Leitartikel Die Solarbranche muss erwachsen werden

Die Solarförderung ist nicht für ewig. Es wird nun Zeit für klare Pläne, damit sich der Markt der Solarwirtschaft selbst trägt und die Solarenergie bezahlbar bleibt.

Burkhard Riering

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Alle Argumente sind ausgetauscht und allseits bekannt. So weit, so gut. Doch zwischen Befürwortern und Skeptikern der Photovoltaik-Förderung scheint Konsens kein vorrangiges Ziel zu sein. Ideologisch und kämpferisch wurde lange die Debatte über die Solarzukunft geführt, und jede Seite hat stets die Studien und Zahlen parat, die ihr in den Kram passen.

Die Frage danach, wer "Recht" hat, lässt sich aber so nicht beantworten. Daher hier fünf grundlegende Aussagen, als Versuch eines Kompromissvorschlags:
  • Die Photovoltaik ist ein Mosaikstein in der Energiewende und hat allein deswegen ihre Existenzberechtigung. Sie infrage zu stellen, ist keine Lösung auf dem Weg hin zu mehr Klimaschutz.
  • Die Förderung von Solaranlagen hat in Deutschland einen starken Zubau entfacht. 2011 wurde abermals ein Rekordzubau erzielt mit 7,5 Gigawatt. Das gibt auch der Industrie und dem Handwerk einen enormen Schub und schafft Arbeitsplätze.
  • Die Preise für Solaranlagen sinken derzeit dramatisch, so dass auch die Förderung sinken kann. Für potenzielle Kunden ist ein Engagement weiterhin attraktiv.
  • Trotz des hohen Zubaus ist der Anteil am gesamten Stromverbrauch weiter gering. Er liegt in Deutschland bei drei Prozent, obwohl rund die Hälfte der Mittel aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz dafür verwendet werden müssen.
  • Wegen der so genannten EEG-Umlage steigt der Strompreis pro Kilowattstunde für die Verbraucher um zurzeit 3,59 Euro-Cent. Dies treibt also die ohnehin hohen Energiekosten weiter nach oben.
Schaut man sich diese fünf Fakten an, sind manche Pläne der Bundesregierung erst einmal nachvollziehbar. Denn weitere Kürzungen der Vergütung sind möglich bei sinkenden Anschaffungspreisen, auch ohne dass die Nachfrage gleich sinken muss. Dies bringt auch mehr Marktwirtschaft in eine erwachsen werdende Industrie nach fast zwölf Jahren Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Ist das eigentlich gerecht?

Auch der Versuch, die EEG-Umlage nicht weiter anschwellen zu lassen, ist notwendig. Die EEG-Umlage muss von jedem Verbraucher bezahlt werden. Zwar gibt es ganz andere ärgerliche Kostentreiber im Strommarkt, die Konzerne und der Staat tun das ihrige dazu. Doch ist es eigentlich gerecht, wenn Geringverdiener und Rentner mit kleinem Geldbeutel zusätzlich zur Kasse gebeten werden, weil Eigenheimbesitzer in großem Stil Solarzubau betreiben? Der Gesetzgeber jedenfalls wollte es so.

Vollständig verschlafen wurde aber noch etwas ganz anderes: Neue Technologien zu entwickeln, die den Strom aus Sonnenstrahlen speichern können. Denn erst dann wird diese Energiequelle effizient und kann zum Eigenverbrauch herangezogen werden. Eigennutzung würde das volle Stromnetz entlasten und die Rechnung des Stromverauchers.

Die Förderung ist endlich

Unser Strom muss fließen, egal ob die Sonne scheint oder es in Strömen regnet. Sonst wird die Solarenergie nicht ernst genommen. Daher braucht es Innovationen, daher bietet die Solarbranche noch Entwicklungspotenzial.

Hier sollten Bundesregierung und Industrie ansetzen: Solarenergie wirtschaftlicher und wettbewerbsfähiger zu machen. Denn die Förderungen sind endlich, das steht zumindest fest.