scheitel eines der schönsten Bauwerke muslimischer Kunst zu bestaunen ist: der Felsendom. Seine goldene Kuppel ist das eigentliche Wahrzeichen Jerusalems. Der Weg auf den Tempelberg oder den Berg Moriah, wie ihn die Muslime nennen, führt an der Klagemauer entlang, an der gläubige Juden rund um die Uhr beten.

Die Gebäudefassaden der gesamten Stadt, ob alt oder neu, sind aus sandfarbenem Kalkstein erbaut. Er verleiht Jerusalem seinen eigenen unverwechselbaren Glanz. Alle bis auf die in Weiß gehaltene Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auf dem Hügel des Gedenkens (Har Hazikaron). Das 2005 eröffnete Holocaust History Museum zeigt Tausende Dokumente, Fotos, Filmaufnahmen, Tonprotokolle und Exponate über die Judenverfolgung bzw. -vernichtung der Nazis.

Keine Reise nach Jerusalem ohne einen Besuch in Betlehem

Eine Reise nach Jerusalems wäre auch unvollständig, ohne Abstecher nach Bethlehem mit der Geburtskirche oder nach Hebron, wo sich die Grabeskirche vierer großer biblischer Gestalten, unter ihnen Abraham, und ihrer Ehefrauen, befindet. Auf dem Weg dorthin erfährt man, wie gespalten das Heilige Land ist. Mehrere Grenzstationen und die hohe Mauer, die Israel vom palästinensischen Westjordanland trennt, aber auch stacheldrahtbewehrte jüdische Siedlungen inmitten palästinensischem Gebiet, verdeutlichen, dass der Konflikt Palästinas weiter schwelt. Unterhält man sich mit hundert Menschen in den betroffenen Gebieten, wird man hundert Meinungen dazu hören. Eines aber wollen alle: Frieden.

Der profunde Palästina-Kenner, der Münchner Weihbischof Engelbert Siebler, Präsident des Bayerischen Pilgerbüros, mit dem ich ins Heilige Land reiste: "In Jerusalem liegen die Heiligtümer der Juden, Christen und Muslime eng beieinander. Das erzeugt Spannungen, aber gerade deswegen muss Jerusalem zu einer Stätte werden, zu welcher die drei Religionen ungehinderten Zugang haben, einer Stadt des Friedens!"

Infos zu Reisen ins Heilige Land unter pilgerreisen.de