Anton Schlecker: Vom Metzgermeister zum umstrittenen Discounterkönig

Er war Metzgermeister und stieg bis ganz oben auf: Anton Schlecker. Jetzt ist seine Discounter-Kette so gut wie am Ende. Und dafür haftet der Schwabe offenbar mit seinem Privatvermögen.

Anton Schlecker mit seiner Ehefrau. - © dapd

Der einst größte deutsche Discounter-Unternehmer geht in die Knie: Anton Schlecker, der das nicht unumstrittene Unternehmen über Jahrzehnte groß gemacht hat, ist mit seiner Billigkette in die Insolvenz gerutscht. Seit Jahren schreibt das Unternehmen rote Zahlen, die Kunden bleiben weg, das Image ist ruiniert, die Strategie des Discounters nicht mehr zeitgemäß. Was bislang nicht bekannt war: Antion Schlecker haftet als "eingetragener Kaufmann" auch mit seinem Privatvermögen, wie das Amtsgericht Ulm erklärte.

Lange Erfolgsstory Schlecker

Angefangen hat Anton Schlecker, Jahrgang 1944, in der Fleischwarenfabrik seines Vaters. Anton Schlecker ist gelernter Metzgermeister, die Eltern haben ein paar Filialen. Noch 1965 eröffnet der geschäftstüchtige Schwabe den ersten Selbstbedienungsladen. Doch erst mit der Aufhebung der Preisbindung im Handel im Jahr 1974 erhält das Geschäftsmodell den nötigen Schub. 1975 eröffnet Schlecker die erste richtige Drogerie, in der die Handelsware in den Regalen ausliegt - bis dato wurden Drogerieartikel nur über die Theke verkauft wie in der Apotheke.

Aus dieser Idee entsteht in der Folge die größte Discounterkette der Republik. Schlecker hat damit in den 80er und 90 er Jahren enormen geschäftlichen Erfolg. Das US-Magazin „Forbes“ führte den Unternehmer aus Ehingen zuletzt mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen.

Ruf ist angeschlagen

Doch andere attraktive Anbieter wie dm und Rossmann haben Schlecker in den vergangenen Jahren zunehmend das Geschäft schwer gemacht. Zudem litt das Ansehen in letzter Zeit immens: Immer mehr Beschwerden über schlechte Arbeitsbedingungen gelangen an die Öffentlichkeit. Gewerkschaften werfen Schlecker vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren.

2010 ist der Ruf derart ruiniert, dass der Patriarch seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze holt. Sie sollen Vertrauen und Sympathie zurückgewinnen. Schlecker soll transparenter werden, die Filialen sollen hochwertiger werden, der Nachbarschaftsgedanke wird gepflegt. Ein Slogan heißt „For you. Vor Ort.“ Im Internet machen sie daraus allerdings jetzt: „For You. Vorbei.”

Ganz vorbei ist es aber nicht. Anton Schlecker, Gattin Christa und Familie streben ein Insolvenzverfahren an, bei dem sie die Kontrolle weiter behalten können. Und das Unternehmen erhalten bleibt. bur