Interview mit Helmut Rödl "Der Konjunkturmotor hat noch Kraft"

Creditreform-Aufsichtsratmitglied Helmut Rödl über positiv gestimmtes Handwerk und den Tiefstand bei Insolvenzen.

Daniela Lorenz

Helmut Rödl, stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. - © Foto: MAYR Elke/WB/picture alliance

DHZ:   Herr Rödl, Creditreform hat aktuell 3.000 Handwerksbetriebe zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt. Wie sieht Geschäftslage aus?

Rödl: Die Betriebe sind positiv gestimmt, sie sehen gute Perspektiven für die nächsten Monate. Insgesamt kann man sagen, der Konjunkturmotor im Handwerk dreht langsamer, aber er hat noch ausreichend Kraft. Deshalb sind die Handwerksunternehmer auch nicht euphorisch, aber sie arbeiten und planen auf einer durchaus soliden Basis.

DHZ:   Wie sehen die Umsatzerwartungen des Handwerks aus?

Rödl: Umsatzentwicklung und Umsatzerwartungen sind ebenfalls positiv, aber etwas zurückhaltender als im Vorjahr. Insgesamt verzeichnen die Gewerke einen leichten Umsatzrückgang. 30 Prozent erwarten aber wieder steigende Umsätze, deshalb können wir wohl davon ausgehen, dass die Handwerkskonjunktur bis in den Herbst hinein gut läuft.

DHZ:   Was steht denn zu befürchten?

Rödl: Wenn wir uns auf die positiven Aussagen verlassen, können wir davon ausgehen, dass die Entwicklung mindestens ebenso stabil verläuft. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass wir keine Schocks aus der Europolitik oder dem Energiesektor hinzunehmen haben.

DHZ:   Zum Sorgenkind entwickelt sich das Nahrungsmittelhandwerk.

Rödl: Das hat mit Strukturproblemen zu tun, denn das Geschäft ist relativ schwierig geworden, wobei die Qualität ja stimmen muss. Im Vorjahr berichtete die Hälfte der Nahrungsmittelhandwerker von gestiegenen Umsätzen, aktuell noch rund ein Drittel.

DHZ:   Wie wirkt sich die Geschäftslage auf den Personalbestand aus?

Rödl: Es wollen wesentlich mehr Handwerksbetriebe Personal einstellen als abbauen. Sicherlich würden noch mehr Betriebe neue Mitarbeiter einstellen, wenn es nicht so schwer wäre, geeignetes Fachpersonal zu finden. Das ist ein Thema, das uns auf Dauer beschäftigen wird, wenn es uns nicht gelingt, die Voraussetzungen für die gestiegenen Arbeitsanforderungen zu schaffen. Das fängt schon in der Schule an.

DHZ:   Im Unterschied zu den Verbraucherinsolvenzen geht die Zahl der Insolvenzen im Handwerk stetig zurück.

Rödl: Im vergangenen Jahr sind etwa 4.900 Handwerksbetriebe insolvent gegangen. Selbstverständlich ist eine Insolvenz nie in Ordnung, aber diese Zahl ist sehr gut. Das zeigt, wie stabil und solide das Handwerk ist und wie wichtig auch die Meisterausbildung ist. Sie muss deshalb unbedingt weiter gestärkt werden. Eine Lockerung der Meisterausbildung wäre fatal.

DHZ:   Also auch von Ihrer Seite ein "Ja zum Meister"?

Rödl: Absolut.

DHZ:   Sie setzen sich immer sehr für die Stärkung der Eigenkapitalquote der Unternehmen ein.

Rödl: Die Eigenkapitalsituation der Betriebe hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das gilt nicht nur für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland, sondern explizit auch für das Handwerk. Seit etwa fünf Jahren steigen die Eigenkapitalquoten im Handwerk. Die Unternehmer sind bereit, Gewinne im Unternehmen zu lassen, um so ihre Finanzsituation zu stärken. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Das könnte im nächsten Jahr dazu führen, dass noch weniger Unternehmen im Handwerk insolvent gehen, auch wenn hier schon ein Tiefstand erreicht ist.