Branchenspiegel Flucht in die Immobilie

Das Baugewerbe entwickelt sich zum Konjunkturprimus in Deutschland. Wer eine Immobilie hat, möchte den Wert auch steigern. Vor allem die Energieeffizienz ist ein großes Thema und bringt Aufträge. Andere Gewerke hingegen mussten mit einer schumpfenden Nachfrage zurecht kommen oder kämpfen mit Strukturproblemen.

Die Bürger investieren ihr Geld in den Haus- und Wohnungsbau – zur Freude des Handwerks. - © pics - Fotolia

Baugewerbe: Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Zeitraum Januar/Februar um ein Viertel gegenüber 2011 gestiegen. Weil die Arbeitsplätze sicher und die Hypothekendarlehen billig sind, trauen sich viele Haushalte den Kauf einer Immobilie zu. Außerdem versprechen die erwarteten Lohnzuwächse dem Mietwohnungsmarkt eine stabile Rendite. Und wer schon eine Immobilie hat, der möchte ihren Wert steigern. 2011 flossen die Ersparnisse vorwiegend in die Bädersanierung. Das Megathema der Hausbesitzer ist jedoch jetzt die Energieeffizienz. Hier eröffnet insbesondere moderne Haustechnik ein riesiges Verbesserungspotenzial.

Auch die Nachfrage gewerblicher Bauherrn lag in den ersten beiden Monaten um gut 2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Investoren wollen den Energiebedarf verringern, mo­derns­­te Telekommunikation installieren und die Arbeitsplätze stärker an den Bedürfnissen älterer Arbeitnehmer ausrichten.

Im öffentlichen Bau vermitteln die Daten ein Bild mit Licht und Schatten. Zwar ist der Auftragseingang mit einem kräftigen Plus ins Jahr gestartet, angesichts der länger vorlaufenden Indikatoren ist es aber fraglich, ob sich der Trend wirklich gedreht hat: 2011 brach das genehmigte Bauvolumen um ein Viertel ein. Wachsende Ausgaben für Personal, Sozialleistungen und Zinsen lassen den Gemeinden keinen Raum für dringend notwendige Sanierungen oder gar eine offensive Baupolitik.

Fachkräftemangel bedroht Wettbewerbsfähigkeit

  
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Im Maschinenbau hat der Boom den Zenit überschritten. Die Bestellungen verfehlten im Februar das Vorjahresniveau um 14 Prozent. Dafür war hauptsächlich das Auslandsgeschäft verantwortlich. Die Inlandsnachfrage litt ebenfalls unter Ermüdungserscheinungen. Sie dürfte aber bald wieder Fahrt aufnehmen, denn die heimischen Unternehmen stehen unter einem gewaltigen Investitionsdruck, ausgelöst durch die Energiewende und explodierende Rohstoffpreise.

Aus der Sicht der Zulieferer und Gewerbedienstleister gibt es nur wenig Grund zur Sorge; gerade einmal 13 Prozent der Befragten stuften ihre Geschäftslage als schlecht ein. Was die Handwerker wirklich umtreibt, ist die Frage: Welches Personal soll die vielen Aufträge abarbeiten? Der Bundesverband der Metallbauer verkündete erst jüngst, dass 50 Prozent seiner Mitglieder den Fachkräftemangel als Bedrohung ihrer Wettbewerbsfähigkeit einstufen.

Kraftfahrzeuggewerbe: Am Automarkt schwächten sich zu Beginn des Jahres die Auftriebskräfte spürbar ab. Von Januar bis März übertrafen die Pkw-Neuanmeldungen den Wert aus 2011 nur noch um 1,3 Prozent. Die Verkäufe von Nutzfahrzeugen stagnierten. Alles in allem wurden 62 Prozent der Pkws auf gewerbliche Halter zugelassen. Offenbar kam der Absatz an Privatkunden nicht richtig in Schwung. Die Vielzahl der Rabattaktionen deutet ebenfalls darauf hin, dass es recht mühsam war, die Kunden in die Autohäuser zu locken. Unter anderem trübten die hohen Spritpreise die Stimmung. Es floss viel Geld in den Tank, das eigentlich für Service und Wartung vorgesehen war.

Lebensmittelhandwerke: Das Interesse der Menschen an gesunden Lebensmitteln nimmt zu – ein Trend, der den Absatz von Bio-Ware beflügelt und die Discounter an ihre Grenzen führt. Das Handwerk spürt den Aufwind, es muss jedoch gegen Strukturprobleme ankämpfen. Beispielsweise ist der Fleischkonsum in den vergangenen zwei Jahrzehnten um gut ein Sechstel geschrumpft. Außerdem fehlen Existenzgründer sowie Fach- und Nachwuchskräfte in großer Zahl. Trotz aller Schwierigkeiten waren 77 Prozent der Befragten mit ihrer aktuellen Lage zufrieden, nach 81 Prozent im Winter 2011.

Gewerbe für privaten Bedarf: Im Gesundheitsgewerbe beklagten 45 Prozent eine schrumpfende Nachfrage. Die Hauptbetroffenen waren zahntechnische Labors. Mit Einführung der neuen Gebührenordnung für Zahnärzte muss­ten die Patienten höhere Zuzahlungen leisten. Für die anderen privaten Dienstleister begann das Jahr vielversprechend.

Dank der robusten Konjunktur und der Entspannung der Schuldenkrise nach Verabschiedung des zweiten Rettungspakets für Griechenland waren die Konsumenten bei guter Laune. Da zudem das Hoch über dem Arbeitsmarkt anhielt und deutliche Lohnzuwächse im Raum standen, dürfte der reale Konsum im Berichtsquartal ausgeweitet worden sein. dhz