Energiepreise Effizienz ist der stärkste Trumpf

Das Jammern über hohe Energiepreise führt zu nichts. Die Politik lahmt. Doch jeder Einzelne kann etwas tun. Die Lösung heißt Energieeffizienz.

Burkhard Riering

"Wir tun was für die kleinen Betriebe.“ Das ist die Botschaft, die die Minister Philipp Rösler und Peter Altmaier derzeit wegen steigender Energiekosten an die kleineren Unternehmen senden wollen. Eine „Mittelstandsinitiative Energiewende“ haben die beiden Ressortchefs in der vergangenen Woche ins Leben gerufen, nachdem das Murren des deutschen Mittelstands wegen hoher Belastungen immer lauter wurde. Es bestand – und besteht – Handlungsbedarf.

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Der Ansatz der Minister ist durchaus richtig: Die Initiative stellt die Energieeffizienz in den Mittelpunkt. Denn nicht verbrauchte Energie ist immer noch das beste Mittel gegen umweltverschmutzende CO2-Emissionen und entnervende Energiepreisanstiege. „Nicht verbrauchen“ müsste eigentlich zu einer eigenen wertgeschätzten, wertvollen Währung innerhalb der Energiewende werden.

Viel Debatte, wenig Umsetzung

Doch viel passiert ist bislang ja nicht. Obwohl seit dem Startschuss der „offiziellen“ Energiewende vor anderthalb Jahren alles von Energieeffizienz redet, ist der Stromverbrauch zuletzt in Deutschland nicht etwa gesunken – sondern gestiegen. Es ist schon bemerkenswert, wenn man das Gegenteil von dem erreicht, was man eigentlich beabsichtigt hatte.

Um die Betriebe zu mehr Energieeffizienz anzuhalten, bedarf es nun sicher nicht neuer Vorschriften und Zwangsmaßnahmen. Das wissen auch die Ministerien. Sie wollen deshalb mit „Beratung vor Ort“ punkten, also Unkenntnis in den Betrieben abbauen und überhaupt für das Thema sensibilisieren.

Das ist sicher nett gemeint. Damit erfindet die Bundesregierung das Rad aber bestimmt nicht neu und sie zieht sich auch ein bisschen aus der Verantwortung. Denn es wäre Aufgabe des Staates, Anreize oder Steuererleichterungen zu schaffen, damit möglichst viele am Anfang dieser Entwicklung an diesem Strang ziehen. Mit Speck fängt man Mäuse.

Wie viel Wirkkraft aber nun „Beratungen“ und „Schulungen“ auslösen, bleibt abzuwarten. Die Politik dreht hier an kleinen Schräubchen – während übrigens die Großindustrie von vielen Belastungen im Energiebereich befreit wurde. Und diese Erleichterungen werden die großen Unternehmen sicher nicht dazu animieren, sich in besonderer Weise für Energieeffizienz zu interessieren. Der Druck fehlt ihnen.

Effizienz ist die Losung

Doch egal ob mit oder ohne Politik: Zahlreiche kleine Betriebe haben in den vergangenen Jahren schon viel investiert in ein besseres Energiemanagement. Sie verbrauchen weniger Ressourcen und schaffen dennoch die gleiche oder eine höhere Produktivität: Sie werden effizienter. Effizienz ist essenziell für die eigene Wettbewerbsfähigkeit, und eben nicht nur bei der Logistik oder in der Bilanzierung – sondern auch im Energiemanagement.

Grün ist teuer, aber...

Grün ist teuer, wird immer wieder von den Gegnern höherer Kosten betont. Doch auch das ist relativ: Mit den richtigen Investitionen, die natürlich erst einmal teuer sind, können Betriebe in der Nachfolge ihre Kosten drücken und so Wettbewerbsvorteile für sich herausholen.

Und sie sind überhaupt unabhängiger von dem, was „draußen“ mit der Energiewende noch alles passiert. Preisexplosionen treffen sie dann nicht so hart wie Wettbewerber, die auf Effizienz gepfiffen haben. Das beste Mittel ist also: Effizienz. Und das gewaltige Energieeffizienzpotenzial muss endlich ausgeschöpft werden. Nur so sind Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen.