Die Schuldenkrise wird zur Machtprobe

Die Schuldenkrise zehrt zunehmend an den Nerven. Während die Finanzminister um ein tragfähiges Sanierungskonzept ringen, spitzt sich die Lage weiter zu. Nicht nur in Athen, sondern auch in anderen Großstädten gingen die Menschen vor Wut auf die Straße.

Demonstration gegen die Macht der Finanzmärkte vor dem Gebäude der Europaeischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Foto: dapd

Die Schuldenkrise wird zur Machtprobe

Nicht nur in Athen, sondern auch in anderen Großstädten dieser Welt gehen die Menschen vor Wut auf die Straße. Und hinter den Kulissen tobt derweil ein Machtkampf zwischen den Spitzenvertretern der Banken und den Regierungen.

Die Politik will die Finanzinstitute dazu zwingen, mehr zur Krisenbekämpfung beizutragen. Die Banken sollen höheres Eigenkapital nachweisen, nicht zuletzt um im Fall einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht in die Knie zu gehen. Die Finanzwirtschaft fürchtet hingegen und um ihr Geschäft – und um ihre Unabhängigkeit. Da derzeit kaum jemand den Banken Geld geben will, müssten dies im Zweifelsfall wieder die Staaten übernehmen.

Als erster hat sich der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aus der Deckung gewagt. Er warnte öffentlich in Berlin vor den Folgen, wenn die Übereinkunft vom Frühsommer in Frage gestellt würde. Damals hatten die Banken zugesagt, auf 21 Prozent ihrer Forderungen gegen die Regierung in Athen zu verzichten. Ackermann hatte dies damals als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands gegen heftige interne Widerstände durchgesetzt. Nun warnt er: Wenn diese Einigung in Frage gestellt werde, würden die Investoren aus Amerika und Asien künftig europäische Staatsanleihen wie heiße Kartoffeln behandeln, da sie neue Abschläge befürchteten. Wenn sie die Finger von italienischen und spanischen Papieren ließen, könne das kein noch so großer Rettungsfonds auffangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy haben sich zuvor entschlossen gezeigt, für eine ausreichende Finanzausstattung der Banken im Euro-Raum zu sorgen. Der französische Finanzminister Francois Baroin sprach sich schon dafür aus, die Banken zu zwingen, bis Ende des ersten Quartals 2012 auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

Die Ratingagentur Fitch hat unterdessen für acht Großbanken in Europa schlechtere Einstufungen angekündigt, darunter ist auch die Deutsche Bank. Um die neue Vorgabe erfüllen zu können, ohne "Staatsbank" werden zu müssen, wolle man sich notfalls von strategischem Geschäft trennen, drohte Ackermann. Die Finanzvertreter lassen zudem durchblicken, dass dann weniger neue Kredite vergeben werden dürften. Dies wiederum würde die wirtschaftliche Entwicklung gefährden. Eine Kreditklemme wäre das Letzte, was die Regierungen im Euro-Raum derzeit gebrauchen können. Die Machtprobe ist noch nicht entschieden.