Das deutsche Handwerk blickt optimistisch in die nahe Zukunft. 88 Prozent der Betriebe rechnen der DHZ-Konjunkturumfrage zufolge mit guten oder zufriedenstellenden Geschäften in der Zeit bis zum Jahreswechsel. Immerhin 84 Prozent wollen ihr Personal halten, sechs Prozent aufstocken.
Beim Auftragseingang steht die saisonübliche Eintrübung bevor. 13 Prozent erwarten mehr Bestellungen, aber 20 Prozent stellen sich auf eine abgeschwächte Nachfrage ein. Für zwei Drittel bleibt sie gleich. Damit liefern die Indikatoren eine ganz ähnliche Prognose wie im September 2012.
Neubau als treibende Kraft
Unterstrichen wird die Zuversicht durch Aussagen der Wirtschaftsforscher. Danach soll sich das Wachstum in Deutschland weiter verstetigen. Vor allem die Neubautätigkeit und der Konsum bleiben die treibenden Kräfte. Ein Beispiel: Bei den zum Bau freigegebenen neuen Wohnungen zeichnet sich 2013 der fünfte Zuwachs in Folge auf mehr als 230.000 ab. Damit sind die Genehmigungszahlen zwar noch weit unter dem, was Ende der 90er-Jahre projektiert wurde. Der Aufwärtstrend wird aber flankiert von einer deutlichen Belebung der Freigaben im öffentlichen Sektor. Sorgen bereiten dagegen gewerbliche Maßnahmen; bei Fabriken, Büros und Hallen zeichnet sich noch keine nachhaltige Besserung ab.
Mit großem Elan geht auch der Ausbau in den Jahresendspurt. Die vielen Rohbauten müssen bezugsfertig werden. Zulieferer und Kfz-Betriebe, die bislang im Schatten der Erholung standen, dürfen auf eine anziehende Investitionsbereitschaft in Deutschland hoffen. Mit dem Auslaufen der Rezession in Europa fassen Unternehmen Mut und ordern mehr Ausrüstungsgüter.
Industrie mit Verschnaufpause
Ob die Entspannung schon 2013 voll durchschlägt, ist jedoch zweifelhaft. Die niedrigen Umsätze, die der Produktionsverbindungshandel im ersten Halbjahr verzeichnete, und die schwächelnde Exportnachfrage deuten auf eine verhaltene Industrieproduktion in der zweiten Jahreshälfte 2013 hin.
Eines muss auf jeden Fall ausbleiben: eine Hängepartie bei der Regierungsbildung. Vielmehr braucht das Handwerk rasch Signale, dass die Reformen angepackt werden und die Investitionsfähigkeit gestützt wird. Anderenfalls dürfte der Optimismus empfindlich gedämpft werden. we/los
