Hartz-IV-Empfänger haben ein schlechtes Image. Eine neue Studie widerlegt viele Vorurteile. In Zeiten des Fachkräftemangels könnte diese Gruppe relevant fürs Handwerk werden - wenn sie die Qualifikation hat.
Burkhard Riering
Burkhard Riering"Ich bin gut" – der Werbeslogan klingt selbstbewusst und fällt gleich auf. Mit dieser Anzeigenkampagne wollen die Jobcenter in Deutschland Vorbehalte gegenüber Hartz-IV-Empfängern abbauen. Denn diese Gruppe hat vor allem mit ihrem Image zu kämpfen und ist aufgrund von Vorurteilen bislang meist links liegen gelassen worden.
Dabei muss jedem klar sein, dass "Hartz IV" keine homogene Gruppe ist und nicht über einen Kamm geschoren werden kann. Aus der Sicht der Betriebe wäre das ohnehin fatal: In Zeiten des Fachkräftemangels müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um Personal zu bekommen.
Entscheidend ist die Qualifikation
Schon jetzt sagen 69 Prozent der Unternehmer aus dem Handwerk, dass sie gegenwärtig unter Arbeitskräftemangel zu leiden haben. Und die geburtenschwachen Jahrgänge werden nicht weniger. Die Erfahrungen mit Hartz-IV-Empfängern sind, das zeigt eine neue Studie, im Grunde positiv, warum auch nicht.
Allentscheidend ist am Ende aber die Qualifikation. Ein Mann mit 30 Jahren Berufserfahrung, der jetzt Hartz IV bezieht, muss doch eine Bereicherung für jeden Betrieb sein. Allerdings gibt es auch Gewerke, in denen sich sehr schnell viel verändert. Wer ein paar Jahre "draußen" ist, findet den Weg in den Wiedereinstieg nur schwer. Hier sind Nachschulungen und Kurse nötig. Für junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren sollten zudem noch Erstausbildungen möglich sein. Für Ältere, die keinen Handwerksberuf gelernt haben, sind die Chancen offenbar schlecht – bis auf Hilfstätigkeiten werden den Nichtausgebildeten wenig Hoffnungen gemacht.
Es geht um Anerkennung
Doch es geht ihnen nicht um „Karriere“. Für Hartz-IV-Bezieher, das ist aufgefallen, ist der Lohn gar nicht das Entscheidende. Ihnen geht es darum, wieder eine Aufgabe zu haben, wieder gebraucht zu werden, wieder dabei zu sein. Hier hat der Unternehmer eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Wichtig ist nur, dass das Engagement nicht von der Politik konterkariert wird. Dass nicht Regelungen, Verordnungen oder verkehrte Grundrichtungen in der Bildungspolitik verhindern, dass die Arbeit des Handwerks auch in zehn, zwanzig Jahren noch getan werden kann.
