Branchenspiegel: Spürbare Impulse Konsumfreude hilft Handwerk

Trotz Umsatzeinbußen in manchen Branchen ist die Stimmung in vielen Gewerken weiterhin gut. Vor allem die konsumnahen Handwerke profitierten im vierten Quartal von der Konsumbereitschaft der Bürger. Auch am Bau herrscht ungebrochene Zuversicht, wie der Branchenspiegel der Deutschen Handwerks Zeitung zeigt.

Im Kraftfahrzeuggewerbe ist die Geschäftslage schwierig. 34 Prozent der Firmen beklagen sinkende Umsätze. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Bauhaupt- und Ausbaugewerbe
Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe befinden 88 und 91 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage für gut oder befriedigend. Die Beurteilung rangiert jeweils nur knapp unter dem Herbst-Maximum der vergangenen zehn Jahre. Offenbar war die Nachfrage nach neuen Wohnbauten anhaltend lebhaft. Angeregt wird sie vor allem durch die niedrigen Zinsen, die einen Run auf Immobilien ausgelöst haben.

Wieder mehr Aufträge im Straßenbau

Neben Neubauten lief auch die Modernisierung auf Hochtouren. Zudem ist das Handwerk im Prozess der Energiewende unentbehrlich: Um Windkraftwerke, Solar- oder Biogas-Anlagen zu betreiben, sind intelligente Steuerungssysteme notwendig. Insbesondere die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Im Vergleich dazu ist der Wirtschaftsbau ein wenig aus dem Tritt geraten.

Der kräftige Auftragseingang im Oktober dürfte aber für frische Zuversicht in den Bauunternehmen gesorgt haben. Auch kommunale Investitionen haben die Flaute hinter sich gelassen. Im Straßenbau wuchsen die Auftragszuflüsse im Oktober um 23 Prozent.

Handwerk für gewerblichen Bedarf
Das Handwerk für gewerblichen Bedarf kämpft mit auflebendem Gegenwind.Wer als Zulieferer oder Dienstleister eng mit der Industrie verzahnt ist, bekommt die konjunkturelle Eintrübung voll zu spüren. Von Januar bis November 2012 betrug das Auftragsminus beim verarbeitenden Gewerbe knapp drei Prozent.

Bestellungen der Zulieferer fehlen

Dadurch fehlen den Zulieferern die Bestellungen. Ende 2012 hatten sie Aufträge für 1,6 Monate in den Büchern; Ende 2011 waren es 2,0 Monate. Von einem Umsatzminus berichteten 28 Prozent – gegenüber 20 Prozent im Herbst 2011.

Kraftfahrzeuggewerbe
Das Kraftfahrzeuggewerbe ging mit seiner Geschäftslage am härtesten ins Gericht. 23 Prozent der Firmen stuften die Situation als unbefriedigend ein, sinkende Umsätze beklagten 34 Prozent. Vor einem Jahr lagen diese Quoten bei 18 und 29 Prozent. Mit Hilfe von Preisnachlässen und Eigenzulassungen kurbelten Hersteller und Händler den tendenziell rückläufigen Absatz an.

Da die Zahl neu zugelassener Pkw im vierten Quartal 2012 tief abrutschte, fiel die Gesamtjahresbilanz mit minus 3 Prozent deutlich negativ aus. Der Verband der Automobilindustrie machte die Verunsicherung der Käufer durch die Schuldenkrise dafür verantwortlich. Mit Blick auf das sonst robuste Konsumklima in Deutschland überzeugt dieses Argument aber eher, wenn es auf die Firmenkundschaft zielt.

Den Privatkundenabsatz prägen vielmehr demografische Effekte, die verkehrstechnische Überlastung der Innenstädte, die längere Lebensdauer der Fahrzeuge, ein verjüngter Bestand und das hochwertige Gebrauchtwagenangebot.

Lebensmittelhandwerke
84 Prozent der Bäcker, Fleischer und Konditoren waren mit ihrer Geschäftslage zufrieden, nach 83 Prozent im Herbst 2011. Wie immer war das Kundeninteresse vor Weihnachten besonders groß. In nahezu vier von zehn Fachgeschäften legten die Umsätze zu.

Rohstoffpreise explodieren

Davon dürfte aber nur wenig "hängen bleiben": Explodierende Rohstoffpreise und steigende Energiekosten lassen die Betriebsergebnisse schrumpfen. Angesichts dramatischer Kostensteigerungen wurden zwar die Verbraucherpreise angepasst, eine vollständige Überwälzung auf die Kunden gestattet der harte Wettbewerb im Lebensmittelsektor aber nicht.

Gewerbe für privaten Bedarf
Auch private Dienstleister wie Goldschmiede oder Friseure erhalten zum Jahresende meist spürbare Impulse. 2012 ging die Belebung über das saisonübliche Maß hinaus. 81 Prozent der Betriebe waren mit ihrer Geschäftslage zufrieden; im Schnitt der letzten zehn Herbstquartale waren es 72 Prozent.

Relativ zurückhaltend beurteilten Gesundheitshandwerker ihre Gesamtsituation. 78 Prozent stuften sie als gut oder befriedigend ein. In der Branche hat sich aufgrund der scharfen Konkurrenz und unter dem Eindruck des Spardiktats im Gesundheitswesen eine schlechtere Grundstimmung verfestigt.

Zudem sorgen ausländische Billiganbieter zahntechnischer Leistungen oder die Ausbreitung des Brillenhandels via Internet für Verstimmung. Ein Dauerärgernis ist die teilweise fehlende klare Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche von Ärzten und Handwerkern. we/los