Leitartikel Deutschland in Arbeit

Der Arbeitsmarkt trotzt bislang allen Krisen. Doch das dicke Ende der Euro-Krise kann im nächsten Jahr immer noch kommen. Hinter 2013 steht ein Fragezeichen.

Burkhard Riering

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Es war ein langes Jahr mit zahllosen negativen Schlagzeilen. Die Euro-Krise hat uns weiter in Schach gehalten. Umso erstaunlicher sind diese Zahlen, die positiver kaum sein könnten: 42 Millionen Menschen sind zurzeit in Deutschland erwerbstätig, das ist ein bemerkenswerter Rekord. 29 Millionen davon haben einen Job, der sozialversicherungspflichtig ist. 2,75 Millionen Menschen waren zuletzt noch arbeitslos. Zu viele noch immer, ja, aber die Zahl ist so gut wie nicht mehr gestiegen.

Nur Pessimisten und Zweifler sehen das anders: Weil es im November 38.000 Erwerbslose mehr gab als im gleichen Monat des Vorjahres, wird gleich von "Jobabschwung", einem "labilen Markt" und einem "bevorstehenden Sturm" gesprochen diese Panikmache ist überzogen.

Vieles richtig gemacht

Vor allem im europäischen Vergleich wird deutlich, dass Deutschland robust und widerstandsfähig dasteht. Denn in fast allen Euro-Ländern zeigt sich, wie sehr die Jobs durch Rezession und Euro-Krise wegbrechen. Am schlimmsten ist es für die Jugend Spaniens und Griechenlands, die in ihren Ländern ohne Perspektiven sind. Nur Deutschland, Luxemburg und Österreich haben die Jugendarbeitslosigkeit gut im Griff übrigens just jene drei Staaten, in denen Kammern für die Ausbildung des Nachwuchses Sorge tragen.

In Deutschland hat die Wirtschaft vieles richtig gemacht. Die Industrie profitiert weiter von ihrer Technologieführerschaft und der guten Exportquote. Gleichzeitig haben die Menschen im Inland ihr verdientes Geld ausgegeben und somit auch einigen Branchen im Handwerk Auftrieb gegeben. Exportquote und Binnenkonsum haben auch dazu geführt, dass es 2012 zu weniger Insolvenzen kam trotz aufmerksamkeitsstarker Pleiten wie Schlecker, Neckermann oder den Solarunternehmen.

Nichtsdestotrotz steht hinter 2013 wieder ein Fragezeichen. Die Widerstandsfähigkeit und die Robustheit des deutschen Arbeitsmarkts sollten zwar über die Jahreswende hinaus halten. Doch die Euro-Krise schwebt wie ein Damoklesschwert über Deutschland. Denn die "Rettung" anderer Staaten hilft zwar dem Gebilde in Gänze.

Das Jahr 2013 kann schwierig werden

Doch wie sehr die Bundesrepublik letztlich bluten muss, ist noch überhaupt nicht klar. Wie teuer es wirklich wird, erklärt niemand und will auch niemand erklären. Die Politik relativiert lieber im Nachhinein, als gleich Klartext zu sprechen. Weil Klartext Handlungen nach sich ziehen müsste. Und das will man nun doch nicht.

Das Jahr 2013 kann zudem durch Rezessionen in den Euro-Staaten schwieriger werden und die eine oder andere Branche hierzulande hart treffen. Allen voran über der Autoindustrie ziehen dunkle Wolken auf, die ihre Absätze in den vergangenen Jahren mit Abwrackprämien und Rabattschlachten immer weiter steigern konnte. Den Rückgang wird auch das angedockte Handwerk spüren.

Für größere Unternehmen könnte der Wachstumsrückgang bedeuten: wieder mehr Kurzarbeit. Dieses staatlich geförderte Mittel hat der deutschen Wirtschaft schon im Krisenjahr 2009 gute Dienste geleistet. Bislang liegt die Kurzarbeit aber in einem normalen Rahmen. Hoffen wir, dass der Bund bei einem etwaigen nächsten Konjunkturabschwung in Deutschland noch genug Geld parat hat, um Kurzarbeit und Konjunkturprogramme zu finanzieren und nicht alles an die EU und in andere Länder geflossen ist.