Branchenspiegel Aufträge der Zulieferer sinken

Europa muss sparen. Viele Staaten schränken ihre Ausgaben ein, Unternehmen stoppen Investitionsprogramme, Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa bremst den Konsum. Und auch außerhalb Europas läuft es nicht mehr so rund. Erst kürzlich hat der IWF die globale Wachstumsprognose nach unten revidiert. Die sinkende Industriekonjunktur hinterlässt auch Spuren im Zulieferer-Handwerk.

Auftragsschwund im Maschinenbau: Auch die handwerklichen Zuliefererfirmen für den gewerblichen Bedarf müssen sich auf eine Schwächephase einstellen. - © Jeanette Dietl/Fotolia

Die Krisenlage dämpft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Der Maschinenbau hat von Januar bis August bereits einen Auftragsschwund von 5,9 Prozent gegenüber 2011 verzeichnet. Diese Tendenz lässt die handwerklichen Zulieferer und Gewerbedienstleister nicht kalt.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Die Krisenlage dämpft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Der Maschinenbau hat von Januar bis August bereits einen Auftragsschwund von 5,9 Prozent gegenüber 2011 verzeichnet. Diese Tendenz lässt die handwerklichen Zulieferer und Gewerbedienstleister nicht kalt. Bisher profitierte die Branche von der Auftragsflut aus der Industrie.

Laut der aktuellen Betriebsbefragung hatten die Teilnehmer Aufträge für 1,7 Monate in den Büchern; vor einem Jahr waren es 1,9 Monate. Von einem Umsatzminus berichteten 23 Prozent, gegenüber 16 Prozent im Sommer 2011.

Kraftfahrzeuggewerbe

Während die Zulieferer ihrer Situation trotzdem viel Positives abgewinnen können, verlaufen die Geschäfte im Kraftfahrzeuggewerbe enttäuschend. 25 Prozent der Befragten stuften die aktuelle Lage als unbefriedigend ein. Vor einem Jahr lag dieser Anteil bei 15 Prozent. Der Umsatz schrumpfte in 38 Prozent der Firmen.

Deutschlands Autokäufer zögern bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge. Von Juli bis September wurden sowohl weniger Nutzfahrzeuge als auch Personenkraftwagen neu zugelassen, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Innerhalb der Pkw-Sparte war der Rückgang (minus 7 Prozent) eine Folge der Einbrüche in der Kompakt- und Oberklasse.

Dabei sind die Zahlen sogar "geschönt", denn fast drei von zehn Zulassungen nehmen Händler oder Hersteller vor. Ein weiteres Indiz für die schwache Nachfrage sind die vielen Verkaufsaktionen, mit denen Preisnachlässe offeriert werden.

Baugewerbe

Das Baugewerbe verfehlte im ersten Halbjahr einen neuen Umsatzrekord. Dennoch sind die Betriebe sehr zufrieden, die Auftragsbestände reichen für knapp zwei Monate. Gespeist werden diese Reserven aus einer Genehmigungswelle in der zweiten Hälfte 2011, als viele neue Wohn- und Gewerbebauten die Freigabe erhielten. Hinzu kam nach dem Jahreswechsel ein temporärer Nachfrageschub von Seiten der öffentlichen Hand, der dem Straßennetz zugutekommen dürfte.

Hinter den glänzenden Zahlen steckt ein einfacher Zusammenhang.

Da klassische Ersparnisse kaum Zinsen abwerfen, wenden sich Anleger dem Wohnungsbau zu. Aber auch wegen des Nachholbedarfs bei energetischer Sanierung und altersgerechtem Wohnraum reißt der Auftragseingang nicht ab. Im Jahr 2010 aktuellere Daten hat das Statistische Bundesamt nicht wurden in Deutschland Umsätze von über zehn Milliarden Euro durch Bauleistungen für den Klimaschutz erzielt.

Lebensmittelhandwerke

83 Prozent der Lebensmittelhandwerker waren im vergangenen Quartal mit ihrer Geschäftslage zufrieden, nach 84 Prozent im Sommer 2011. Offenbar war das Wetter dem Terrassen- und Biergartengeschäft zuträglich. Dafür spricht auch, dass in jedem vierten Fachgeschäft die Umsätze stiegen.

Zudem sind es die Qualität, die Beratung und die transparente, regionale Herkunft der Produkte, die die Kunden anziehen. Konsumforscher der GfK fanden heraus, dass insbesondere leistungsbereite junge Verbraucher diese Attribute zunehmend zu schätzen wissen.

Während die Nachfrage viele Betriebe zufriedenstellt, bereiten die Kosten Kopfzerbrechen. Energie und Rohstoffe, zum Beispiel Getreide und Fleisch, werden rasch teurer. Die Kostensteigerung kann aber nicht angemessen in die Verkaufspreise eingerechnet werden dazu ist der Wettbewerbsdruck der Discounter zu groß.

Gewerbe für privaten Bedarf

Zum Teil sind die jüngsten Preissteigerungen von Energieprodukten auch eine Folge der Schuldenkrise. Wegen des schwachen Euros verteuern sich Importe aus dem Dollarraum und die daraus hergestellten Produkte sozusagen von selbst. So erreichte der Preis für Heizöl im Sommer ein Vierjahreshoch, die Benzinpreise schraubten sich höher als je zuvor. Für den Gang zum Schneider, Fotografen oder Friseur fehlte manchem Haushalt das Geld.

Die grundsätzlich gute Stimmung der privaten Dienstleister konnte das zwar nicht trüben, die Umsatzbewertung fiel allerdings durchwachsen aus. 14 Prozent der Befragten meldeten zunehmende, 24 Prozent schrumpfende Umsätze eine im Vergleich zum Vorjahr identische Bewertung.

Weitaus häufiger meldete das Gesundheitshandwerk Einbußen (41 Prozent). Der Fachverband der Zahntechniker hatte schon im ersten Halbjahr eine "schwache Marktentwicklung bei intensivem Wettbewerb" beklagt. we/los