Im vergangenen Jahr haben sich alle Branchen des Handwerks im Aufwind befunden. Und auch für 2012 gibt es viele positive Vorzeichen. Das Lebensmittelhandwerk profitiert etwa vom Ökotrend. Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf werden jedoch Mühe haben, an den Erfolg von 2011 anzuknüpfen.
Marco Wenz und Lothar Semper
Baugewerbe: Im Baugewerbe werden die Umsätze nach der Winterpause wieder anziehen. Nachdem sich die Bauinvestitionen 2011 real um 5,8 Prozent erhöht haben – der stärkste Zuwachs seit 1994 –, rechnet die Bundesregierung für das laufende Jahr aber nur mit einer Zunahme um 0,8 Prozent. Wachstumspotenzial ist hauptsächlich im Wohnungsbau vorhanden. Dabei festigen die guten Beschäftigungs- und Verdienstaussichten den Trend. Außerdem stecken viele deutsche Haushalte im Modernisierungsstau. Laut einer Shell-Studie kommen auf die deutschen Immobilienbesitzer in den nächsten zwei Jahrzehnten rund 750 Milliarden Euro Sanierungs- und Renovierungskosten zu.
Allerdings steht zu befürchten, dass die Investitionen in diesem Bereich ins Stocken geraten. Einer der Gründe: Viele Sanierungswillige halten sich zurück, bis die Entscheidung zur steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung gefallen ist.
Baugenehmigungen sind gestiegen
Der Gewerbebau wird nach den gängigen Prognosen in der ersten Jahreshälfte einen Dämpfer erhalten. Aufgrund der Verunsicherung, die von der Schuldenkrise und den eingetrübten Konjunkturperspektiven ausgeht, werden viele Unternehmen ihre Investitionsvorhaben zurückstellen. Am aktuellen Rand sendet die Statistik aber noch keine derartigen Signale. Die Baugenehmigungen sind bis zuletzt im Jahresvergleich kräftig gestiegen.
Beim öffentlichen Bau zeichnet sich nach dem Abebben der Impulse aus den staatlichen Konjunkturpaketen ein Umsatzeinbruch ab. Die genehmigte Bausumme ist 2011 um knapp ein Fünftel geschrumpft. Womöglich fallen die Einnahmen hieraus hinter den Werten von 2008 zurück.
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinen- und Werkzeugbau hat 2011 geglänzt und ein Produktionsplus von 12 Prozent erreicht. 2012 dürfte die Auftragslage der Zulieferer zunächst unter Druck geraten, ehe sich in der zweiten Jahreshälfte der Investitionsstau aufzulösen beginnt. Der Wunsch nach energie- und rohstoffeffizienten Anlagen ist weiter groß. Dennoch reicht es laut VDMA (Dachverband des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus) nicht mehr für einen nochmaligen Produktionszuwachs. Immerhin werden 40 Prozent der deutschen Ausfuhren in den von der Staatsschuldenkrise gebeutelten Euro-Raum geliefert. Zudem läuft der Boom im Handel mit China aus; die Chinesen treten immer öfter selbst als aggressive Konkurrenten auf den Weltmärkten gegen die deutschen Firmen an.
Neben den Metall verarbeitenden Betrieben werden auch die anderen Handwerke für gewerblichen Bedarf Mühe haben, an das Erfolgsjahr 2011 anzuknüpfen. Die Textil- und die Gebäudereiniger sollten jedoch davon profitieren, dass die Industrie sich mehr und mehr auf ihre Kernkompetenzen zurückzieht und entsprechende Dienstleistungen an externe Anbieter vergibt.
Leichter Rückgang bei Kfz-Neuzulassungen
Kraftfahrzeuggewerbe: Der Neuwagenmarkt legte voriges Jahr deutlich zu, das Wachstum ging jedoch an den privaten Neuzulassungen weitgehend vorbei. Die vorliegenden Zulassungszahlen (Januar/Februar) deuten auf eine Beruhigung des Markts hin. Offensichtlich ist das Kaufinteresse bei Nutz- und Dienstfahrzeugen immer noch hoch, es reicht aber nicht mehr an das außergewöhnliche Vorjahresniveau heran.
Privatkäufer werden vergleichsweise selten in den Autohäusern vorstellig. Für dieses Jahr prognostiziert der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) einen leichten Rückgang der Neuzulassungen auf 3,1 Millionen. Im Gebrauchtwagenhandel ist mit geringen Zuwächsen auf 6,8 Millionen PKW-Besitzumschreibungen zu rechnen. Als weiteren Lichtblick benennt der ZDK das zumindest stabile Servicegeschäft.
Lebensmittelhandwerke: Die Entwicklung der Bäcker, Fleischer und Konditoren wird geprägt von der scharfen Konkurrenz auf dem Lebensmittelmarkt. Unter dem Preisdruck des Einzelhandels ist die Zahl der handwerklichen Betriebsstätten in den letzten zehn Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Unter anderem wegen regelmäßig auftretender Lebensmittelskandale und aus einem zunehmend ökologischen Bewusstsein heraus steht aber die handwerkliche Fertigung bei den Verbrauchern wieder hoch im Kurs. Ein Plus von 3 Prozent flankierte die Trendwende bei den Lebensmittelhandwerken im Jahr 2011.
In den kommenden Monaten wird der weiter anziehende Konsum die Entwicklung sicher begünstigen. Die Brauer hoffen zudem auf besseres Biergartenwetter als im letzten Sommer und umsatzträchtige Großveranstaltungen anlässlich der Fußball-EM. Seit dem Jahr 2000 ist der Bierabsatz um ein Zehntel gesunken.
Handwerk für privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerke erreichten im Jahr 2011 ein bescheidenes Umsatzplus von 2 Prozent. Für 2012 sind die Spielräume nicht unbedingt größer. Das gilt vor allem für Branchen, die von der Entwicklung der gesetzlichen Gesundheitsausgaben abhängen. Beispielsweise sorgt die zum 1. Januar eingeführte neue Gebührenordnung für Zahnärzte bei Kassenpatienten für höhere Zuzahlungen; das dürfte die Nachfrage nach Zahnersatz dämpfen.
Grundsätzlich gilt für Gesundheitshandwerke: Dank des steigenden Durchschnittsalters wird der Bedarf an Leistungen langfristig steigen. Auf der anderen Seite brechen den Krankenkassen wegen der schrumpfenden Bevölkerungszahl die Beitragszahler weg, so dass die Finanzierung des medizintechnischen Fortschritts ins Wanken gerät. Harter Wettbewerb kennzeichnet den Markt der Friseure. Während viele junge Anbieter über den Preis konkurrieren, setzen etablierte Firmen auf Kundenbindungskonzepte. Fachleute erwarten, dass es Salons mit einem sportlichen und trendigen Image am ehesten gelingen wird, die jüngere Zielgruppe anzusprechen. Im Hinblick auf ältere Kundschaft dürfte die Ausweitung des Angebots auf den Wellness-Sektor den meisten Erfolg versprechen.