Für uns alle ist es wohl unvorstellbar, dass mehr als jeder zweite junge Mensch in einem Land ohne Perspektiven dasteht. Doch die Jugendarbeitslosigkeit in der EU zeigt allermierende Werte. Eine konzertierte Aktion gegen diese Entwicklung ist jetzt nötig.
Lothar Semper

Eurostat – die statistische Behörde der EU schrieb kürzlich zur aktuellen Arbeitsmarktsituation: "Im August 2012 waren 5,458 Millionen Personen im Alter unter 25 Jahren in der EU27 arbeitslos, davon 3,392 Millionen im Euroraum. Gegenüber August 2011 stieg deren Zahl in der EU 27 um 164.000 und im Euroraum um 213.000. Die Jugendarbeitslosenquote lag im August 2012 in der EU 27 bei 22,7 Prozent und im Euroraum bei 22,8 Prozent. Im August 2011 hatten sie 21,5 Prozent bzw. 20,7 Prozent betragen. Die niedrigsten Quoten im August 2012 verzeichneten Deutschland (8,1 Prozent), die Niederlande (9,4 Prozent) und Österreich (9,7 Prozent) und die höchsten Quoten Griechenland (55,4 Prozent im Juni 2012) und Spanien (52,9 Prozent)."
Es ist unvorstellbar, dass so viele Jugendliche scheinbar keine Perspektiven haben. Die betroffenen Staaten stehen vor enormen Herausforderungen, um zu verhindern, dass daraus sozialer Sprengstoff wird. Wie sich dieser im Extremfall entladen kann, hat sich zuletzt in Frankreich und Großbritannien gezeigt, als es zu erheblichen Unruhen kam. Allerdings waren es dort vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund, die für Randale sorgten.
Ein wichtiger Auslöser allerdings ist meist doch derselbe: hohe Quoten an Jugendarbeitslosigkeit und keine Aussicht auf rasche Besserung. Was sich Europa als Letztes leisten kann, wäre sicherlich, ganze Generationen aufzugeben.
Regierungen müssen Intiative zeigen
In dieser Situation kann es als glückliche Fügung bezeichnet werden, dass es gleichzeitig innerhalb der EU Volkswirtschaften gibt, in denen einerseits die Jugendarbeitslosigkeit vergleichsweise niedrig ist und in denen zugleich bereits erheblicher Fachkräftemangel spürbar ist. Deutschland gehört dazu. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass auch staatlicherseits Initiativen ergriffen werden, um junge Menschen aus EU-Staaten zu unterstützen, bei uns eine Ausbildung oder Beschäftigung aufzunehmen.
Ein Beispiel dafür ist das gerade vorgestellte Sonderprogramm des Bundesarbeitsministeriums gemeinsam mit der Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Gewiss wird man damit die Probleme in Ländern wie Griechenland und Spanien nicht auf einen Schlag beheben können. Aber derartige Programme können zu einer Win-win-Situation für alle Seiten führen.
Hier helfen sie, den Fachkräftemangel zu lindern. Dort tragen sie dazu bei, die Arbeitsmarktsituation zu entspannen. Und vor allem werden Heimkehrer erhebliches Know-how für die wirtschaftliche Belebung mitbringen.
Was allerdings ganz besonders nottut und langfristig den besten Erfolg verspricht: Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit sollten unser duales System der Berufsausbildung als Best Practice nehmen.