Der Konjunkturaufschwung des deutschen Handwerks ist in der ersten Jahreshälfte 2011 ungewöhnlich kraftvoll verlaufen und hat sich im 3. Quartal nahezu unvermindert fortgesetzt.
Dieser sehr erfreuliche Trend korrespondiert mit der hervorragenden Stimmungslage in den Betrieben: Der Geschäftsklimaindex im Handwerk lag unverändert bei 89 Punkten, dem höchsten Wert seit 20 Jahren. Angesichts guter realwirtschaftlicher Daten im Handwerk zeigten sich die Umfrageteilnehmer bislang unbeeindruckt von den aufkommenden Rezessionsängsten.
Die Beschäftigung nahm im Laufe des Berichtsquartals konjunktur- und saisonbedingt weiter zu. Vor allem die hohe Kapazitätsauslastung und die gut gefüllten Auftragsbücher veranlassten die Firmeninhaber, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Allerdings waren geeignete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nur schwer zu bekommen. Das eingetrübte gesamtwirtschaftliche Umfeld hat die Einstellungsbereitschaft der Betriebe noch nicht beeinträchtigt. Ende September 2011 war die Zahl der tätigen Personen ein halbes Prozent höher als zum Vorjahreszeitpunkt.
Die Auslastung der Betriebe in der Meldeperiode betrug 80 Prozent und wies damit gegenüber dem Frühjahrswert keine Veränderung auf. Die Seitwärtsbewegung auf dem Rekordniveau lässt vermuten, dass die Handwerkskonjunktur den Zenit erreicht hat. Zum vergleichbaren Vorjahresstand (79 Prozent) gab es noch eine Steigerung um einen Prozentpunkt.
Komfortable Auftragsreserven
Der Auftragseingang bewegte sich nach wie vor auf hohem Niveau, wenngleich die Dynamik in den vergangenen drei Monaten leicht nachgelassen hat. Die Nachfrageberuhigung ist im Wesentlichen eine zyklische Reaktion auf den rasanten wirtschaftlichen Aufholprozess. Dagegen hatten die gestiegenen Konjunkturrisiken und der damit einhergehende Stimmungsabfall in der gewerblichen Wirtschaft noch keine spürbaren Auswirkungen auf den Bestelleingang. Folglich verfügte das Handwerk zum Ende des 3. Quartals über komfortable Auftragsreserven von durchschnittlich 1,7 Monaten (Vorjahr: 1,5 Monate).
Die Umsätze blieben auch im Sommerquartal auf Wachstumskurs. Das Expansionstempo hat sich allerdings nach dem außerordentlich starken Anstieg in der ersten Jahreshälfte verlangsamt. Getragen wurde die Umsatzausweitung weiterhin vom Baugewerbe, den Zulieferern und dem Kraftfahrzeughandwerk. Darüber hinaus haben aber auch die konsumnahen Branchen zur positiven Entwicklung beigesteuert. Der Handwerksumsatz nahm in den ersten neun Monaten 2011 wahrscheinlich um nominal rund sieben Prozent zu.
Die Investitionstätigkeit der Firmeninhaber hat zuletzt etwas an Schwung eingebüßt. Die Ausgaben für Maschinen, Fahrzeuge und Geräte sowie für Baumaßnahmen lagen aber weiter klar über dem Vorjahresniveau. Der verbesserte Auslastungsgrad und die nach wie vor günstigen Finanzierungskonditionen wirkten dabei investitionsstützend.