Ein Skitourenwochenende auf der Rudolfshütte Lawinenkunde im Wintersturm

Die Berge der Weißsee-Gletscherwelt bieten ein ideales Terrain für Skitourengeher. 22 Gipfel der Granatspitzgruppe locken Winterbergsteiger in den Nationalpark Hohe Tauern. Ob Anfänger oder Könner – hier findet jeder seine Herausforderung.

Ulrich Steudel

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Der Sturm peitscht mit 80 Stundenkilometern über den zugefrorenen Stausee unterhalb der Rudolfshütte. Schneeflocken schießen waagerecht durch die Luft. Im Hintergrund zeichnet sich der Pfeiler eines Schlepplifts schemenhaft ins weiße Nichts. So sieht es also aus: eines der schönsten Skitourengebiete Österreichs.

Grenzenloses Tiefschneevergnügen

Doch nicht immer tobt der Wintersturm über das Gebiet zwischen Großglockner und Venedigergruppe. Bei besseren Bedingungen sind Hohe Fürleg (2.047 m), Stubacher Sonnblick (3.088 m) und Granatspitze (3.086 m) die beliebtesten Ziele für Tourengeher, die die Rudolfshütte als Stützpunkt gewählt haben. Nahezu grenzenloses Tiefschneevergnügen bietet der 3.206 Meter hohe Hocheiser. Wer die zweistündige Abfahrt über rund 1.800 Höhenmeter genießen will, sollte aber genug Können und Kondition mitbringen, denn allein der Aufstieg von der Rudolfshütte kostet fünf bis sechs Stunden Arbeit.

Wenn aber der Wintersturm über die Hohen Tauern hinwegfegt, wie an diesem Januar-Wochenende, ist an solche Ausflüge nicht zu denken. Mit dem Orkan und mehr als 30 Zentimeter Neuschnee ist die Lawinenwarnstufe auf vier angestiegen, was nichts anderes heißt, als dass da draußen große Gefahren lauern. Doch wer die Rudolfshütte als Ausgangspunkt für seine Touren gewählt hat, kann sich trösten. Die älteste Berghütte Österreichs wurde seit 2004 in ein Hotel mit Drei-Sterne-Standard verwandelt. So bieten Hallenbad, Sauna, Fitnessraum oder Kletterwand genügend Abwechslung an Schlechtwettertagen – und das auf einer Höhe von 2.315 Metern, wo gestandene Bergsteiger eher Stockbetten und Matrazenlager vermuten.

Sonnenschein vom Smartphone

Abends an der Hotelbar zückt Hans Peter Kreidl sein Smartphone und zeigt Bilder von seiner letzten Skitour im Weißseegebiet: blauer Himmel über weißen Bergspitzen. Schlangenlinien, die glitzernde Pulverschneehänge durchpflügen. So kann es also auch aussehen oberhalb des Weißsees. Kreidl betreibt eine Werbe- und Eventagentur und organisiert Skitourencamps, bei denen die Teilnehmer nicht einfach auf Tour gehen, sondern dabei von erfahrenen Bergführern die Grundlagen der Lawinenkunde und Gefahrenbeurteilung sowie die Techniken der Kameradenrettung erlernen.

Dafür bieten die  aktuellen Wetterkapriolen dann doch ganz gute Bedingungen, meinen die Bergführer Georg Leithner und Christoph Krahbichler. „Wenn man fast nichts sieht und der Sturm einem ins Gesicht peitscht, wird einem so richtig bewusst, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf die Tour ist“, sagt Leithner, bevor die Gruppe mit Sicherheitsabständen den ersten Aufstieg in Angriff nimmt. Die Abfahrt führt dann über die verschneite Piste zurück zur Hütte. Eine Abfahrt im Gelände wäre bei Lawinenwarnstufe vier viel zu gefährlich.

Das nächste Skitourencamp auf der Rudolfshütte läuft vom 20. bis 22. April 2012.