Kommentar Die Euro-Krise geht weiter

Für das deutsche Handwerk dürfte die Wirtschafts- und Finanzlage auch weiterhin mit sehr vielen Unsicherheiten verbunden sein. Darüber können auch die von der deutschen Bundesregierung als Erfolg verkauften Beschlüsse des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs nicht hinwegtäuschen.

Hajo Friedrich

Bis die Vereinbarungen von nur noch 23 EU-Ländern über eine strengere Kontrolle der öffentlichen Haushalte greifen werden noch viele Monate vergehen. Sie sind auf die Zukunft gerichtet. Für kurzfristiges Management fehlt der Politik Kraft und Entschlossenheit. Die so genannten Märkte, einschließlich der Rating-Agenturen dürften auch in den kommenden Monaten des Geschehen beherrschen.

Was bedeutet das zum Beispiel für die Kreditaufnahme? Nicht vom Tisch ist die Gefahr einer Kreditklemme. Wenn schon Banken zurückhaltend werden, sich gegenseitig Geld zu leihen, dann dürfte es für ihre Kunden noch schwerer werden, Kapital für Investitionen zu erhalten. Darüber dürfte auch die jüngste Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) nichts ändern. Schon seit Längerem leiden Verbraucher und Unternehmen unter dem Widerspruch, dass ihre Hausbanken Geld fast zum Nulltarif erhalten, ihren Kunden aber hohe zweistellige Zinsen abverlangen. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass das System der Finanzmärkte aus dem Lot geraten ist und einer Neuordnung bedarf.

EZB ist längst der Rettungsanker

Und die EZB? Ob sie es will oder auch nicht, ob es die Politiker aussprechen oder nicht – die EZB ist längst zum Rettungsanker für  Staatsfinanzierung verkommen. Sie muss in den kommenden Monaten nicht nur Griechenland, sondern auch andere, größere klamme Staaten vor der Pleite zu retten. Damit wird nicht nur das einstige Oberziel der EZB, die Geldwertstabilität zu erhalten, aufgegeben. Damit wird Schritt für Schritt auch deutlich, dass (noch) wohlhabende Länder wie Deutschland für den Schlendrian anderer Euro-Länder haften müssen. Und zwar für den riesigen, angehäuften Schuldenberg.

Die Versuchung in den Euro-Hauptstädten dürfte wachsen, diesen mit konventionellen Mitteln kaum abzutragenden Berg mittels Inflation loszuwerden. Schlimme Aussichten. Darüber offen sprechen ist noch ein Tabubruch. Doch das Volk kann nur begrenzt für dumm verkauft werden. Der Run auf die Sparkonten und die Suche nach anderen, besser vor Inflation geschützten Anlagen hat längst schon begonnen.