Warnsignale vom Arbeitsmarkt Die Wirtschaft kämpft gegen den Abschwung

Das produzierende Gewerbe hat seinen Wachstumskurs zuletzt nur mit Mühe fortsetzen können. In der Zeit von Juli und August legte die Erzeugung, begünstigt durch einen zusätzlichen Arbeitstag, zum Vorjahr um 0,5 Prozent zu. Dennoch trübte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter ein. Laut dem Ifo-Institut ist das Geschäftsklima derzeit so schlecht wie im Winter 2010.

Das Problem liegt im rezessionsgeplagten Südeuropa: Von hier kommen immer weniger Exportaufträge. - © Axel Heimken/dapd

Die Problemzone liegt im rezessionsgeplagten Südeuropa. Von hier kommen immer weniger Exportaufträge. Da ein Ende der Schuldenkrise nicht in Sicht ist, halten sich auch die deutschen Firmen beim Investieren zurück.

Indessen ist der Sparwille bei den Bürgern nicht sehr ausgeprägt. Davon profitiert der private Verbrauch. Sichere Jobs, bessere Einkommen und Mini-Zinsen für die Spareinlagen sorgen für eine hohe Anschaffungsneigung, wie das GfK-Konsumklima zeigt. Allerdings wurden die vorhandenen Spielräume für Mehrausgaben primär für Investitionen eingesetzt, nicht für klassische Konsumgüter.

Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze überschritten von Januar bis August den Vergleichswert von 2011 nur um 0,2 Prozent.

Inflation zieht an

Zum Teil liegt das aber auch an der anziehenden Inflation. Im August und im September nahm die Teuerungsrate wieder die Zwei-Prozent-Marke ins Visier. Offenbar ist die im Frühling einsetzende Erholungsphase vorüber. Mittlerweile sorgen kräftig steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise wieder für mehr Auftrieb.

Die deutsche Industrie muss derzeit eine Nachfrageflaute in den Eurostaaten verkraften, die zur Konsolidierung gezwungen sind. Der stabile Ordereingang aus "dem Rest der Welt" gleicht den Rückschlag aber mehr als aus, so dass Deutschlands Export weiterhin wächst. Im Zeitraum Juli/August legte er auf Jahressicht um 7,5 Prozent zu.

Arbeitsmarkt gerät ins Stottern

Dennoch halten sich die Firmen bei den Investitionen zurück. Als sicheres Indiz dafür gelten die schrumpfenden Bestellungen von Investitionsgütern aus dem Inland. Offensichtlich mangelt es an Vertrauen in den Aufschwung, denn die Finanzierungsbedingungen sind nicht nur wegen der niedrigen Zinsen sehr günstig. Laut Ifo-Institut berichteten im September nur 21 Prozent der Unternehmen von einer restriktiven Kreditvergabe durch die Banken.

Am Arbeitsmarkt gerät der viele Jahre brummende Jobmotor ins Stottern. So blieb die Zahl der neuen Stellenangebote im Sommer unter den Vergleichszahlen von 2011.

Folgerichtig legt die Erwerbstätigkeit langsamer zu. Im August verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit ein Plus von einem Prozent beziehungsweise 420.000 Personen gegenüber dem Vorjahr. we/los