Kommentar Weniger Schattenwirtschaft

Die gute Nachricht: Die Schattenwirtschaft in Deutschland geht nach Erwartungen renommierter Forscher 2012 im dritten Jahr hintereinander zurück. Die schlechte Nachricht: Noch immer werden 343 Milliarden Euro in Deutschland schwarz erwirtschaftet. Das entspricht 13,4 Prozent des aktuellen Bruttoinlandsprodukts.

Lothar Semper

Dr. Lothar Semper, stellvertretender Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Kasia Sander
Dr. Lothar Semper

Die Experten verstehen dabei unter Schattenwirtschaft vor allem die Schwarzarbeit. Hinzu kommen illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel und Schmuggel. Rein rechnerisch entspricht das Volumen der Schattenwirtschaft in unserem Land rund fünf Millionen Erwerbstätigen. Nicht auszudenken, was dies auch an zusätzlichen Einnahmen für Fiskus und Sozialkassen zur Folge hätte.

Mindestlohn in der Zeitarbeit kontraproduktiv?

Nun wäre es allerdings illusorisch, zu erwarten, man könne das Niveau der Schatten wirtschaft auf null reduzieren. Die USA weisen als OECD-Staat mit der niedrigsten Quote einen Wert von sieben Prozent auf, also rund die Hälfte des Standes in Deutschland. Eine derart niedrige Rate hatten wir hierzulande zuletzt Ende der 70er Jahre.

An der Spitze liegen übrigens Griechenland, Italien, Portugal und Spanien – mithin die Staaten, die derzeit am meisten mit der Schuldenkrise zu kämpfen haben.
Nach Auffassung der Experten ist der Rückgang der Schwarzarbeit vor allem der günstigen Arbeitsmarktentwicklung und dem Wirtschaftswachstum zu verdanken. Den neuen Mindestlohn in der Zeitarbeit halten die Experten in diesem Sinn für kontraproduktiv. Ob da allerdings nicht mit zu spitzer Feder gerechnet wurde?

Eine Feststellung wird dem Handwerk besonders gefallen: Die Autoren der aktuellen Untersuchung sehen im "Handwerkerbonus" ein wichtiges Instrument zur weiteren Absenkung der Schwarzarbeit und schlagen deshalb eine Erhöhung des absetzbaren Betrages auf 2.000 Euro vor. Es ist dringend zu hoffen, dass dies auch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young zur Kenntnis nehmen, die derzeit die Wirksamkeit der steuerlichen Förderung für Handwerkerleistungen evaluieren.

Lohnzusatzkosten belasten

Als weitere geeignete Maßnahme wird eine befristete Mehrwertsteuerrückvergütung bei arbeitsintensiven Dienstleistungen im Bau- und Baunebengewerbe erachtet. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob dafür nicht andere Wirtschaftsbereiche und Branchen mit höherer Mehrwertsteuerbelastung bluten müssten.

Eine hohe Quote an Schattenwirtschaft ist immer auch ein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Bei uns ist es vor allem die hohe Belastung mit Lohnzusatzkosten, die manche Schwarzarbeit zum Kavaliersdelikt hat werden lassen. Die Senkung des Rentenversicherungsbeitrages ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.